Bosnien-Herzegowina: Bischöfe appellieren an Gewissen der Bürger
Bosnien-Herzegowinas katholische Bischöfe haben an die Bürger des Landes appelliert, sich über die politischen Programme zu informieren und ihre Entscheidung bei den Präsidentschafts- und Parlamentswahlen 2026 frei und nach ihrem Gewissen zu treffen. Die Teilnahme an Wahlen sei nicht nur ein Recht, sondern auch eine Verantwortung gegenüber dem Gemeinwohl, betonten die Bischöfe in einer am 14. September veröffentlichten gemeinsamen Erklärung, wie das Portal Vatican News berichtet. In Bosnien-Herzegowina finden am 4. Oktober allgemeine Wahlen statt.
Die Katholische Kirche werde keine Partei oder einzelne Kandidaten empfehlen, heißt es in dem Schreiben. Bei der Wahlentscheidung sollten nach Ansicht der Bischöfe insbesondere die Menschenwürde, der Schutz des Lebens, Ehe und Familie, soziale Gerechtigkeit und die Religions- und Gewissensfreiheit berücksichtigt werden. Auch die Achtung des Rechtsstaates sowie die Förderung von Frieden, Versöhnung und gesellschaftlichem Zusammenhalt seien von zentraler Bedeutung.
Mit Blick auf die schwierige demografische Situation fordern die Bischöfe zugleich bessere wirtschaftliche und soziale Bedingungen, damit Menschen nicht gezwungen seien, ihre Heimat zu verlassen. Besondere Bedeutung messen sie einem fairen Wahlprozess und der tatsächlichen Ausübung der politischen Rechte aller Bürger und ethnischer Gruppen bei. Sie unterstreichen insbesondere die Gleichberechtigung der ethnischen Gruppen, die Bosnien-Herzegowina konstituieren, und deren Recht auf legitime politische Vertretung.
Politische Macht müsse dem Gemeinwohl dienen und dürfe nicht persönlichen oder parteipolitischen Interessen untergeordnet werden. Ausdrücklich warnen die Bischöfe vor Stimmenkauf, politischem Klientelismus, dem Missbrauch staatlicher Institutionen und Ressourcen sowie vor Manipulationen des Wählerwillens.
Auch das Überstimmen kleinerer ethnischer Gruppen widerspreche den Grundsätzen eines gerechten politischen Systems. Gleichzeitig fordern sie Priester und Ordensleute auf, Kirchen und Gottesdienste von parteipolitischer Wahlwerbung freizuhalten. Kirchliche Autorität dürfe nicht zur Unterstützung einzelner Parteien oder Kandidaten eingesetzt werden.
Abschließend rufen die Bischöfe zu gegenseitigem Respekt und zur Wahrung des Friedens während des Wahlkampfs auf. Unterschiedliche politische Ansichten dürften nicht zu Spaltungen in Familien, Freundeskreisen, Nachbarschaften oder kirchlichen Gemeinschaften führen. (Quelle: Katholische Presseagentur Kathpress, www.kathpress.at)