Ungarn: Katholische Wohlfahrtsorganisation feiert 75-Jahr-Jubiläum
Die Katholische Wohlfahrtsorganisation Ungarns hat in Bakonybél, in der Abtei der Benediktiner im Gebirge der Bakony, ihr 75-jähriges Bestehen gefeiert. Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter aus allen Teilen des Landes nahmen an der Jubiläumsveranstaltung am 8. August teil, die an die Gründung der Einrichtung im Jahr 1950 erinnerte.
Im Jahr 1950 war das kleine Dorf Bakonybél einer jener fünf Orte, an denen alte und kranke Ordensleute untergebracht wurden, die durch die Auflösung der Orden im kommunistischen Ungarn auf die Straße gesetzt worden waren. Diese fünf Heime bildeten die Keimzelle der Wohlfahrtsorganisation, die in den vergangenen 25 Jahren eine große Entwicklung erfahren hat und heute landesweit mehr als 1600 Menschen betreut.
Hauptzelebrant der Festmesse am Gedenktag des hl. Dominikus war der emeritierte Erzabt von Pannonhalma, Asztrik Várszegi. In seiner Predigt betonte er, dass die Nachfolge Christi „kein Gesellschaftsausflug“ sei, bei der es darum gehe, dass der Mensch sich wohlfühle, sondern darum, am Leben Jesu – und damit auch an seinem Leiden – teilzuhaben. Die Nachfolge Jesu sei ein Exodus aus der Komfortzone des Gewohnten und der Sicherheit, so Várszegi. Sie verlange Bedingungslosigkeit, und durch den Verlust des eigenen Selbst lerne man, was Lieben bedeutet, und erlebe, dass Gott uns liebt.
Izsák Baán, Prior des Benediktinerkonvents St. Mauritius in Bakonybél, kam im Jahr 2000 als Interessent für das Ordensleben nach Bakonybél. Damals lebten in dem Gebäude noch einige alte Schwestern neben den vier Benediktinern, die 1998 das in jenem Jahr zurückerhaltene Kloster wiederbelebt hatten. In einem heruntergekommenen Gebäude begann die benediktinische Präsenz im Wesentlichen frisch und lebhaft, erinnerte sich Baán. „Der Ort konnte sich erneuern, hat in seiner Zerbrechlichkeit seinen Platz und seine Aufgabe gefunden. Bakonybél ist ein Ort des Gebets geworden. Im schön renovierten Klosterkomplex finden kontinuierlich Exerzitien statt, die wirtschaftlichen Tätigkeiten der Brüder sorgen für eine relativ stabile Selbstfinanzierung. Die Gemeinschaft besteht aus sechs Professen und drei Novizen“, so der Prior.
Der Kirchenhistoriker Peregrin Kálmán OFM sprach über die Anfänge der Wohlfahrtsorganisation. 1950 wurde die Auflösung der Orden angeordnet und alte sowie kranke Ordensangehörige wurden in fünf Heimen untergebracht. Vier Ortschaften nahmen die 1786 Schwestern auf; die 361 männlichen Ordensleute kamen nach Pannonhalma. Kálmán wies darauf hin, dass die damalige staatliche Macht die Räumung kirchlicher Immobilien als eine Art „Stimmungsaufhellung“ nutzte, um das Scheitern der kommunistischen Planwirtschaft zu kaschieren. Vorab war genau geplant, welche neuen Funktionen diese Gebäude erhalten sollten. So entstanden in ehemaligen Klostergebäuden Wohnungen, Kulturhäuser und Sozialheime.
Norbert Vajda, Generaldirektor der Katholischen Wohlfahrtsorganisation, erklärte gegenüber Kathpress, dass sich 1950 die Frage stellte, ob irgendein sozialer Dienst der Kirche bestehen bleiben kann oder ob die kommunistische Diktatur alles auflöst. Die Wohlfahrtsorganisation war in Wahrheit ein Kompromiss: Es musste einen Ort geben, an dem alte, kranke Priester und Ordensleute, die nichts besaßen, untergebracht werden konnten. Aus diesen Einrichtungen erwuchs eine außergewöhnliche Stabilität.
Heute umfasst der Tätigkeitsbereich des Dienstes in rund zwei Dutzend Einrichtungen neben Altenpflege auch die Betreuung von Menschen mit Behinderungen, Obdachlosen, Suchtkranken und Krebspatienten. Besondere Schwerpunkte sind Demenzbetreuung, Frühförderung und Unterstützung für Paare mit Kinderwunsch. Das soziale Engagement ist eng mit Universitäten und kirchlichen Partnern verbunden. Mit dem Motto „Mit Herz und Fachkompetenz – von den Kleinsten bis zu den Ältesten“ versteht sich der Katholische Liebesdienst als älteste kontinuierlich tätige Fachorganisation der ungarischen Kirche. (Quelle: Katholische Presseagentur Kathpress, www.kathpress.at)