Zum Hauptinhalt springen

Bosnien-Herzegowina: Erster Mariologie-Kongress mit Beteiligung des Vatikans in Međugorje

04. November 2026

Um die Mariologie des Zweiten Vatikanischen Konzils (1962–1965) drehte sich ein viertägiger Kongress, der am 25. Oktober im bosnischen Marienwallfahrtsort Međugorje zu Ende gegangen ist. Auch die in Rom ansässige Päpstliche Internationale Marianische Akademie (PAMI) beteiligte sich an den erstmals veranstalteten „Mariologischen Tagen“, ist einem Bericht der Pfarrei Međugorje zu entnehmen. Ziel sei gewesen, Kriterien für eine theologisch fundierte Marienverehrung und authentische marianische Spiritualität zu vermitteln. Dabei erörterten die 90 Teilnehmer aus zahlreichen europäischen Ländern sowie aus Nord- und Südamerika auch die Frage, wie Marienfrömmigkeit heute zwischen theologischer Vernunft und Leichtgläubigkeit verantwortungsvoll gestaltet werden kann.

PAMI-Präsident Stefano Cecchin hob die bleibende Bedeutung der Konzilsmariologie für die Kirche des 21. Jahrhunderts hervor. Er zeigte auf, wie diese Lehre heute in Theologie und kirchlicher Sendung wirksam werden kann, und verwies auf Papst Leo XIV., der die Notwendigkeit der Mariologie für die Kirche betont habe. Sie müsse nicht nur an theologischen Hochschulen, sondern auch in Wallfahrtsorten, Pfarren, Ordensgemeinschaften und kirchlichen Bewegungen vermittelt werden. „Die Mariologie verbindet die Lehre über Christus und die Kirche“, so Cecchin.

In seiner Predigt bei einer Messe während des Kongresses verband Cecchin die Mariologie mit dem Auftrag zu einem Leben nach dem Evangelium. Christen seien gerufen, sich Christus immer mehr anzugleichen und Gottes- und Nächstenliebe konkret zu verwirklichen. Maria führe dabei nicht von Christus weg, sondern helfe, ihn aufzunehmen und sein Wort im Alltag zu leben. Auch die Eucharistie stellte Cecchin in den Mittelpunkt: Christus komme den Menschen in Brot und Wein entgegen und wolle ihr Leben prägen.

Eine fundierte theologische Auseinandersetzung mit Međugorje forderte der Bischof von Mostar-Duvno, Petar Palić. Die kirchliche Bewertung positiver geistlicher Früchte dürfe nicht mit einer Anerkennung der Übernatürlichkeit behaupteter Marienerscheinungen gleichgesetzt werden, betonte er bei seinem Vortrag im Rahmen der Mariologischen Tage. „Međugorje braucht eine ernsthafte theologische Reflexion. Über eine Erfahrung, die so viele Gläubige anzieht, muss offen gesprochen werden, in Kenntnis der kirchlichen Lehre und mit Respekt vor den Menschen, die hierherkommen, um zu beten, zu beichten und einen Neuanfang zu suchen“, so der Bischof.

Mit Blick auf die vom Dikasterium für die Glaubenslehre veröffentlichte Note „Königin des Friedens“ hob Palić hervor, dass die Kirche die geistlichen Früchte Međugorjes ernst nehme, zugleich aber eine verantwortungsvolle Unterscheidung erforderlich bleibe. Marienverehrung müsse die Gläubigen zu Christus, zur Eucharistie, zur Versöhnung und zu einem Leben nach dem Evangelium führen. Private Offenbarungen könnten der Vertiefung des Glaubens dienen, fügten der Offenbarung in Jesus Christus jedoch nichts hinzu. Die Zukunft Međugorjes werde deshalb wesentlich davon abhängen, wie konsequent der Wallfahrtsort Menschen zur Mitte des christlichen Glaubens führe.

Der Apostolische Visitator für die Pfarrei Međugorje, Erzbischof Aldo Cavalli, verwies auf die Bedeutung des Konzils und der daraus hervorgegangenen Dokumente über Maria. Međugorje sei ein „Ort der Gnade“, an dem Gott den Menschen begegne. Ortspfarrer Zvonimir Pavičić betonte, von Maria „können wir nicht nur sprechen und nachdenken, von ihr müssen wir auch lernen – lernen zu beten, lernen zu glauben, uns ganz auf Gott zu verlassen und zuzulassen, dass sein Wort unser Leben formt“. Der Provinzial der herzegowinischen Franziskanerprovinz, Jozo Grbeš, sagte bei der Abschlussmesse, wenn die Menschen das Gebot der Nächstenliebe tatsächlich befolgten, wäre dies „der stärkste politische und gesellschaftliche Umbruch, den man sich vorstellen kann“.

Bereits wenige Tage zuvor hatte Međugorje einen weiteren international ausgerichteten kirchlichen Kongress beherbergt. Vom 15. bis 18. Oktober versammelten sich beim ersten Europäischen Treffen der Gebetsgemeinschaften der Katholischen Charismatischen Erneuerung mehr als 600 Teilnehmer aus ganz Europa. Organisiert wurde das Treffen von CHARIS Europe unter der Leitung seines Koordinators Lordan Ljubenkov. CHARIS ist der vom Heiligen Stuhl eingerichtete internationale Dienst der Charismatischen Erneuerung, der auf Initiative von Papst Franziskus geschaffen wurde.

Zu den Referenten zählten unter andrem Michelle Moran, frühere Präsidentin des Internationalen Dienstes der Katholischen Charismatischen Erneuerung, die in Međugorje beheimatete Ordensfrau Sr. Emmanuel Maillard sowie der italienische Bischof Santo Marcianò. Die Themen reichten von der Identität und den Diensten charismatischer Gebetsgruppen über Evangelisierung und geistliche Gaben bis zu Gemeinschaft, Gastfreundschaft und Anbetung. (Quelle: Katholische Presseagentur Kathpress, www.kathpress.at)