Ungarn: Katholische Orden erinnern an Auflösung vor 75 Jahren
Die katholischen Orden in Ungarn haben bei einer Gedenkmesse in Budapest an die kommunistischen Zwangsmaßnahmen gegen ihre Gemeinschaften und die Auflösung zahlreicher Klöster vor 75 Jahren erinnert. Die damalige Dunkelheit habe das Licht nicht auslöschen können, sagte der Präsident der Ordensobernkonferenz, Viktor Zsodi, bei der Feier mit der Ordensoberinnen-Präsidentin Emma Németh und dem Apostolischen Nuntius Michael W. Banach in der St.-Emmerich-Kirche Ende Juni. Der Entzug von Habit oder Kloster habe die innere Berufung der Ordensleute nicht zerstören können. Diese innere Treue habe viele, die in Fabriken, Krankenhäusern oder Landwirtschaft arbeiten mussten, auch in schweren Zeiten in ihrem Dienst getragen.
Die damalige kommunistische Führung Ungarns betrachtete Ordensleute als Feinde der "Volksdemokratie". Ab dem Sommer 1950 schränkte der Staat die Tätigkeit religiöser Gemeinschaften massiv ein, zahlreiche Klöster mussten geschlossen werden. Am 30. August wurde ein Abkommen zur Beendigung der Tätigkeit der Orden durchgesetzt. Ausnahmen bildeten einige Lehrorden, namentlich die Benediktiner, Piaristen, Franziskaner und die Schulschwestern.
Die Mitglieder der aufgelösten Orden mussten ihre Klöster innerhalb von drei Monaten verlassen, viele von ihnen wurden interniert, tausende Ordensleute wurden obdachlos. Der Staat beschlagnahmte das bewegliche und unbewegliche Vermögen der Orden. Das Dekret zur Auflösung der Orden wurde erst 1989 aufgehoben.
Die Folgen der Repression zwischen 1948 und 1989 sind trotz des Wiederaufbaus des Ordenslebens seither bis heute spürbar. Mittlerweile existieren in Ungarn aber wieder 90 Ordensgemeinschaften mit derzeit insgesamt 1.146 Mitgliedern, darunter 633 Frauen und 513 Männer. Das Durchschnittsalter liegt bei 57 Jahren. Die Themen Berufungspastoral, Nachwuchsförderung, Alterung der Gemeinschaften und Menschenwürde sind zentrale Anliegen der Orden in der Gegenwart, wurde bei der Gedenkfeier deutlich.
Der gemeinsame Austausch und die Kooperation zwischen den Orden sei gerade in Zeiten wachsender gesellschaftlicher Unsicherheit wichtig, sagte Ordensobernkonferenz-Präsident Zsodi gegenüber Kathpress. Wo man gemeinsam auf Herausforderungen antworte, sei die Glaubwürdigkeit des kirchlichen Zeugnisses größer.
Auch Ordensoberinnen-Präsidentin Németh unterstrich, dass jede Form der Zusammenarbeit in einer zunehmend polarisierten Gesellschaft ein wichtiges Zeichen setze. Besonders die Frage nach der Menschenwürde - entwickelt in einem gemeinsamen Projekt von Ordensleuten und Laien - zeige, wie Kirche und Orden konkret gesellschaftlich wirksam sein könnten. Auch Filmprojekte über Berufungen seien geplant. "Gott ruft auch heute - und es gibt Menschen, die ihn hören", zeigte sich Németh überzeugt. (Quelle: Katholische Presseagentur Kathpress, www.kathpress.at)