Tschechien: Neuer Erzbischof von Prag ernannt
Papst Leo XIV. hat Bischof Stanislav Přibyl von Litoměřice zum neuen Erzbischof von Prag ernannt, nachdem er den altersbedingten Rücktritt des bisherigen Erzbischofs Jan Graubner angenommen hatte. Přibyl ist seit April 2025 Vize-Vorsitzender der Tschechischen Bischofskonferenz, zuvor war er seit 2016 deren Generalsekretär gewesen. Zum Bischof von Litoměřice war er im Dezember 2023 ernannt worden. Graubner hatte die Erzdiözese Prag seit 2022 geleitet, vor ihm war der im November 2025 verstorbene Kardinal Dominik Duka ihr Leiter gewesen.
Přibyl ist Mitglied des Redemptoristen-Ordens, dessen Provinzial er von 2002 bis 2011 war. Zudem war er von 2004 bis 2008 Caritas-Präsident der Erzdiözese Prag. Er hat Doktortitel in Theologie und Kunstgeschichte sowie einen Masterabschluss in Ökonomie und Management. Přibyl gilt als pragmatischer Seelsorger, der für sein Engagement für sozial Benachteiligte bekannt ist. Dafür wird er über Kirchenkreise hinaus gewürdigt. Daher wird erwartet, dass er sich bei Themen wie soziale Ungleichheit, Ausgrenzung oder der Verantwortung gegenüber Schwächeren einbringen wird, wobei weniger religiöse Forderungen, sondern ethische Argumente im Zentrum stehen werden. Damit könnte er auch einen Kurswechsel der katholischen Kirche in Tschechien einleiten, bei dem sich die Kirche stärker der Gesellschaft zuwendet.
Diese Vermutungen erhärtete Erzbischof Přibyl mit seiner Ankündigung, sich bald mit Betroffenen von Missbrauch durch kirchliche Amtsträger treffen zu wollen. Bisher gab es in Tschechien keine Tradition von öffentlichen Treffen zwischen Bischöfen und Missbrauchsopfern. Dem früheren Prager Erzbischof Duka war jahrelang vorgeworfen worden, die Forderungen von Opfern nicht ernst genommen und abgewehrt sowie das Problem des sexuellen Missbrauchs in der Kirche kleingeredet zu haben. Die Tschechische Bischofskonferenz verhandelte das Thema weitgehend intern, offizielle Erklärungen blieben vage. Die Initiative des neuen Erzbischofs ist somit ein Zeichen für eine möglicherweise deutliche Veränderung in der Haltung der Kirche zu diesem und vielleicht auch anderen gesellschaftlich relevanten Themen. (Mit Material von Kathpress)