Georgien: Feierlichkeiten zu 1700 Jahren Christentum
In der historischen Svetitschoveli-Kathedrale in Mzcheta, unweit der georgischen Hauptstadt Tbilisi, fand am 14. Oktober der zentrale Gottesdienst zum 1700-Jahr-Jubiläum der Einführung des Christentums in Georgien als Staatsreligion statt. Geleitet wurde die Liturgie von Katholikos-Patriarch Schio III., dem Oberhaupt der Georgischen Orthodoxen Kirche (GOK). Konzelebrant war Metropolit Rostislav (Gont) von Prešov, der Leiter der Orthodoxen Kirche der Tschechischen Länder und der Slowakei. Delegationen verschiedener anderer orthodoxer Lokalkirchen nahmen ebenfalls an den Feierlichkeiten teil.
In seiner Predigt betonte Patriarch Schio die Rolle des Christentums bei der Bewahrung der nationalen Identität, Sprache und historischen Kontinuität in Georgien. Er rief die Gläubigen dazu auf, ihrem christlichen Erbe treu zu bleiben und die spirituellen Traditionen der georgischen Gesellschaft zu bewahren. Während der Feier wurde auch eine Botschaft des Ökumenischen Patriarchen Bartholomaios verlesen. Darin erinnerte er an die Hl. Nino, deren missionarische Arbeit zur Annahme des Christentums in Georgien im 4. Jahrhundert beigetragen hatte. Zudem gedachte er des unlängst verstorbenen Katholikos-Patriarchen Ilia II. und dessen Engagement für die GOK. Georgien nahm im Jahr 326 unter König Mirian III. das Christentum an und erklärte es zur Staatsreligion. Damit ist Georgien einer der ältesten christlichen Nationen.
Im Rahmen der Feierlichkeiten fand auch ein Symposium unter dem Titel „Gott, Heimat, Mensch“ in Tbilisi statt, das laut der GOK ein tieferes Verständnis des christlichen Erbes Georgiens und seiner historischen, kulturellen und spirituellen Bedeutung fördern soll. An der Eröffnung am 11. Oktober nahmen hochrangige Vertreter der Kirche und Politik sowie Wissenschaftler und Delegationen ausländischer Kirchen teil. Patriarch Schio betonte in seiner Eröffnungsrede den historischen Beitrag des Christentums zur georgischen Kultur. Er warnte davor, dass Technologie die Spiritualität überschatten könnte. Der georgische Ministerpräsident Irakli Kobachidze, Präsident Micheil Kavelaschvili und Parlamentspräsident Schalva Papuaschvili hielten ebenfalls Ansprachen.
Am 12. Oktober empfing Patriarch Schio Delegationen verschiedener orthodoxer Lokalkirchen, die der Einladung für die Jubiläumsfeiern gefolgt waren. Darunter waren Vertreter der Patriarchate von Alexandria und Antiochien sowie der orthodoxen Kirchen von Zypern, Griechenland, Polen und der Ukraine. Die Delegation der Ukrainischen Orthodoxen Kirche (UOK) bestand aus Metropolit Serhij (Hensitskij) von Ternopil, Erzbischof Iov (Smakouz) von Schumsk, Erzpriester Vasyliy Voznjuk und Diakon Maksym Savtschuk. Laut einer Meldung der UOK habe Patriarch Schio im Gespräch Metropolit Onufrij (Berezovskij), das Oberhaupt der UOK, gerühmt und dem ukrainischen Volk Frieden, Geduld und die Überwindung von Schwierigkeiten im kirchlichen Leben gewünscht.
Vor kurzem hatte Patriarch Schio kurz nacheinander Delegationen des Ökumenischen und des Moskauer Patriarchats empfangen. Am 30. September traf eine Delegation der Russischen Orthodoxen Kirche (ROK) unter Metropolit Antonij (Sevrjuk) von Volokolamsk, dem Leiter des Außenamts des Moskauer Patriarchats, den georgischen Patriarchen. Dabei wurden die Beziehungen zwischen den beiden Ländern besprochen, wobei auch die Situation in „schwierigen Regionen“, und wie die GOK Beziehungen mit dortigen Gemeinden aufbauen könnte, Aufmerksamkeit erhielt. Offenbar ging es dabei um die von Russland besetzten Gebiet Abchasien und Südossetien. Offiziell anerkennt die ROK die Jurisdiktion der GOK in den besetzten Gebieten, aber Geistliche der ROK waren in beiden Regionen aktiv. Zudem dienen Militärgeistliche der ROK auf den russischen Militärbasen in Abchasien und Südossetien. Geistliche der GOK haben hingegen kaum Zugang zu den Gebieten.
Am 1. Oktober empfing Schio eine Delegation des Ökumenischen Patriarchats von Konstantinopel unter der Leitung von Metropolit Arsenios (Kardamakis) von Österreich, Ungarn und Mitteleuropa. Besprochen wurden die Beziehungen der beiden Kirchen und die Unterstützung, die Arsenios der georgischen Gemeinde in Österreich leistet. Berichten zufolge bereitet Schio einen Besuch beim Ökumenischen Patriarchen Bartholomaios in Istanbul vor. Schio ist seit dem 12. Mai 2026 Patriarch von Georgien. Im März 206 war Patriarch Ilia im Alter von 93 Jahren verstorben, nachdem er fast 50 Jahre lang die GOK geleitet hatte. (NÖK)

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