Erste Konferenz der International Orthodox Theological Association (IOTA) im rumänischen Iaşi

rum iota Metropoliten Kathedrale mit Konferenzbanner zugeschnitten

Vom 9. bis 12. Januar 2019 fand in der rumänischen Stadt Iaşi die erste Konferenz der International Orthodox Theological Association (IOTA) zum Thema „Panorthodoxe Einheit und Konziliarität“ statt. Dabei präsentierten und diskutierten fast 300 Akademikerinnen und Akademiker aus über 40 Ländern in 75 Panels ihre Forschungen in Zusammenhang mit orthodoxer Theologie. Die Idee entstand im Rahmen des Panorthodoxen Konzils vom Juni 2016 auf Kreta mit dem Ziel, eine regelmäßige internationale Austauschplattform für Forschende und orthodoxe Kirchenglieder zu schaffen, die panorthodoxe Einheit und Konziliarität zu fördern und zur Erneuerung der Orthodoxen Kirche beizutragen. An der Konferenz nahmen auch zahlreiche Referierende und Beobachter anderer christlicher Konfessionen teil. Gründer und Präsident von IOTA ist Dr. Paul Gavrilyuk, Aquinas-Professor für Theologie und Philosophie an der St. Thomas-Universität in St. Paul, Minnesota, USA. Die Konferenz fand u.a. mit der großzügigen Unterstützung der Orthodoxen Erzdiözese von Iaşi in Rumänien statt (weitere Sponsoren).

Eröffnet wurde die Konferenz mit einer von Metropolit Teofan (Savu) von der Moldau und Bukowina gefeierten Liturgie in der St. Paraskeva Metropoliten-Kathedrale. In seiner anschließenden Eröffnungsrede im städtischen Nationaltheater hielt Gavrilyuk fest, dass IOTA keine Gesellschaft nur für Theologen, sondern am internationalen Wissensaustausch mit allen Forschenden im Kontext der orthodoxen christlichen Tradition interessiert sei, die aufgrund der kolonialen und totalitären Vergangenheit zerstreut und isoliert seien. Erfreut stellte er fest, dass Mitglieder von fast allen orthodoxen Lokalkirchen präsent seien. Besonders willkommen seien Frauen und Angehörige der orientalisch-orthodoxen und anderer christlicher Kirchen. Im Anschluss an das Panorthodoxe Konzil von 2016, das auch alte Wunden offenbart habe, und angesichts der aktuellen Spannungen zwischen diversen orthodoxen Lokalkirchen wolle IOTA eine Erfahrung der „Konziliarität von unten“ bieten und auch eine Grundlage für die allfällige Teilnahme von Laien an künftigen Panorthodoxen Konzilien schaffen. Damit verkündete er auch die Bereitschaft von IOTA, an prä-konziliären Kommissionen mitzuarbeiten.

Patriarch Daniel (Ciobotea) der Rumänischen Orthodoxen Kirche rief in einem Grußwort Theologen und Kirchenhirten zur Zusammenarbeit auf: „Die Orthodoxie braucht eine tiefere theologische Reflexion über die Beziehung zwischen individueller Freiheit und kirchlicher Gemeinschaft, zwischen akademischer Theologie und dem Leben von Gemeinden und Klöstern, zwischen Primat und Synodalität auf lokaler wie panorthodoxer Ebene, zwischen lokaler Autokephalie und panorthodoxer gemeinsamer Verantwortung, weil Autokephalie nicht mit Isolation oder Einheit nicht mit Zwang verwechselt werden sollte. Dialog, gegenseitige Konsultation und konkrete Zusammenarbeit zwischen unseren autokephalen Kirchen müssen zu einer ständigen, gut organisierten Praxis werden, und nicht nur isolierte oder beliebige Ereignisse. Wir müssen ständig aufmerksam sein, dass individueller oder kollektiver Egotismus die Heiligkeit der kirchlichen Gemeinschaft nicht unterminiert.“

Den Hauptvortrag des Eröffnungsabends hielt Metropolit Kallistos (Ware), Bischof von Diokleia, vom Ökumenischen Patriarchat. In seiner Rede gab er zu bedenken, dass „wir bekennen müssen, mit Demut und Realismus, dass wir [Orthodoxen] Synodalität in der Theorie beteuern, sie aber in der Praxis viel zu oft missachtet haben“. Auch er ging auf die aktuellen wunden Punkte ein: Er hob die positive Rolle der Russischen Orthodoxen Kirche (ROK) bei den Vorbereitungen des Panorthodoxen Konzils hervor und bedauerte umso mehr deren Fernbleiben. Angesichts des aktuellen Konflikts zwischen dem Ökumenischen und dem Moskauer Patriarchat aufgrund der Ukraine brachte der Metropolit tiefste Beunruhigung in Bezug auf das Verhalten beider Patriarchate zum Ausdruck. Er kritisierte sowohl das Ökumenische Patriarchat für die Missachtung der Geschichte der ukrainischen Orthodoxie als Teil der russischen Geschichte, als auch den Abbruch der eucharistischen Gemeinschaft mit dem Ökumenischen Patriarchat durch die ROK. Die Geschichte zeige, dass ein Schisma schneller herbeigeführt als wieder geheilt sei und rief zum Gebet dafür auf, dass der Heilungsprozess nicht so lange dauern möge wie beispielsweise die Spaltung zwischen der Bulgarischen Orthodoxen Kirche und dem Ökumenischen Patriarchat (1872–1953), die ebenfalls aufgrund der Autokephalie-Frage entstanden sei. Nach George Florovsky sei die Kirche „das lebendige Bild der Ewigkeit im Rahmen der Zeit“ und als solche solle sie sich den Herausforderungen der Gegenwart proaktiv stellen.

75 Panels boten an der Konferenz die Gelegenheit zur Auseinandersetzung mit einer Vielfalt an theologischen und kirchenhistorischen Themen wie Bibelexegese, kanonisches Recht, Trinitätslehre, Theologie der Person (theosis), Askese, Patristik, Orthodoxie und Islam, interreligiöser Dialog, philosophische Theologie, orthodoxe Erziehung, Liturgie, politische Theologie, Heirat und Familie, Ethik und Moral, Emotionen, Kunst, Konstantinopel und die slavische Welt, Kreuzzüge und Byzanz, Religion und (Natur-)Wissenschaft, Ökologie, Ökumene, kritische Ekklesiologie, Mission, Migration, das Diakonat für Frauen, Kirchenmusik, Umgang mit Pluralismus und Moderne wie auch die aktuelle Situation in der Ukraine. Die Teilnehmenden zeigten sich von der Qualität der Präsentationen und der Offenheit der Diskussionen beeindruckt.

Eine Führung durch die Ausstellung zu rumänischer Sakralkunst vom 17.-19. Jahrhundert im Museum der Metropoliten-Kathedrale und durch eine Ausstellung moderner ukrainischer Ikonen rundeten das Programm ab. Beeindruckend war die Gastfreundschaft der Erzdiözese von Iaşi und des Verlags Doxologia, deren Klerus, Mitarbeitende und Freiwillige die professionelle Durchführung des Ereignisses gewährleisteten. Mit mehreren hundert Teilnehmenden aus 40 Ländern und 6 Kontinenten war die IOTA-Konferenz die größte Zusammenkunft orthodoxer Kleriker, Forschender und Laien in der modernen Geschichte. IOTA plant, Konferenzen dieser Art in Zukunft alle vier Jahre durchzuführen.

Regula Zwahlen

Drucken