Kasachstan: Russische Orthodoxe Kirche verfolgt Antikriegspriester
Die kasachische Metropolie der Russischen Orthodoxen Kirche (ROK) hat den kasachischen Präsidenten Kassym-Jomart Tokajev aufgefordert, die strafrechtliche Verfolgung des Priestermönchs Jakov Vorontsov wieder aufzunehmen. Diesen hatte die ROK wegen seiner Haltung gegen Russlands Krieg gegen die Ukraine ausgeschlossen. Auf dem Telegram-Kanal von Erzpriester Alexandr Suvorov, des Leiters der Abteilung für die Beziehungen der ROK mit der Öffentlichkeit in Kasachstan, wurde ein entsprechendes Videostatement publiziert. Darin rufen mehrere Geistliche und ein Gemeindemitglied dazu auf, das Strafverfahren wegen des „Schürens von Hass“ gegen den ehemaligen Priestermönch wieder aufzunehmen. Das entspreche dem Wunsch von Gemeindemitgliedern, die in ihren Gefühlen verletzt worden seien. Bei der Aufforderung bezieht sich die ROK auf eine Aussage Vorontsovs, der in einer Talkshow die ROK als „abscheulichste Religion der Welt“ bezeichnet hatte, die „nichts mit dem Christentum gemeinsam hat“.
Das Strafverfahren gegen Priestermönch Jakov wegen des Schürens von interkonfessionellem Hass war im Mai 2025 eingestellt worden, weil kein Verbrechen festgestellt werden konnte. Das Verfahren hatte 16 Monate gedauert, Auslöser war eine anonyme Denunziation gewesen. Seinen Dienst in der ROK hatte Vorontsov schon im Juni 2023 beendet, nachdem er die russische Großinvasion seit ihrem Beginn verurteilt hatte. Zudem rief er Kasachstan auf, der Ukraine zu helfen und aus der Organisation des Vertrags über kollektive Sicherheit, einem Verteidigungsbündnis ehemaliger Sowjetrepubliken, auszutreten.
Auf der Plattform OpenPetition wurde eine Petition zugunsten von Vorontsov veröffentlicht. Unter dem Titel „Über die Unzulässigkeit strafrechtlicher Verfolgung aufgrund von Denunziationen in der Republik Kasachstan“ kritisiert sie den Druck, der mithilfe von Denunziationen und kollektiver Verleumdung auf Personen wie Jakov Vorontsov ausgeübt wird. Die Initianten betonen, dass es ihnen nicht um die Überzeugungen und Meinungen von irgendjemandem gehe, sondern lediglich um den Schutz rechtstaatlicher Prinzipien. Innerhalb des ersten Tags unterschrieben 62 Personen die Petition, die sich an die Generalstaatsanwaltschaft und den Beauftragten für Menschenrechte richtet. (NÖK)