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Bosnien-Herzegowina: Patriarch Porfirije gedenkt serbischer Kriegsopfer

16. Juli 2026

In der ostbosnischen Stadt Bratunac haben kirchliche und staatliche Vertreter der serbischen Opfer in der Drina-Region während des Bosnienkriegs gedacht. Patriarch Porfirije sagte beim Totengebet: „Im Laufe der Jahrhunderte haben wir verschiedene Mal Skylla und Charybdis durchlebt, und oft hatten wir Besatzer und Usurpatoren in unseren Häusern, in unserem Land und auf unserem Besitz. Doch gleichzeitig konnten sie uns nicht das entreißen, was in uns ist, was wir sind, was unser Wesen ausmacht. […] Wir sind geblieben, wer wir sind, und wir haben nicht nur überlebt, sondern waren selbst in den schwierigsten Zeiten Schöpfer, Erbauer und Gestalter von Werten, die die ganze Welt bis heute bewundert.“

Die Regierung der Republika Srpska, eine der beiden Entitäten, aus denen der Gesamtstaat Bosnien-Herzegowina heute besteht, hatte wie in den vergangenen Jahren den 4. Juli als Tag der Trauer „anlässlich der von 1992 bis 1995 an den Serben verübten Verbrechen“ in der Drina-Region ausgerufen. Damit reagierte sie auf den von der Föderation Bosnien-Herzegowina, der anderen Entität, ausgerufenen Tag der Trauer am 11. Juli. Am 11. Juli 1995 hatten Einheiten der serbisch-bosnischen Armee unter dem Kommando von General Ratko Mladić die UN-Schutzzone Srebrenica eingenommen und in den folgenden Tagen einen Massenmord verübt, dem über 8000 muslimische Jungen und Männer zum Opfer fielen. Die UN-Vollversammlung hatte am 23. Mai 2024 für die Einführung eines internationalen Gedenktags für die Opfer des Völkermords in Srebrenica gestimmt. Der serbische Präsident Aleksandar Vučić hatte im Vorfeld der Abstimmung eine regelrechte Kampagne gegen die Srebrenica-Resolution entfacht, wobei er von der Leitung der Serbischen Orthodoxen Kirche unterstützt worden war. Auf gesamtstaatlicher Ebene in Bosnien-Herzegowina scheiterte auch dieses Jahr ein Tag der Trauer am 11. Juli am Widerstand der serbischen Vertreter im Ministerrat.

An der Gedenkfeier in Bratunac, das nur 10km von Srebrenica entfernt liegt, nahmen auch der amerikanische Pastor Mark Burns, der als spiritueller Berater von US-Präsident Donald Trump gilt, sowie der russische Botschafter in Bosnien-Herzegowina teil. Der Präsident der Republika Srpska, Siniša Karan, erklärte, dass „seit Jahren ein Narrativ aufgebaut wird, bei dem das serbische Volk als Aggressor dargestellt wird, und die Opfer vergessen werden“. In Bratunac gebe es jedoch auch viele unschuldige Opfer. „Wir fordern, dass für alle die gleiche Gerechtigkeit herrscht“, so Karan. Sein Amtsvorgänger Milorad Dodik, der am 1. August 2025 von der Appellationskammer des Gerichtshofs von Bosnien-Herzegowina wegen Missachtung von Anweisungen des Verfassungsgerichts rechtskräftig worden war und daher sein Amt abgeben musste, sagte: „Wir müssen darüber nachdenken, wie wir die Zukunft gestalten werden, denn das Leid unseres Volkes wurde von kaum jemandem außer uns selbst wahrgenommen.“

An der diesjährigen Gedenkfeier in Potočari bei Srebrenica wurden die sterblichen Überreste von zehn weiteren Opfern des Völkermords, die in Massengräbern gefunden worden waren, beigesetzt. Bis heute wurden 6782 Opfer auf dem Gedenkfriedhof in Potočari beigesetzt. Etwa 250 der Ermordeten wurden auf Wunsch der Familien an anderen Orten beigesetzt, während mehr als 1000 Menschen weiterhin als vermisst gelten. (NÖK)