Serbien: Kirchliche Reaktionen auf den Wahlsieg der Studentenliste
Metropolit Joanikije (Mićević), das Oberhaupt der Serbischen Orthodoxen Kirche (SOK) in Montenegro, hat sich erfreut über den Ausgang der Parlamentswahlen in Serbien gezeigt. Bei der vorgezogenen Wahl am 25. Oktober erreichte die Studentische Liste, die erst kurz zuvor aus der Protestbewegung Studierender und anderer Bürger gegen Korruption entstanden war, eine absolute Mehrheit im serbischen Parlament. Der bisherige, zunehmend autoritäre Präsident Aleksandar Vučić, der mit seiner Fortschrittspartei 14 Jahre lang an der Macht gewesen war, räumte seine Niederlage noch am Wahltag ein.
Die Studierenden hätten mit Geduld gewonnen, mit einer Rhetorik, die nicht auf Provokationen, Gewalt und Verleumdungen reagierte, mit „frischer Energie, Intelligenz, Wahrheit und vor allem mit großer Liebe und Patriotismus gegenüber ihrer Heimat“, sagte Metropolit Joanikije. Es sei unmöglich, sich nicht über diese neue Energie, die etwas völlig Neues bringe, zu freuen. Viele hätten Angst, weil die Zukunft offen sei. Aber die Energie sei frisch, und die jungen Menschen und die Bevölkerung, die sie unterstützt habe, „haben große Kraft und Patriotismus gezeigt, das muss gesagt sein, das ist mehr als klar“. Dabei gab Joanikije auch zu bedenken, dass er nie ein Anhänger von Vučićs Regime gewesen sei. Weiter kritisierte der Metropolit, dass „die Kinder“ beschuldigt worden waren, Verräter, manipuliert und von außen gesteuert zu sein, sowie andere „Dummheiten“. Das passiere immer, wenn „jemand Neues auftaucht“, insbesondere wenn die neue Kraft einen „frischen Geist, Humor und Kreativität hat“. Dann empörten sich sofort viele, die sich im bestehenden Machtsystem eingerichtet hätten. Denn dies sei für sie offenbar sehr gefährlich.
Metropolit Joanikije ist einer der wenigen Bischöfe der SOK, die sich klar hinter die Studentenproteste stellten. Auslöser der Proteste war der Einsturz eines Vordachs am frisch renovierten Bahnhof in Novi Sad gewesen, bei dem am 1. November 2024 16 Menschen ums Leben kamen. Offiziell bezog die SOK keine Stellung zur Protestbewegung, Patriarch Porfirije hatte sie bei einem Besuch in Moskau allerdings als „Farbenrevolution“ bezeichnet. Zum Wahlausgang schwieg die offizielle SOK ebenfalls. Patriarch Porfirije hatte am Wahlsonntag die Gläubigen aufgerufen, entsprechend ihrem Gewissen, mit Rücksicht auf das Gemeinwohl und auf das Wohl der Kirche zu wählen. Außerdem warnte er vor Hass und forderte dazu auf, das Resultat der demokratischen Prozesse mit Ruhe und Vertrauen in Gott zu akzeptieren und zu wissen, dass es Gottes Wille sei. Auch wenn dieser möglicherweise „im entsprechenden Moment für uns nicht ganz verständlich ist“, sei es doch Gottes Wille.
Der katholische Erzbischof von Belgrad, Kardinal Ladislav Nemet, gratulierte der Studentenliste zum Sieg, wobei er insbesondere das lange gewaltlose Engagement der Studierenden hervorhob. Er verspüre einen Geruch von „Hoffnung und Freude“, erklärte er am Tag nach der Wahl. Der friedliche Ausdruck des Willens der Mehrheit sei ein „wichtiger Wert einer demokratischen Gemeinschaft“. Er hoffe, dass die Hoffnung, die die jungen Menschen für die Gesellschaft erkämpft hätten, in den folgenden Monaten und Jahren erhalten bleibe und allen Einwohnern des Landes Nutzen bringe.
Am 1. November leitete Patriarch Porfirije in der Sveti-Sava-Kathedrale in Belgrad einen Gedenkgottesdienst für die Opfer der Einsturzkatastrophe von Novi Sad. Auch in der Kathedrale von Novi Sad fand ein Gedenkgottesdienst für die Opfer statt, unter der Leitung von Erzpriester Velimir Vrućinić, dem Vorsteher der Kathedrale. (NÖK)

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