Kroatien: Interreligiöse Friedensinitiative "Peaceful Rain" in Rijeka vorgestellt
Im kroatischen Rijeka haben Vertreter von Religionen und Menschenrechtsorganisationen eine neue internationale und interreligiöse Friedensinitiative mit dem Titel „Peaceful Rain“ vorgestellt. Sie lädt Menschen aller Glaubensrichtungen und Weltanschauungen ein, ihr Engagement für den Frieden in konkrete Taten umzusetzen und damit im eigenen Umfeld zu beginnen: durch Friedensaktionen, Begegnungen, Bildungsworkshops, Kulturveranstaltungen, interreligiöse Treffen, Freiwilligenaktionen und andere konkrete Beiträge zu Dialog und Versöhnung. Auf der Website peacefulrain.org können die Aktionen und Veranstaltungen auf einer interaktiven Weltkarte eingetragen werden; jeder – unabhängig von Religion, Nationalität oder Weltanschauung – kann zudem den „Mittelmeerbund für den Frieden“ unterstützen.
Bei der Präsentation am 27. Oktober warben unter anderem der katholische Erzbischof von Rijeka, Mate Uzinić, der für Deutschland zuständige serbisch-orthodoxe Metropolit Grigorije (Durić) und der kroatische Mufti Aziz Hasanović als Islam-Vertreter für die Friedensinitiative. Entstanden ist „Peaceful Rain“ aus den von der katholischen Erzdiözese Rijeka jährlich in der Adria-Stadt Lovran organisierten „Mediterranen Theologischen Begegnungen“. Bei der jüngsten Ausgabe im Juli 2026 war dort der „Mittelmeerbund für den Frieden“, ein Dokument mit zehn Verpflichtungen zu Gewaltfreiheit, Dialog, Versöhnung, Solidarität, sozialer Gerechtigkeit und konkretem Einsatz für den Frieden vorgestellt worden.
„Keiner von uns wird die großen Konflikte der Welt allein lösen können. Auch diese Initiative wird die Kriege nicht aus eigener Kraft beenden. Doch das entbindet uns nicht von der Verantwortung für jenen einen Tropfen Frieden, den jeder von uns schenken kann“, erklärte Erzbischof Uzinić; die „Peaceful Rain“-Initiative solle über bloße Erklärungen hinausgehen und die persönliche Verantwortung stärken. Uzinić betonte zudem die Bedeutung der Zusammenarbeit der Religionsgemeinschaften, insbesondere in einer Region, die noch immer von Kriegen und Spaltungen geprägt sei. „Dort, wo unsere religiösen und nationalen Identitäten manchmal dazu benutzt wurden, Spaltungen zu vertiefen, wollen wir zeigen, dass die Treue zum eigenen Glauben nicht bedeutet, sich von anderen zu entfernen“, sagte der Erzbischof.
„Ich glaube, dass es auf dieser Welt keinen größeren Mut gibt als den Kampf für den Frieden“, sagte Metropolit Grigorije und rief die Religionsgemeinschaften zu aktiver Versöhnungsarbeit auf. Auch Mufti Hasanović betonte die Verantwortung religiöser Führungspersonen angesichts wachsender Spaltungen und Intoleranz und warnte vor politischer Instrumentalisierung der Religion. Die evangelische Diakonin Melani Ivanević hob den Beitrag von Frauen zum Frieden hervor. Unterstützt wird „Peaceful Rain“ auch von der vom kroatischen Parlament eingesetzten kroatischen Bürgerbeauftragten Tena Simonović Einwalter. Sie rief dazu auf, Hassrede, Diskriminierung und Gewalt, auch im digitalen Raum, entgegenzutreten.
Frieden entstehe Tropfen für Tropfen durch kleine, konkrete Taten im Alltag, heißt es auf der Website der Friedensinitiative zum Motto des Netzwerks. „Jede einzelne Tat mag klein erscheinen, doch gemeinsam werden sie zum Regen.“ Auf der interaktiven „Peaceful Rain“-Karte sind von bewaffneten Konflikten betroffene Weltregionen rot markiert. Sie stünden für das „Ökosystem des Feuers“ mit Krieg und Militarismus, erklärte Hrvoje Katušić vom Organisationsteam der Friedensinitiative. „Peaceful Rain“ setze dem Regen und Wasser als Symbole für Leben, Erneuerung und das „Ökosystem des Friedens“ entgegen. Jede auf der interaktiven Karte eingetragene Friedensaktion steht sinnbildlich für einen weiteren Regentropfen und zeige, wie einzelne Taten Teil einer größeren internationalen Bewegung werden können.
Der britische Kardinal Timothy Radcliffe wurde zur Präsentation in Rijeka live per Video aus dem italienischen Assisi zugeschaltet. Dort wurde am Dienstag der 40. Jahrestag des historischen interreligiösen Friedenstreffens begangen, zu dem Papst Johannes Paul II. am 27. Oktober 1986 eingeladen hatte. Radcliffe ermutigte dazu, kleine Friedensgesten nicht zu unterschätzen, denn selbst scheinbar unbedeutende Taten könnten unerwartete Früchte tragen. Der Kardinal betonte außerdem, dass echte Friedensarbeit im eigenen Herzen beginne.
(Website zur Initiative „Peaceful Rain“ in 15 Sprachen, darunter auf Deutsch: https://peacefulrain.org) (Quelle: Katholische Presseagentur Kathpress, www.kathpress.at)