Russland: Zustand von Rubljovs Dreifaltigkeitsikone verschlechtert sich
Die berühmte Dreifaltigkeitsikone des russischen Ikonenschreibers Andrej Rubljov, die in der Dreifaltigkeitskathedrale des Dreifaltigkeitsklosters in Sergijev Posad ausgestellt ist, weist Schäden auf. Die Ikone, die als eines der wertvollsten materiellen Kulturgüter Russlands gilt, wird in einer speziellen Vitrine aufbewahrt, die für stabile klimatische Bedingungen sorgen soll. Laut Angaben eines Informanten gegenüber dem russischen Medium Echo ist diese Vitrine vor ca. zwei Monaten kaputtgegangen. Statt der idealen Bedingungen von 19° Celsius und einer Luftfeuchtigkeit von 50 bis 55 Prozent ist die Ikone nun den Bedingungen der Kirche ausgesetzt, wobei die Luftfeuchtigkeit dort rund 80 Prozent beträgt.
Um die Vitrine zu reparieren, wurde offenbar ein Spezialist aus Deutschland, wo sie hergestellt wurde, eingeflogen. Dieser reparierte die Vitrine, doch einige Stunden nach seiner Abreise habe sie erneut nicht mehr funktioniert. Aufgrund der „Schwierigkeiten in den internationalen Beziehungen“ sei es unmöglich, den Experten noch einmal hinzuziehen. Ein Problem sei, dass die Vitrine für ein Museum mit einer stabilen Temperatur von 19° konzipiert sei, nicht für eine Kirche, die extreme Bedingungen biete. Die Dreifaltigkeitsikone aus dem 15. Jahrhundert besteht aus drei Holzbrettern, von denen eines nicht stabil ist. Wenn sich die Bretter auseinanderbewegen, beginnt die Farbe zu reißen. Wenn sie sich zu sehr annähern, spannt sie. Aufgrund der Feuchtigkeit quellen die Bretter nun auf und nähern sich einander, die Spalten zwischen ihnen seien kaum noch sichtbar. Deswegen krümmten sich die Bretter und die Ikone beginne, sich aufzuwickeln. Ein Informant berichtete der Journalistin Ksenia Luchenko, dass die Klosterleitung die Tretjakov-Galerie, in der die Ikone zuvor aufbewahrt worden war, informiert habe. Aktuell befinde sich das Kunstwerk in einer Restaurationswerkstatt, das Ausmaß der Schäden sei unklar.
Die Dreifaltigkeitsikone war dem Kloster 2023 für 49 Jahre zur unentgeltlichen Nutzung, mit Option auf Verlängerung, überlassen worden. Als Museumsgut blieb die Ikone im Besitz des Staats, dem Kloster wurde sie auf Anweisung des russischen Präsidenten Vladimir Putin überlassen, der damit einer Bitte des Patriarchen „im Namen der Gläubigen der Russischen Orthodoxen Kirche (ROK)“ entsprach. Die Übergabe war stark umstritten, gerade wegen Bedenken hinsichtlich der Fähigkeit des Klosters, die wertvolle und sehr empfindliche Ikone angemessen aufzubewahren.
Auf der Website des Moskauer Patriarchats behauptet dessen Rechtsabteilung, es finde eine „planmäßige Überprüfung des Zustands“ der Ikone statt. Dies entspreche dem Vertrag zwischen der Tretjakov-Galerie und dem Kloster, wonach die Galerie berechtigt sei, den Zustand der Ikone regelmäßig zu überprüfen. Die Kunstwissenschaftlerin und Journalistin Sofija Bagdasarova befürchtet, dass die Ikone zwar restauriert, danach aber wieder in der Kirche ausgestellt wird. Es bestehe die Gefahr, die Dreifaltigkeitsikone aufgrund künftiger irreparabler Schäden zu verlieren. Zugleich hält sie es für unmöglich, dass das Kunstwerk in näherer Zukunft in die Tretjakov-Galerie zurückgebracht und dort unter angemessenen Bedingungen ausgestellt wird. Als Alternative hält sie es für denkbar, dass die Ikone sehr langsam restauriert und zur Stabilisierung für lange Jahre in einer Restaurationswerkstatt gelagert und daher weder in einer Kirche noch in einem Museum ausgestellt wird. (NÖK)

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