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Review of Ecumenical Studies Vol. 17, 3 (2025): Sakralisierung des Kriegs

Der am 24. Februar 2022 erfolgte völkerrechtswidrige Angriff Russlands auf die Ukraine und die damit verbundene Legitimierung dieses Krieges durch das Moskauer Patriarchat haben zu einer Tagung Anlass gegeben, die am 11./12. Oktober 2024 an der Universität Göttingen stattfand und dem Thema „Sakralisierung des Krieges“ gewidmet war. Eine Auswahl von Beiträgen dieser Tagung ist in der vorliegenden Ausgabe versammelt. Sie nähern sich dem Thema aus unterschiedlichen historischen Perspektiven, zeigen aktuelle Entwicklungen auf und fragen nach den ökumenischen Konsequenzen.

Der Autor Dimitrij Bumazhnov weist in seinem Beitrag religiöse Begründungsmuster für die Anwendung von Gewalt im christlichen Kontext nach, die sich in der Auseinandersetzung mit dem „Monophysitismus“ im byzantinischen Reich des 6. Jahrhunderts entwickelt haben, und zeigt deren Einfluss auf die Begründung religiös motivierter Gewalt im islamischen Kontext auf. Mit seinem Beitrag vermag Bumazhnov damit gängige Vorstellungen von einem primärim Islam verwurzelten Verständnis von „Heiligem Krieg“ zu korrigieren.

Reinhard Flogaus analysiert in seinem Beitrag Stellungnahmen verschiedener Vertreter des Moskauer Patriarchats zum Ukrainekrieg im Hinblick auf Ideen einer „Heiligen Rus“ und eines „Heiligen Krieges“ und leistet eine historische Verortung dieser Ideen, die, einhergehend mit apokalyptisch geprägten Motiven, bereits seit dem Untergang des byzantinischen Reiches das politische und kirchliche Denken in Russland beeinflusst und eine Grundlage für imperiales Handeln gebildet haben – bis hin zur Legitimierung des Angriffskrieges auf die Ukraine in der Gegenwart.

Ein weiteres Konzept, das in der heutigen Diskussion eine entscheidende Rolle spielt, stellt Cyrill Hovorun in den Mittelpunkt seiner Analyse: das Konzept einer „russischen Welt“. Im Rückgriff auf politikwissenschaftliche Analysen europäischer Faschismustheorien des 20. Jahrhunderts, von denen Hovorun erste Ansätze bereits in der Zeit zwischen den beiden Weltkriegen bei einigen russischen Denkern ausmacht, kann er zeigen, inwiefern das Konzept einer „russischen Welt“ von Formen und Elementen eines faschistischen Weltbildes geprägt ist. Der wiederholt von russischer Seite gegen die Ukraine vorgebrachte Faschismusvorwurf lässt sich demnach gegen Teile des russischen politischen Denkens und Vorgehens selbst wenden. 

Auf der Basis einer Analyse zahlreicher aktueller Stellungnahmen führender Vertreter des Moskauer Patriarchats lenkt Andrej Kordochkin das Augenmerk auf religiöse Begründungen der russischen Militärdoktrin wie umgekehrt auf die Militarisierung des religiösen Bereichs. Er vermag in diesem Zusammenhang insbesondere deutlich zu machen, welche Bedeutung dem biblischen Motiv des „Katechon“ zukommt und wie die Heiligen der russischen orthodoxen Tradition zu Kriegszwecken mobilisiert werden.

Andrej Desnitzky stellt in seinem Beitrag neutestamentliche Strategien der Konfliktbewältigung der frühen Christengemeinden im Verhältnis zum damaligen politischen und kulturellen Umfeld dar und setzt diese zu heute bestehenden Konfliktfeldern in der Ukraine in eine aufschlussreiche Beziehung.

Den Auswirkungen des Ukrainekrieges in ökumenischer Hinsicht widmet sich schließlich der Beitrag von Heta Hurskainen und Jennifer Wasmuth. Hurskainen entwickelt dazu verschiedene Thesen, die von Wasmuth in einer kurzen Response kommentiert werden. Inhaltlich geht es um Stellungnahmen des Moskauer Patriarchats zu Fragen der Friedensethik und der Menschenrechte, um die negativen Auswirkungen des Krieges auf die Beziehungen des Moskauer Patriarchats zu anderen christlichen Kirchen im Rahmen der ökumenischen Bewegung sowie um konzeptionelle Neuansätze in der ökumenischen Zusammenarbeit.

Die hier versammelten Beiträge mögen insgesamt die Dringlichkeit der weiteren wissenschaftlichen Bearbeitung des Themas deutlich machen: Neben fundierten Analysen grundlegender Motive und ideeller Konstrukte sollte in Zukunft verstärkt in den Blick genommen werden, welche alternativen Möglichkeiten ökumenischer Zusammenarbeit sowie gemeinsamer friedensethischer Perspektiven es gibt.

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