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Georgien: Neuer Patriarch Schio III. inthronisiert

21. Mai 2026

Der bisherige Locum tenens der Georgischen Orthodoxen Kirche (GOK), Metropolit Schio (Mujiri), ist am 11. Mai zum neuen Patriarchen gewählt und tags darauf inthronisiert worden. Gewählt wurde er an einem erweiterten Kirchenrat in der Dreifaltigkeitskathedrale in Tbilissi, an dem ca. 1200 Delegierte teilnahmen. Wahlberechtigt waren allerdings nur 39 Bischöfe, von denen 22 ihre Stimme Schio gaben. Die beiden weiteren Kandidaten, Metropolit Iob (Akiashvili) und Grigol (Berbiachashvili), erhielten neun bzw. sieben Stimmen, eine Stimme war ungültig.

Der neue Patriarch, der offiziell den Namen Katholikos-Patriarch Schio III. trägt, erhielt Gratulationen aus verschiedenen orthodoxen Lokalkirchen sowie dem Vatikan. Auch aus der Politik kamen zahlreiche Gratulationen, so vom Gründer der Regierungspartei Georgischer Traum, Bidzina Ivanischvili. Schio gilt als Wunschkandidat der Regierung. Doch auch die frühere Regierungspartei Vereinte Nationalbewegung gratulierte ihm und erinnerte daran, dass während ihrer Regierungszeit von 2003 bis 2012 eine „Harmonisierung“ der staatlichen und kirchlichen Interessen stattgefunden habe. Die GOK brauche eine „weise Erneuerung“ sowie Integrität und Mut in Fragen wie der Unabhängigkeit der ukrainischen Kirche, dem Schutz von Kirchen und Eparchien in den von Russland besetzten Gebieten sowie dem Zustand historischer georgischer Stätten in der heutigen Türkei.

Mujiri galt als der aussichtsreichste Kandidat für die Nachfolge des am 17. März 2026 verstorbenen Katholikos-Patriarchen Ilia II., der ihn 2017 zum Locum tenens ernannt hatte. Infolgedessen hatte der damalige Metropolit von Senaki und Chkhorotsku in Georgien einige Bekanntheit erlangt. Seine Unterstützer stellen ihn als den Wunschkandidaten des verstorbenen Patriarchen dar. Kritiker werfen ihm vor, innerhalb der GOK „Parallelstrukturen“ aufgebaut zu haben, um seine Verbündeten zu stärken. Außerdem fördere er die Nähe der Kirche zum Staat sowie ihre Unterstützung für die Regierungspartei und deren Politik. Zudem wird ihm auch eine Nähe zur Russischen Orthodoxen Kirche (ROK) vorgeworfen.

In seiner ersten Predigt als Patriarch sprach Schio über die aktuellen Herausforderungen für die Kirche. Die Herzen der Menschen seien „entfremdet und kalt“, Tausende Versuchungen ersetzten „Glauben, moralische Werte, die Familie und Angehörige“, dadurch sei die Last der Seelsorge für die Kirche „doppelt so schwer“. Er betonte die Notwendigkeit, die Tore der Kirche weit für alle zu öffnen und auch über ihre Mauern hinaus aktiv zu werden. Weiter sagte er, dass die Kinder, „unsere Zukunft“, Liebe, Sorge und Unterstützung am meisten brauchten. Der „Glaube, nationale Werte, Respekt für Traditionen und ein Sinn für Verantwortung gegenüber der Nation und der Kirche“ müssten in ihnen gestärkt werden.

Am 17. Mai verurteilte Schio Abtreibungen und die sog. „Gender-Ideologie“, als er anlässlich des Tags der Reinheit der Familie in der Dreifaltigkeitskathedrale in Tbilissi zu den anwesenden Gläubigen sprach. Der Feiertag war 2014 von der GOK eingerichtet worden und dient als Gegenveranstaltung zum internationalen Tag gegen Homophobie und Transphobie, der am 17. Mai begangen wird. 2024 wurde der Tag der Reinheit der Familie zu einem staatlichen Feiertag erklärt, zahlreiche Staatsvertreter nehmen jeweils an den Veranstaltungen teil, so auch der georgische Ministerpräsident.

In einer Familie, in der eine „ernste Sünde“ wie eine Abtreibung bestehe, könne es kein Glück geben, erklärte Schio in seiner Predigt, eine solche Familie sei verloren. Dort, wo alle zwei bis drei Jahre ein Kind geboren werde, sei hingegen das Glück. Weiter warnte Schio, dass die „demografische Situation verbessert“ werden müsse, sonst sei Georgien in „echter Gefahr“. Die Gefahr besteht laut dem Katholikos in „anderen Völkern“, die sich in Georgien niederließen, Kinder liebten, ihre Religion schützten und sich daher „erfolgreich vermehren“. Wenn es so weitergehe wie bisher, bestehe die reale Gefahr, dass sie die Georgier zahlenmäßig übertreffen würden. Weiter wünschte er sich eine Gesetzgebung, die georgische Familien vor „Gendertheorien“ und „Genderideologie“ schützen würde. Diese Stoßrichtung zum Schutz und zur Bewahrung der Familie sollte unterstützt werden, da dies eine Bedingung für das „Überleben und Wachstum“ des Landes sei. Damit bezog sich das neue Oberhaupt der GOK vermutlich auf das 2024 von der Regierungspartei verabschiedetes Gesetzespaket, das „LGBT-Propaganda“ und gleichgeschlechtliche Ehen verbot, wobei letztere auch zuvor in Georgien nicht möglich gewesen waren. Im Land kommt es bei Veranstaltungen von queeren Aktivist:innen immer wieder zu massiven Gegenkundgebungen, an denen auch Geistliche beteiligt sind. Oft schützt die Polizei die Aktivist:innen nicht angemessen.

Am 18. Mai empfing der neue Patriarch Delegationen zahlreicher orthodoxer Lokalkirchen, so der Patriarchate von Alexandria und Antiochien sowie der orthodoxen Kirchen von Russland, Serbien, Bulgarien, Griechenland, Polen, Tschechien und der Slowakei sowie Albanien. Am Tag seiner Inthronisation drückte Patriarch Schio zudem seinen Respekt für Metropolit Onufrij (Berezovskij) von Kyjiw, das Oberhaupt der Ukrainischen Orthodoxen Kirche (UOK), aus. Die UOK wurde an der Inthronisation von Metropolit Sergij (Gensitskij) von Ternopil vertreten, diesem trug Schio Grüße für Onufrij auf und erklärte seine Liebe und seinen Respekt für ihn. (NÖK)

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