Belarus: Zahl der Religionsgemeinschaften sinkt nach Neuregistrierung
In Belarus ist die Zahl der religiösen Gemeinden aufgrund der obligatorischen Neuregistrierung gesunken. Die Frist zur Einreichung der nötigen Dokumente endete im Juli 2025 und für Anfang 2026 waren aktualisierte Zahlen zur Situation der Religionsgemeinschaften erwartet worden. Eine nationale Statistik für das Jahr 2025 wurde zwar bisher nicht veröffentlicht, aber einzelne belarusische Regionen haben bereits neue Daten publiziert, die die Aktivistengruppe Christliche Vision ausgewertet hat. Aus diesen geht ein Rückgang von Kirchgemeinden, die sich alle einzeln neu registrieren lassen mussten, aber auch das Verschwinden von ganzen Konfessionen hervor.
In der Oblast Hrodna sind aktuell 483 religiöse Organisationen registriert, die 14 Konfessionen angehören, bis zur Neuregistrierung waren es 520 Organisationen und 16 Konfessionen. Welche Konfessionen verschwunden sind, ist aus den knappen Informationen der Behörden nicht ersichtlich. Zudem wurde eines von vier katholischen Klöstern liquidiert, wobei das auch mit Anpassungen innerhalb der Diözese zu tun haben könnte, wie Christliche Vision schreibt.
Die Oblast Vitebsk zählt 492 Kirchgemeinden und 17 Konfessionen, während es am 1. Januar 2025 noch 525 Gemeinden und 18 Konfessionen waren. Bei der nicht mehr registrierten Konfession handelt es sich um die Kirche Jesu Christi der letzten Tage. Liquidiert wurden drei Gemeinden der Belarusischen Orthodoxen Kirche, sieben der Christen evangelischen Glaubens, sechs der Baptisten, eine der Adventisten, neun der Evangelisch-Lutherischen Kirche, zwei der Christen des vollen Evangeliums, eine der Neuapostolischen Kirche sowie je eine orthodoxe jüdische und progressive jüdische Gemeinde.
In der Region Homel zeigt sich ein ähnliches Bild, dort sind zwei Konfessionen nicht mehr aktiv und verschiedene Kirchgemeinden liquidiert worden. Unter den liquidierten religiösen Gemeinden sind Gemeinden der Belarusischen Orthodoxen Kirche, der römisch-katholischen Kirche und verschiedener protestantischer Kirchen sowie jüdische Gemeinden. In der Oblast Mahiljou gibt es neu keine Gemeinden der Kirche Christi, der Mormonen und der Bahai. Die Zahl der Gemeinden sank von 298 auf 237, dabei wurden Gemeinden der orthodoxen Kirche, protestantischer Kirchen, der Armenischen Apostolischen Kirche sowie eine jüdische Gemeinde liquidiert. Die römisch-katholische Kirche schloss zwölf Gemeinden, das ist die Hälfte aller ihrer zuvor registrierten Gemeinden in der Oblast Mahiljou. Die Regionen Minsk und Brest haben noch keine statistischen Daten veröffentlicht.
Christliche Vision weist darauf hin, dass Kirchgemeinden auch aus realen Gründen geschlossen werden. So hätten einige römisch-katholische Gemeinden in der Oblast Mahiljou nur „auf dem Papier“ existiert, tatsächlich habe es für den Erhalt der Gemeinde zu wenig Gläubige gegeben, da ihre Zahl aufgrund von Migration und Todesfällen zurückgegangen sei. Andere Gemeinden seien schon ursprünglich mit der minimal nötigen Anzahl Mitglieder registriert worden, in der vergeblichen Hoffnung auf einen späteren Zuwachs an Gläubigen.
Die Neuregistrierung aller religiösen Organisationen zu verschärften Bedingungen war nötig, weil in Belarus 2024 ein neues Religionsgesetz in Kraft getreten trat. Das im Vorfeld stark umstrittene Gesetz gilt als repressiv und nicht im Einklang mit internationalen Standards. Es führte verschiedene Einschränkungen für Religionsgemeinschaften ein und verbietet ihnen jegliche politische Aktivität. Beobachter sehen im Gesetz ein Mittel zur Repression gegen Religionsgemeinschaften, das im Zusammenhang mit dem staatlichen Vorgehen gegen alle nicht-regierungstreuen Teile der Gesellschaft seit den Massenprotesten gegen die gefälschte Präsidentschaftswahl 2020 steht. (NÖK)

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