Russland: Metropolit Tichon auf der Sanktionsliste der EU
Metropolit Tichon (Schevkunov), der die Eparchie Krim der Russischen Orthodoxen Kirche (ROK) leitet, ist als erster Bischof der ROK von der EU sanktioniert worden. Bei der jüngsten Aktualisierung der Liste sanktionierter Personen und Organisationen am 15. Juni wurde er auf der Liste aufgeführt. Grund ist seine „aktive Rolle in der Verbreitung russischer Propaganda und Desinformation“ über Russlands Angriffskrieg gegen die Ukraine. Die EU wirft ihm vor, systematisch Desinformation zugunsten des Kremls zu verbreiten, darunter Behauptungen über „Nazitum“ in der Ukraine. Er verleugne die Souveränität der Ukraine und rechtfertige die russische Invasion als „nötig, defensiv und göttlich gesegnet“. Durch Predigten, Medienplattformen, staatlich finanzierte Kulturprojekte und die Sammlung von Mitteln für die russischen Truppen auf der besetzten Krim bewerbe und fördere er Russlands militärisches Handeln. Damit unterstütze Schevkunov die Handlungen und Politik der russischen Regierung, die die Demokratie, Rechtstaatlichkeit, Stabilität und Sicherheit in der EU und der Ukraine bedrohten.
Metropolit Tichon gilt als einflussreicher Bischof mit großer Nähe zum Kreml, so wird er häufig als „Beichtvater Putins“ bezeichnet. Er ist Mitglied verschiedener Gremien und hat den Bestseller „Everyday Saints“ geschrieben. 2023 wurde er von der Eparchie Pskov auf die Krim versetzt. Einige Beobachter interpretierten dies als Versuch des russischen Patriarchen Kirill, einen starken Konkurrenten an die Peripherie zu drängen.
Nach der Abwahl des ungarischen Ministerpräsidenten Viktor Orbán gab es Spekulationen, dass Patriarch Kirill in das nächste EU-Sanktionspaket eingeschlossen werden könnte. Zuvor hatte Ungarn dies blockiert. Obwohl es noch keinen offiziellen Entschluss gib, hat die ROK bereits gegen eine mögliche Sanktionierung des Patriarchen protestiert. (NÖK)