Zum Hauptinhalt springen

Georgien: Orthodoxe Kirche übt heftige Kritik an EU

07. August 2025

Die Georgische Orthodoxe Kirche hat in einer offiziellen Erklärung heftige Kritik am jüngsten Vorstoß vonseiten der EU zur Familien- und LGBT-Gesetzgebung in Georgien geübt. Die Europäischen Kommission hatte konkrete Schritte seitens des Kaukasuslands angemahnt, um die Visafreiheit für die EU zu erhalten, einschließlich der Aufhebung von Gesetzen, die sich nach Ansicht der Kommission gegen die Zivilgesellschaft und die Rechte von Homosexuellen in Georgien wenden.

Das georgische Patriarchat ging in seiner Erklärung vom 21. Juli nur auf die Familien- und LGBT-Gesetzgebung ein. Die EU-Empfehlungen hätten in der Kirche wie auch der Gesellschaft „erhebliche Besorgnis“ ausgelöst, heißt es in der Stellungnahme wörtlich. Die EU dränge auf die Abschaffung von Gesetzen, „die die Heiligkeit der Familie schützen und die LGBT-Propaganda gegen Minderjährige einschränken“, zeigte sich die Kirche empört.

Die Forderung der EU widerspricht laut dem Patriarchat zudem den Grundsätzen und Erklärungen, die seit Jahren von Vertretern der EU-Länder und hochrangigen Diplomaten bei zahlreichen Treffen mit Geistlichen der Georgischen Orthodoxen Kirche, an erster Stelle Patriarch Ilia II., verbreitet wurden. Demnach hätten die EU-Repräsentanten stets erklärt, dass die Integration Georgiens in europäische Strukturen nicht mit der Förderung nicht-traditioneller Lebensstile verbunden sei. Vor diesem Hintergrund seien die aktuellen Forderungen, die auch den Grundlagen des Christentums widersprächen, „sehr enttäuschend“.

In der Erklärung wird auch die aktuelle georgische Gesetzeslage gewürdigt, die traditionelle Familienwerte schütze bzw. den Schutz junger Menschen vor der Propaganda nicht-traditioneller Lebensweisen garantiere. Damit werde ein „gesunder gesellschaftlicher Lebensstil“ gefördert.

Der EU-Kandidatenstatus war dem 3,7-Millionen-Einwohner-Land erst Ende 2023 zuerkannt worden, nachdem es kurz nach Beginn des russischen Angriffskriegs gegen die Ukraine im Februar 2022 die Aufnahme in die EU beantragt hatte. Die derzeitige Regierungspartei Georgischer Traum fährt seit 2024 aber einen russlandfreundlichen Kurs. Kritiker werfen der georgischen Regierung unter anderem ein inakzeptables Vorgehen gegen Kritiker und zunehmende Restriktionen gegen unabhängige Medien und Nichtregierungsorganisationen vor. Georgiens EU-Beitrittsprozess ist derzeit ausgesetzt. (Quelle: Katholische Presseagentur Kathpress, www.kathpress.at)