Zum Hauptinhalt springen

Serbien: Kirche und Staat planen Universität

07. Mai 2026

Anfang April haben die Serbische Orthodoxe Kirche (SOK) und die serbische Regierung ein Memorandum unterzeichnet, in dem sie ihre Absicht erklären, gemeinsam eine neue Universitität zu gründen. Das Ziel der geplanten Universität Sveti Sava wird nicht näher beschrieben, ebenso wenig wird klar, ob es sich um eine staatliche oder eine private Institution handeln soll. Aus der Regierung hieß es, dass nach der Absichtserklärung in Form des Memorandums Gespräche über die Details der Universitätsgründung beginnen sollten. Die beiden Parteien planten das Projekt, weil sie den „ständigen Fortschritt des Bildungssystems und die Erhöhung seiner Qualität in Übereinstimmung mit den Grundsätzen des Wissens, der Erziehung und Moral“ als notwendig erachteten.

Die SOK bezeichnete die „kirchliche Initiative“ als natürliche Folge der „jahrhundertlangen Sorge der SOK für die Aufklärung des eigenen Volks“. Die Öffentlichkeit sei überrascht, dabei habe lediglich eine lange bestehende Idee eine klarere Form erhalten. Zugleich betonte die SOK, dass das Memorandum keine endgültigen Entscheidungen beinhalte, sondern den Beginn eines Prozesses markiere. Sie kritisierte, dass dies in den Medien ungenau oder falsch dargestellt worden sei. Außerdem bemängelte die Kirchenleitung, dass in der Berichterstattung fälschlicherweise der Staat als treibende Kraft und die SOK nur als Beteiligte erscheine. Dies sei eine verzerrte hierarchische Darstellung, tatsächlich seien die Partner gleichberechtigt.

In der Öffentlichkeit gab es Befürchtungen, dass mit der Universität eine staatlich finanzierte Privatschule gegründet werde. Kritiker sehen zudem Verstöße gegen die verfassungsmäßige Trennung von Kirche und Staat in Serbien. So sieht eine Belgrader Universitätsprofessorin in der Initiative ein weiteres Zeichen der „Symbiose“ zwischen der Leitung der SOK und der regierenden Serbischen Fortschrittspartei von Präsident Aleksandar Vučić. Der Theologe Vukašin Milićević, der von der SOK ausgeschlossen wurde, verweist darauf, dass die SOK beispielsweise offiziell die Haltung der Regierung gegenüber den seit November 2024 andauernden Studierendenprotesten übernommen habe. Weiter wirft er der Leitung der SOK vor, vom Bildungssystem zu erwarten, ein System der Indoktrination zu sein. Der Regierung werfen Kritiker vor, gegen Universitäten und alle anderen Bildungsinstitutionen vorzugehen, in denen kritisches Denken gepflegt wird. Insbesondere übe sie Druck auf Fakultäten aus, wenn diese die Studierendenproteste unterstützten.

Unklar ist, was mit der Theologischen Fakultät in Belgrad passieren würde, sollte die Sveti Sava-Universität gegründet werden. Diese gehört zur staatlichen Universität in Belgrad. In den letzten Jahren gab es wiederholt Auseinandersetzungen in Personalfragen und um den Einfluss der SOK. (NÖK)

Umstritten und skandalös. Der Besuch von Patriarch Porfirije in Moskau

Patriarch Porfirijes Reise nach Moskau und seine Aussagen dort haben viel Aufregung ausgelöst. Vukašin Milićević erläutert die Hintergründe und zeigt auf, was die Positionierungen einzelner Bischöfe für die Kirche in Serbien bedeuten. 


Patriarch Porfirije in the Abyss of (Bad) Theology and (Even Worse) Politics

Der serbische Patriarch betont immer wieder, dass die Kirche außerhalb der Politik und an der Seite des Volks stehe. Davor Džalto legt dar, wie diese Aussage zu verstehen ist und wer dabei mit "Volk" gemeint ist.


Patriarch Porfirije in Moskau: kirchenpolitische Reiseplanungen und erstaunliche Aussagen

Die Aussagen des serbischen Patriarchen Porfirije bei seinem Besuch beim russischen Präsidenten haben in Serbien für Kritik gesorgt. Sein Besuch in Russland ist aber auch ein Signal für die Orthodoxie insgesamt, erklärt Thomas Bremer.


Die Proteste in Serbien und die Serbische Orthodoxe Kirche

Seit November 2024 protstieren in Serbien viele Menschen gegen Korruption. Davor Džalto erklärt die Haltung der Serbischen Orthodoxen Kirche zu den Protesten und entwirft mögliche Zukunftsszenarien. 


Akademische Freiheit in Gefahr

Die Spannungen um die Orthodoxe Theologische Fakultät in Belgrad dauern weiter an, drei weiteren Professoren sollte vom Hl. Synod der Serbischen Orthodoxen Kirche der Segen entzogen werden. Milan Vukomanović beleuchtet die Hintergründe der jüngsten Entwicklungen.


Redeverbot für Dozenten an der Theologischen Fakultät in Belgrad
Nach kritischen Äußerungen zur Coronavirus-Situation wurde Vukašin Milićević, Dozent an der Theologischen Fakultät in Belgrad, vom Hl. Synod mit einem Redeverbot belegt. Sein Kollege Rodoljub Kubat beleuchtet die Hintergründe und Spannungen um die Fakultät.