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Ukraine: Kyjiwer Höhlenkloster bei russischem Angriff beschädigt

18. Juni 2026

Bei massiven russischen Angriffen Russlands auf die Ukraine in der Nacht vom 14. auf den 15. Juni ist auch das historische Kyjiwer Höhlenkloster getroffen worden. Dabei geriet unter anderem die Hauptkirche des Komplexes, die Maria-Entschlafens-Kathedrale, in Brand. Erst am Morgen des 15. Juni gelang es der Feuerwehr, den Brand im Dach der Kathedrale zu löschen. Mindestens 13 Personen wurden auf dem Areal des Kyjiwer Höhlenklosters verletzt und fünf weitere Gebäude des Komplexes beschädigt. Laut ukrainischen Behördenangaben feuerte Russland 70 Raketen und 611 Drohnen auf die Ukraine, vor allem auf Kyjiw, Dnipro und Charkiw, mindestens elf Personen kamen ums Leben, zahlreiche weitere wurden verletzt.

Das russische Verteidigungsministerium behauptete, keine Schläge gegen zivile Infrastruktur in der Ukraine auszuführen. Das Höhlenkloster sei von einer Rakete des amerikanischen Luftabwehrsystems Patriot getroffen worden. Die Fehlfunktion könnte darauf zurückzuführen sein, dass der Westen die Ukraine mit Waffen versorge, deren Ablaufdatum überschritten sei.

Dank des Einsatzes der Bruderschaft, Geistlichen, Mitarbeitenden und Rettungskräfte sei es gelungen, liturgische Gegenstände, antike Ikonen und andere wertvolle Objekte zu retten und so den Schaden zu mindern, berichtete der Vorsteher der Mönchsgemeinschaft des Höhlenklosters der Orthodoxen Kirche der Ukraine (OKU), Bischof Avraamij (Lotysch). Neben dieser neueren Gemeinschaft leben auf dem Areal des Höhlenklosters auch zahlreiche Mönche der konkurrierenden Ukrainischen Orthodoxen Kirche (UOK). Ein Teil des Areals wurde lange Zeit exklusiv von der UOK, der andere Teil als Museum genutzt, während der ganze Komplex, der UNESCO-Weltkulturerbe ist, dem Staat gehört und vom Kulturministerium verwaltet wird. Die Beschädigung des Höhlenklosters sei ein „schmerzhafter Verlust“, nicht nur für die Gläubigen, sondern für alle Menschen, die die Bedeutung des „geistlichen, kulturellen und historischen Erbes für künftige Generationen anerkennen“, sagte Bischof Avraamij weiter.

Metropolit Epifanij (Dumenko), der Leiter der OKU, sprach von einem „erneuten russischen Verbrechen gegen die Menschlichkeit, gegen die Geschichte, gegen das Christentum“. Er fragte, was der „Antichrist im Kreml“ noch tun müsse, damit die Welt entschlossen handelt, um den russischen Terror gegen die Ukraine und die „Prinzipien des Friedens“ zu beenden. Metropolit Kliment (Vetscherja) von der UOK erklärte, dass die Wunden der Maria-Entschlafens-Kathedrale die „tiefe Tragödie des ganzen ukrainischen Volks widerspiegeln“, die schon längst „alle moralischen Grenzen“ überschritten habe. Die UOK verurteile die kriegerische Aggression Russlands gegen die Ukraine entschieden, sagte Kliment weiter und betonte, dass Gott Krieg nicht segne.

Erzbischof Silvestr (Stojtschev), der Rektor der Kyjiwer Geistlichen Akademie der UOK, verwies darauf, dass im Lauf des Kriegs rund 400 Kirchen der UOK beschädigt oder zerstört worden seien sowie Hunderte religiöse Einrichtungen anderer Konfessionen. Das Kyjiwer Höhlenkloster bezeichnete er als „spirituelles Zentrum der Ukraine“. Nach ihrer turbulenten, fast 1000-jährigen Geschichte habe die Maria-Entschlafens-Kathedrale ein erneutes Golgotha überlebt.

Der Ukrainische Rat der Kirchen und religiösen Organisationen, in dem die große Mehrheit der ukrainischen Religionsgemeinschaften vereint ist, bezeichnete die Ereignisse als „erneutes Verbrechen gegen die Menschlichkeit, das Christentum sowie gegen das spirituelle, historische und kulturelle Erbe der Ukraine“. Der Rat erinnerte daran, dass seit 2022 rund 800 religiöse Einrichtungen von Christen, Muslimen und Juden in der Ukraine durch russische Angriffe zerstört oder beschädigt worden seien. Der Ökumenische Patriarch Bartholomaios verurteilte in einer Mitteilung ebenfalls den „inakzeptablen und frevlerischen Raketenangriff“ auf das Höhlenkloster. Kein vernünftiger Mensch könne diesen „barbarischen und zerstörerischen Angriff auf eine so heilige Pilgerstätte“ rechtfertigen.

Zahlreiche ukrainische Politiker kritisierten den Vorfall ebenfalls. Der ukrainische Präsident Volodymyr Zelenskyj begutachtete die Schäden persönlich und sprach von einem absichtlichen Angriff. Auf Facebook bezeichnete er den Angriff als eines der „bisher größten russischen Verbrechen gegen die christliche Kultur“. Die ukrainische Ministerpräsidentin Julija Svyrydenko schrieb auf X, dass der „brutale Angriff“ das „wahre Gesicht der russischen orthodoxen Werte“ sei. Außenminister Andrij Sybiha verurteilte den Angriff als „staatliche Barbarei“. Sein Ministerium kritisierte zudem das Statement der UNESCO dafür, nicht zu erwähnen, dass ein russischer Luftschlag die Schäden verursacht habe. Ausgerechnet die Organisation, die dem Schutz von Kulturgütern diene, könne nicht benennen, vor wem sie diese schütze, betonte der Sprecher des Ministeriums. Unter ihrer aktuellen Führung zeige die UNESCO Schwäche, fehlende Führung und die Unfähigkeit, ihr Mandat vollumfänglich zu erfüllen.

Die Leitung des Nationalparks, die den gesamten Komplex des Höhlenklosters verwaltet, teilte mit, dass sich die Schäden an der Kathedrale auf über 500 Mio. Hryvnja (ca. 9,6 Mio. Euro) belaufen. Mehrere ukrainische Unternehmen haben finanzielle Unterstützung für die Restaurierung der Kathedrale sowie des ebenfalls stark beschädigten Filmstudios Oleksandr Dovzhenko angekündigt. (NÖK)

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