Bosnien-Herzegowina: Breite Verurteilung von Vandalenakten in Međugorje
Zahlreiche politische und religiöse Vertreter haben die Vandalenakten in der herzegowinischen Pilgerstätte Međugorje verurteilt. Am frühen Morgen des 28. Juli waren mehrere Marienstatuen auf dem Berg Podbrdo mit schwarzer Farbe beschmiert und Plakate mit Aufschriften gegen Maria und die Seherinnen und Seher, denen sie angeblich erscheint, angebracht worden. Zudem wurde der Außenaltar der Pfarrkirche des Hl. Jakob angezündet, das Feuer konnte jedoch schnell gelöscht werden.
In Međugorje berichteten erstmals 1981 sechs Kinder von Marienerscheinungen. Einigen der inzwischen längst erwachsenen „Seher“ erscheint sie angeblich noch immer regelmäßig, teils sogar täglich. An der Echtheit der Erscheinungen bestehen Zweifel, mehrere Untersuchungen des Vatikans kamen zu keinem Ergebnis. Dennoch ist Međugorje zu einem enorm beliebten Wallfahrtsort geworden. Seit 2017 gibt es einen Papstgesandten für die Begleitung der Pilger vor Ort und 2019 hob Papst Franziskus ein Verbot offizieller Wallfahrten auf. 2024 wurde die Marienverehrung schließlich vom Vatikan offiziell genehmigt.
Die Pfarrgemeinde Međugorje drückte in ihrem Statement große Trauer aus. Sie rief die Gläubigen auf, mit „Gebet, Fasten und Vergebung“ auf die Tat zu reagieren, zudem solle für die Umkehr der Herzen der Täter gebetet werden. Es sei sofort mit der Reinigung und Reparatur begonnen worden, damit die Gebetsorte möglichst schnell wieder nutzbar seien. Weiter erklärte die Pfarrgemeinde, dass die Stätte für alle Pilgerinnen und Pilger offenbleibe, und das religiöse Programm unverändert stattfinde.
Der Interreligiöse Rat von Bosnien-Herzegowina verurteilte die Vandalenakte scharf. Diese stellten einerseits eine „tiefe Verletzung der Gefühle katholischer Gläubiger“ dar, zugleich aber auch einen „Schlag gegen den Frieden, zwischenmenschlichen Respekt und die Würde aller Menschen in Bosnien-Herzegowina“. Heiligtümer aller Glaubensgemeinschaften müssten geschützt und respektiert werden. Der Rat unterstützte insbesondere das „würdige“ Statement der Pfarrgemeinde und drückte ihr seine Solidarität aus. Die Polizei und Gerichtsorgane rief er auf, den Vorfall unverzüglich aufzuklären.
Der römisch-katholische Bischof von Mostar-Duvno, Petar Palić, drückte tiefes Bedauern über die Tat aus und verwies ebenfalls auf die Verletzung religiöser Gefühle. Ungeachtet unterschiedlicher Meinungen zu Međugorje könne nichts „Hass, Gewalt oder die Entweihung von Orten des Gebets“ rechtfertigen. Auch er rief die Gläubigen auf, nicht mit Erbitterung oder Verurteilungen zu reagieren, sondern „mit den seit jeher stärksten Waffen der Kirche. Gebet, Fasten, Vergebung und Vertrauen in die göttliche Vorsehung“.
Von den Medien befragte Pilger zeigten sich schockiert. Verschiedene kroatische Politiker, darunter Ministerpräident Andrej Plenković, verurteilten die Vandalenakte ebenfalls scharf, ebenso verschiedene bosnische Politiker und Parteien. Noch am gleichen Tag konnte die Polizei einen Verdächtigen festnehmen und der bosnischen Staatsanwaltschaft übergeben. Angeblich handelt es sich um einen polnischen Bürger.
Da die beschädigten Gebetsstätten innerhalb eines Tages – unter anderem mithilfe Freiwilliger – wieder instandgesetzt werden konnten, sollte der Vandalenakt das bevorstehende Mladifest nicht behindern. Zum jährlichen Jugendfestival in Međugorje werden Zehntausende jugendliche Pilgerinnen und Pilger aus aller Welt erwartet. Die zentralen Feierlichkeiten finden am Außenaltar der Pfarrkirche des Hl. Jakob statt. (NÖK)
Zum internationalen Jugendfest in Međugorje wird hochrangiger Besuch aus dem Vatikan erwartet. Stefan Kube erklärt, wie sich die Haltung des Vatikans zum umstrittenen Marienwallfahrtsort in Bosnien-Herzegowina gewandelt hat.Weiterlesen