Türkei: Bulgarischer Patriarch besucht Ökumenisches Patriarchat
Der bulgarische Patriarch Daniil hat vom 25. bis 28. Dezember zum ersten Mal seit seiner Inthronisierung als Patriarch im Juni 2024 das Ökumenische Patriarchat in Istanbul besucht. Begleitet wurde er von mehreren Bischöfen der Bulgarischen Orthodoxen Kirche (BOK), so Metropolit Antonij (Michalev) von West- und Zentraleuropa, Metropolit Joan (Ivanov) von Varna, Metropolit Naum (Dimitrov) von Ruse, Metropolit Kiprian (Dobrinov) von Stara Zagora, Metropolit Grigorij (Cvetkov) von Vraca, Metropolit Pachomij (Lozanov) von Vidin und Bischof Gerasim (Georgiev) von Melnik, dem Generalsekretär des Hl. Synods der BOK.
Am 26. Dezember feierten der Ökumenische Patriarch Bartholomaios von Konstantinopel und Patriarch Daniil gemeinsam die Hl. Liturgie in der Patriarchalkirche St. Georg, dabei konzelebrierten zahlreiche Geistliche beider Kirchen. In ihren Ansprachen betonten die beiden Patriarchen die historischen Beziehungen zwischen ihren Kirchen, die Einheit im Glauben und den Wunsch nach Dialog und Zusammenarbeit. In der Ukraine wurde bemerkt, dass Patriarch Bartholomaios bei der gemeinsamen Liturgiefeier das Oberhaupt Vorsteher der Orthodoxen Kirche der Ukraine, Metropolit Epifanij (Dumenko), kommemorierte.
Patriarch Daniil besuchte auch das bulgarische Exarchat in Istanbul und die bulgarische Gemeinde. Dazu gehörte auch ein Besuch der Kirche des Hl. Stafan in Yeşilköy in Istanbul, die auch als die „Eiserne Kirche“ bekannt ist und als wertvollste bulgarische Kirche in Istanbul gilt. Zum Abschluss seines Besuchs feierte Daniil am 28. Dezember dort gemeinsam mit Patriarch Bartholomaios die Hl. Liturgie und betonte die historische Bedeutung des Orts, da dort 1878 das Friedensabkommen unterzeichnet wurde, mit dem der moderne bulgarische Staat gegründet wurde. Patriarch Bartholomaios dankte Daniil vor Medienvertretern für seinen Besuch, der eine große Freude gewesen sei. Die Gebete der Mutterkirche würden das „junge Kirchenoberhaupt“ begleiten, in der Hoffnung, dass die BOK unter seiner Führung immer einen wertvollen Beitrag zur orthodoxen Einheit und Zusammenarbeit leisten werde.
In einem Interview im bulgarischen Nationalfernsehen berichtete Patriarch Daniil, dass sein Besuch beim Ökumenischen Patriarch Teil einer fest verankerten orthodoxen Tradition gewesen sei und die Einheit der Kirche bezeugt habe. Bei seinem Besuch seien Fragen zum Status der Orthodoxen Kirche der Ukraine (OKU) besprochen worden. Dabei betonte er, dass keinerlei Druck auf die BOK ausgeübt worden sei, die OKU anzuerkennen oder offiziell Stellung in der Frage zu beziehen. Metropolit Joan von Varna bezeichnete den Besuch in einem Interview als klaren Ausdruck des gegenseitigen Respekts zwischen den Kirchen, dessen Höhepunkt die gemeinsame Liturgiefeier am 26. Dezember gewesen sei. Zudem betonte er die Rolle, die Patriarch Bartholomaios bei der Überwindung des Schismas in der BOK gespielt habe.
Unter anderem an der Verleihung der Autokephalie für die OKU durch Patriarch Bartholomaios stört sich ein Teil der bulgarischen Gläubigen. So drückten sie im Vorfeld von Daniils Reise in einem offenen Brief an den Hl. Synod der BOK, den knapp 560 Personen unterzeichneten, ihre Sorge über die Haltung des Ökumenischen Patriarchen aus. Insbesondere seit dessen gemeinsamem Gebet mit Papst Leo XIV. könnten orthodoxe Christen sein kanonisches Verhalten nicht mehr normal finden. Sie bezogen sich zudem auf einen früheren Aufruf, in dem Gläubige die Kirchenleitung aufgefordert hatten, mit Bartholomaios aufgrund seiner „häretischen, nicht-orthodoxen Ansichten, Konzepte und Handlungen“ nicht zu konzelebrieren und zu beten. In einem Interview versuchte Patriarch Daniil die Gläubigen zu beruhigen. Die BOK habe die OKU nicht anerkannt und kommemoriere ihren Vorsteher nicht, dies wüssten beide Seiten genau. Daher sei vereinbart worden, dass während der Konzelebrationen in Istanbul keine Geistlichen der OKU teilnehmen würden. (NÖK)

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