Zum Hauptinhalt springen

Serbien: Kritische Theologen exkommuniziert

26. Februar 2026

Die Serbische Orthodoxe Kirche (SOK) hat zwei prominente Theologen exkommuniziert. Blagoje Pantelić und Vukašin Milićević sind lautstarke Kritiker der kirchlichen Unterstützung für die serbische Regierung unter Präsident Aleksandar Vučić und entschiedene Unterstützer der landesweiten Proteste gegen die Regierung, die seit November 2024 andauern. Milićević wurde zudem sein Priesterrang aberkannt. Das Verfahren gegen die beiden Theologen begann, als sie im August vom Kirchengericht des Erzbistums Belgrad und Karlovci vorgeladen wurden und aussagen mussten, wobei beide schon zuvor Druck vonseiten der Kirchenleitung ausgesetzt waren.

Sowohl das staatliche als auch das kirchliche Regime störten sich an jeder kritischen Stimme, erklärte Milićević. Die SOK verfolge das gleiche Ziel wie die Regierung gegenüber der Gesellschaft, nämlich eine vollständige Disziplinierung durch Einschüchterung aller, die es wagten, etwas über den katastrophalen Zustand der Gesellschaft zu sagen. Pantelić meinte, die SOK sei bereit, mit allen abzurechnen, die nicht gewillt seien, Loyalisten der Regierungspartei in Serbien zu sein. Das Verhalten von Patriarch Porfirije bezeichnete er als „skandalös“. Falls sich nichts ändere, werde diese Verfolgung mit der Entfernung politisch missliebiger Bischöfe enden. Ihm sei kein ähnlicher Fall bekannt, in dem ein Laientheologie auf diese Weise bestraft worden sei, nur weil seine Meinungen dem Patriarchen nicht gefielen.

Das drastische Vorgehen gegen die beiden Theologen erregte auch außerhalb Serbiens Aufmerksamkeit. So verurteilte der ukrainische Theologe Cyril Hovorun die Exkommunikation der beiden „hervorragenden“ Theologen, die sich Kritik an der Mésalliance zwischen Kirche und Regierung erlaubt hätten. Er verwies auf einen weiteren Fall, in dem der serbische Bischof von Schweden einem Priester den Dienst verboten habe, weil dieser im schwedischen Fernsehen den russischen Präsidenten Vladimir Putin mit Hitler verglichen hatte.

Zugleich zeigen sich die engen Verbindungen zwischen der Kirchenleitung der SOK und staatlichen Vertretern in gegenseitigen Auszeichnungen. So verlieh Bischof Sergije (Krananović) von Bihać und Petrovac am 9. Februar dem serbischen Präsidenten Vučić den Orden der Heiligen Neumärtyrer von Bihać und Petrovac. Damit dankte er Vučić für dessen Verständnis und die erwiesene materielle Hilfe für seine Eparchie. Am Sretenje-Feiertag, dem Nationalfeiertag Serbiens, erhielt Metropolit Irinej (Bulović) von Bačka zudem einen der höchsten Orden des Landes, den Sretenje-Orden erster Klasse. Überreicht wurde ihm dieser von Präsident Vučić. In seiner Dankesrede bezeichnete Irinej die SOK als eine der wichtigsten Stützen „unserer Identität, unserer Geschichte und schließlich auch unserer Staatlichkeit“. (NÖK)

Umstritten und skandalös. Der Besuch von Patriarch Porfirije in Moskau

Patriarch Porfirijes Reise nach Moskau und seine Aussagen dort haben viel Aufregung ausgelöst. Vukašin Milićević erläutert die Hintergründe und zeigt auf, was die Positionierungen einzelner Bischöfe für die Kirche in Serbien bedeuten. 


Patriarch Porfirije in the Abyss of (Bad) Theology and (Even Worse) Politics

Der serbische Patriarch betont immer wieder, dass die Kirche außerhalb der Politik und an der Seite des Volks stehe. Davor Džalto legt dar, wie diese Aussage zu verstehen ist und wer dabei mit "Volk" gemeint ist.


Patriarch Porfirije in Moskau: kirchenpolitische Reiseplanungen und erstaunliche Aussagen

Die Aussagen des serbischen Patriarchen Porfirije bei seinem Besuch beim russischen Präsidenten haben in Serbien für Kritik gesorgt. Sein Besuch in Russland ist aber auch ein Signal für die Orthodoxie insgesamt, erklärt Thomas Bremer.


Die Proteste in Serbien und die Serbische Orthodoxe Kirche

Seit November 2024 protstieren in Serbien viele Menschen gegen Korruption. Davor Džalto erklärt die Haltung der Serbischen Orthodoxen Kirche zu den Protesten und entwirft mögliche Zukunftsszenarien.