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Serbien: Patriarch leitet Begräbnisfeier von verurteiltem Kriegsverbrecher Mladić

10. September 2026

Ratko Mladić, der General der serbisch-bosnischen Armee während des Bosnienkriegs 1992–1995, ist am 7. September in Belgrad mit militärischen Ehren und in Anwesenheit vieler Anhänger beigesetzt worden. Er war am 27. August in Den Haag gestorben, wo er eine lebenslängliche Haftstrafe wegen Völkermords, Kriegsverbrechen und Verbrechen gegen die Menschlichkeit verbüßte. Zwar handelte es sich nicht um ein offizielles Staatsbegräbnis, aber es waren mehrere Mitglieder der serbischen Regierung und zahlreiche Militärangehörige anwesend, zudem stellte die Stadt Absperrungen, Sicherheitskräfte, Trinkwasserversorgung und mobile Toiletten für die Route von der Kirche des Hl. Lukas, wo Mladić aufgebahrt worden war, zum Friedhof Topčider zur Verfügung.

Die Begräbnisfeier in der Kirche des Hl. Lukas leitete der serbische Patriarch Porfirije, wobei mehrere Bischöfe der Serbischen Orthodoxen Kirche (SOK) konzelebrierten. In seiner Rede verwies der Patriarch darauf, dass der Verstorbene Christ gewesen sei, was die Geistlichen, die ihn in den letzten Jahren begleiteten, bezeugen könnten. Er wisse, dass der Name Mladić „eng mit dem Gedächtnis und dem Gebet des größten Teils unseres serbischen orthodoxen Volks verwoben bleiben wird“. Dieses empfinde „tiefe Dankbarkeit“, weil es ihn als Soldaten und Kommandanten sehe, der in einer „schweren und tragischen Zeit“ an der Spitze der Armee des seines Volks gestanden habe, eine „große Verantwortung und Bürde trug, Opfer brachte und sein Leben für die Freiheit, Verteidigung und das Überleben seines Stamms gab“. Mladićs Leben sei untrennbar mit einer schrecklichen Zeit verbunden – mit einem furchtbaren Krieg, großem Leid, tiefen Wunden und Traumata sowie verlorenen Heimen, Leben und Gräbern. Deshalb bete er gleichzeitig für die Seele des Verstorbenen und alle, deren Leben damals ausgelöscht wurden. In seiner Predigt erklärte der Patriarch zudem, dass das menschliche Verständnis und auch menschliche Gerichte vergänglich seien, kein weltliches Gericht sei unfehlbar. Ganze Völker hätten erfahren, dass die irdische Gerechtigkeit nicht für alle mit dem gleichen Maßstab gemessen werde. Auch „unser Volk trägt eine solche bittere Erfahrung“, sagte er weiter.

Anlässlich der Prozession von der Kirche zum Friedhof und der Beisetzung versammelten sich schätzungsweise 16‘000 Menschen, von denen viele Flaggen mitbrachten und T-Shirts mit Bildern Mladićs oder Symbolen der Republika Srpska und ihrer Armee trugen. Es waren kostenlose Bustransporte aus den Regionen Serbiens, aus Bosnien-Herzegowina und Montenegro zur Verfügung gestellt worden. Die Fans beider Belgrader Fußballclubs hatten am Derby am Wochenende zuvor Mladić geehrt. Soldaten und Polizisten standen Spalier und salutierten, als der Sarg, eingehüllt in den Flaggen Serbiens und der Republika Srpska, von Soldaten der serbischen Armee vorbeigetragen wurde. Eine Ehrengarde der Armee schoss eine Salve, als der Sarg beigesetzt wurde. Von der serbischen Regierung waren mehrere Minister anwesend, so Verteidigungsminister Bratislav Gašić, Justizminister Nenad Vujić, der Minister ohne Geschäftsbereich Nenad Popović, Kulturminister Nikola Selaković, der Minister für öffentliche Investitionen Darko Glišić und die Ministerin für Arbeit, Beschäftigung, Veteranen und Soziales Milica Đurđević Stamenkovski. Aus der Republika Srpska, der serbisch dominierten der beiden Entitäten, aus denen Bosnien-Herzegowina besteht, kamen Milorad Dodik, der Vorsitzende der Regierungspartei, Željka Cvijanović, das serbische Mitglied des dreiköpfigen bosnischen Staatspräsidiums, sowie Draško Stanivuković, der Bürgermeister von Banja Luka. Eine Delegation der russischen Botschaft in Serbien war ebenfalls anwesend. Der serbische Präsident Aleksandar Vučić nahm nicht teil, dafür war sein Sohn Danilo unter den Anwesenden. Mladićs Sohn Darko dankte den Trauernden für den „großartigen Abschied“ und für ihr Kommen, um zu entscheiden, „ob mein Vater ein Held oder ein Verbrecher ist“.

