Bosnien-Herzegowina: 45 Jahre Međugorje: Zehntausende feiern Jubiläum der Erscheinungen
Mit liturgischen Feiern, einem Friedensmarsch und einer Festprozession mit einer Marienstatue ist am Donnerstag unter der Teilnahme Zehntausender Pilger aus aller Welt in Međugorje der 45. Jahrestag der ersten Marienerscheinungen begangen worden. Angaben der Pfarrei zufolge waren Gläubige aus mehr als 30 Ländern in den bosnisch-herzegowinischen Wallfahrtsort gekommen, darunter viele aus Deutschland, Österreich, Italien, den USA, Polen, Südkorea, Indien sowie zahlreichen weiteren Ländern. Im Zentrum der Feierlichkeiten standen die Eucharistie und das Gebet um Frieden.
Die große Abendliturgie auf dem Platz hinter der Pfarrkirche leitete der Provinzial der Franziskaner in der Herzegowina, P. Jozo Grbeš, gemeinsam mit 397 konzelebrierenden Priestern. In seiner Predigt bezeichnete er Međugorje als "Ort der Vergebung und neuer Anfänge". Hier begegneten sich Suchende unterschiedlichster Herkunft: "Dies ist ein Ort der Kirche, an dem Bischof und Priester, Nichtgläubiger und barfüßiger Pilger gemeinsam auf der Suche nach Wahrheit und Sinn sind."
Grbeš hob besonders die geistlichen Früchte hervor, die viele Pilger mit Međugorje verbinden. Der Marienwallfahrtsort sei für Gläubige ein Ort der Umkehr, der Beichte und der persönlichen Gotteserfahrung, für andere ein Ort der Fragen und der Suche. Zeugnisse dafür seien erneuerte Ehen, überwundene Süchte, Versöhnung nach tiefen Verletzungen sowie Berufungen zum Priestertum und Ordensleben. "Wir suchen das eine und erhalten oft das, was wir wirklich brauchen: Wir suchen Gesundheit und finden Sinn", so der Ordensobere.
Grbeš betonte die christozentrische Ausrichtung des Wallfahrtsortes. Entscheidend sei nicht das Phänomen der Erscheinungen, sondern die Begegnung mit Christus. Maria verweise stets auf ihren Sohn, sagte der Franziskaner unter Hinweis auf die Hochzeit zu Kana: "Tut alles, was er euch sagt." Ohne Christus bleibe alles andere zweitrangig.
Zugleich verwies Grbeš auf die im vergangenen Jahr veröffentlichte Note "Königin des Friedens" des Dikasteriums für die Glaubenslehre, mit der der Heilige Stuhl die geistlichen Früchte Međugorjes würdigte, einem Besuch des Ortes die Unbedenklichkeit ("Nihil obstat") zuerkannte und somit Pilgerfahrten ausdrücklich ermöglichte, ohne ein Urteil über den übernatürlichen Charakter der Erscheinungen zu treffen. Dass es diese zahlreichen Früchte gebe, könne "niemand leugnen", so der Franziskaner.
Die Feierlichkeiten waren von einer neuntägigen Gebetsvorbereitung begleitet worden, mit täglichen Rosenkränzen auf dem Erscheinungsberg Podbrdo und bei der Pfarrkirche sowie mit der traditionellen Friedenswallfahrt von Humac nach Međugorje. Die Gottesdienste am Jubiläumstag begannen bereits ab 6 Uhr früh, wobei neben den kroatischen Messen weitere 15 Heilige Messen in den Sprachen der internationalen Pilger stattfanden. Hunderte Priester standen für das Bußsakrament zur Verfügung; Međugorje wird auch als "Beichtstuhl der Welt" bezeichnet.
Begleitend zum Jubiläum gab es in Međugorje auch die Prämiere des Dokumentarfilms "Folge mir mit deinem Herzen" über den 2000 verstorbenen Franziskaner P. Slavko Barbari, der als einer der prägenden Seelsorger des Wallfahrtsortes gilt. Der Film zeichnet anhand von Zeitzeugenberichten, Archivaufnahmen und persönlichen Erinnerungen Leben und Wirken des Priesters nach, der sich besonders der Begleitung von Pilgern sowie sozialen Projekten widmete. Der Film soll in den kommenden Monaten auch in weiteren Ländern gezeigt werden.
Obwohl die ersten angeblichen Marienerscheinungen auf den 24. Juni 1981 datiert werden, begeht Medjugorje traditionell den 25. Juni als Jahrestag. Nach Angaben der Seher, die damals alle im Kindes- bzw. Jugendalter waren, fand an diesem Tag die erste längere Begegnung mit der Gottesmutter samt Botschaft statt; zudem habe von da an die Serie der Erscheinungen begonnen, die laut den Berichten bei drei aus der Gruppe weiterhin täglich stattfinden sollen, bei anderen an bestimmten festgesetzten Tagen im Jahr.
Zu bloß einer jährlichen Vision am Jahrestag kommt es den Angaben zufolge seit 1985 bei Ivanka Ivankovi-Elez (60). Sie berichtete im Rahmen der diesjährigen Feier von einer vierminütigen Marienerscheinung in ihrem Familienhaus, an der ausschließlich ihre Angehörigen teilgenommen hätten, sowie von einer ihr übermittelten Botschaft, die gelautet habe: "Liebe Kinder, tragt den Frieden und die Liebe meines Sohnes in jedes Herz. Betet um Frieden, Frieden, Frieden." Auch die am 25. jedes Monats übermittelte Botschaft an Marija Pavlovi-Lunetti (61) wurde am Jubiläumstag veröffentlicht. Darin ruft die Jungfrau Maria die Gläubigen auf, sich trotz aller Schwierigkeiten zu freuen und Gott ihr Leben anzuvertrauen. "Ich bin eure Mutter und ich liebe euch", heißt es darin.
Nach Angaben der Pfarrei haben seit 1981 mehr als 50 Millionen Pilger Međugorje besucht. Der Ort, inzwischen einer der bedeutendsten katholischen Wallfahrtszentren weltweit, ist vonseiten des Heiligen Stuhls einem Apostolischen Visitator anvertraut. Von diesem - aktuell dem emeritierten Erzbischof Aldo Cavalli (79) - werden die veröffentlichten Botschaften seit 2024 vor ihrer Freigabe geprüft; anschließend erscheinen sie mit dem Vermerk "Mit kirchlicher Erlaubnis". Was die Erscheinungen betrifft, steht trotz eingehender Untersuchung des Phänomens durch mehrere kirchliche Kommissionen - die eingehendste unter der Leitung des am 16. Juni im 96. Lebensjahr verstorbenen Kardinals Camillo Ruini - eine endgültige Entscheidung der Kirche über deren Übernatürlichkeit weiter aus. (Quelle: Katholische Presseagentur Kathpress, www.kathpress.at)