In den Nachbarländern und in der EU sorgte das Begräbnis für Entsetzen. Fazila Efendić, die Vorsitzende der Vereinigung Mütter von Srebrenica, beklagte, dass Mladić wie ein Staatsmann beerdigt worden sei. Die Vereinigung vertritt Angehörige der Opfer des Massakers von Srebrenica, bei dem die serbisch-bosnische Armee unter Führung Mladićs über 8000 bosnische Männer und Jungen ermordete und das vom Internationalen Strafgerichtshof für das ehemalige Jugoslawien (ICTY) als Völkermord eingestuft wurde. Diese Beerdigung sei schrecklich für sie, aber ein „Spiegel Serbiens“, den nun die ganze Welt sehen könne. Der bosnische Außenminister Elmedin Konaković verurteilte die Feierlichkeiten und warf Vučić vor, Serbien in der Region in die totale Isolation zu führen. Er sei dem Begräbnis „feige“ ferngeblieben, sei aber offensichtlich der Organisator und verantwortlich für das pompöse Gedenken. Weiter kündigte Konaković an, die Beziehungen zu Serbien zurückzufahren und Botschaftspersonal abzuziehen. Der kroatische Außenminister Gordan Grlić Radman warnte, dass die Gedenkfeier den serbischen EU-Beitrittsprozess stören könnte. Die Glorifizierung eines Kriegsverbrechers sei „wahrhaftig inkompatibel mit europäischen Werten“ und vor allem eine Beleidigung der Opfer, Überlebenden und ihrer Familien. Auch das montenegrinische Außenministerium zeigte sich mit Blick auf die Opfer besorgt. Das türkische Außenministerium bezeichnete die Verehrung eines Kriegsverbrechers als „inakzeptabel“.

In einem gemeinsamen Statement bezeichneten EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen und EU-Ratspräsident Antonio Costa die Bilder des Begräbnisses als „schockierend“. Die Anzeichen offizieller Unterstützung und die Anwesenheit von Regierungsmitgliedern seien „zutiefst bedauerlich“. Sie zeigten das Versagen, sich einem „düsteren Kapitel in Europas jüngerer Geschichte“ zu stellen, und widersprächen den Werten, die Serbiens Weg in die EU zugrunde lägen. Eine Gruppe von 118 serbischen Professoren und Forscherinnen wandte sich zudem mit einem Brief an von der Leyen, um sie vor einer politischen Vereinnahmung ihres möglicherweise im Oktober stattfindenden Besuchs in Serbien zu warnen. Ein Treffen mit Vučić während des Wahlkampfs – am 25. Oktober sollen vorgezogene Parlamentswahlen stattfinden – könnte von regierungstreuen Medien als europäische Unterstützung des Amtsinhabers dargestellt werden. Sie forderten sie auf, nicht eine bestimmte politische Kraft zu unterstützen, sondern „niemanden“ und ihren Besuch auf die Zeit nach der Wahl zu verschieben.

Die EU-Erweiterungskommissarin Marta Kos hatte bereits am 4. September ihren Besuch in Serbien abgesagt. Die Glorifizierung Mladićs sei mit den „Werten, auf denen der EU-Weg gebaut ist, nicht kompatibel“. Diese Werte seien „nicht verhandelbar“. Über Kos‘ Kritik sagte der serbische Präsident, sie sei „extrem kurz, aber dumm, wie üblich“. Sie habe nicht gesagt, wer glorifiziere, und „wenn sie nichts Konkretes finden können, lösen sie es mit Über- und Unterführungen“ – an Straßenüberführungen waren Banner zu Ehren Mladićs aufgehängt worden, als seine sterblichen Überreste nach Belgrad gebracht worden waren. Die EU habe wohl erwartet, dass Serbien es den Leuten verbieten werde, zur Beisetzung zu kommen, sagte Vučić weiter. Mladićs Leichnam war von einem serbischen Regierungsflugzeug von Den Haag nach Serbien gebracht worden. (NÖK)