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Albanien: Katholischer Bischof: Kirche lehnt jede Form von Gewalt ab

22. Oktober 2026

„Wir lehnen Gewalt ab, sowohl als Mittel des Protests als auch als Reaktion darauf.“ – Das hat der Vorsitzende der katholischen Bischofskonferenz von Albanien, Bischof Gjergj Meta, betont. Im Interview mit der italienischen kirchlichen Nachrichtenagentur SIR nahm der Bischof zu den gewaltsamen Zusammenstößen von Demonstranten und Behörden in den letzten Tagen in Tirana und mehreren anderen Städten Stellung. Er würdigte die Fortschritte des Landes in Bezug auf Demokratie und Entwicklung, prangerte aber gleichzeitig die Korruption an. „Die Korruption frustriert vor allem die jungen Menschen, die sich eine bessere Zukunft in ihrem Land wünschen“, so Bischof Meta.

In Albanien war es in den vergangenen Tagen zu landesweiten Demonstrationen und auch Ausschreitungen gekommen. Die von Studenten angeführten Proteste gegen Korruption, Arbeitslosigkeit und schlechte Bildungsstandards hatten sich von Tirana auch auf andere Städte ausgeweitet. Demonstranten setzten Regierungsgebäude in Brand und bewarfen die Polizei mit Pflastersteinen. Die Sicherheitskräfte reagierten mit Tränengas, Wasserwerfern und Gummigeschoßen. Die Demonstranten forderten den Rücktritt von Albaniens Regierungschef Edi Rama.

Gewalt sei auf jeden Fall kontraproduktiv, „egal ob sie von den Protestierenden oder von der Polizei ausgeht, wenn diese unverhältnismäßig zu ihr greift“, sagte der Bischof. Wie der Bischof berichtete, sei bei Demonstrationen in Tirana auch die Apostolische Nuntiatur betroffen gewesen. Einige Demonstranten rissen demnach die Vatikanflagge ab und setzten sie anschließend offenbar zusammen mit anderen Gegenständen in Brand. Für den Bischof eine „absolut inakzeptable Tat“. Das Demonstrationsrecht berechtige nicht zur Anwendung von Gewalt gegen wen auch immer, „schon gar nicht gegen Freunde unseres Volkes“.

Die katholischen Bischöfe hätten in einer Erklärung ihre Verbundenheit mit dem Apostolischen Nuntius, Erzbischof Mirosław Adamczyk, und seinen Mitarbeitern zum Ausdruck gebracht und die Tat verurteilt. Zudem habe man an die Bevölkerung appelliert, Ruhe zu bewahren, besonnen zu handeln und im Dialog zu bleiben, damit die offenen Fragen demokratisch gelöst werden können, so der Bischofskonferenz-Vorsitzende.

Albanien rücke deutlich näher an Europa heran, und mehrere Beitrittsverhandlungen mit der EU seien bereits eingeleitet worden, doch viele Fragen seien noch ungeklärt, erläuterte der Bischof im SIR-Interview weiter. Zu den gravierendsten zähle die Korruption, die offenbar bis in die höchsten Machtkreise vorgedrungen sei. Die Korruption frustriere vor allem junge Menschen und sei für viele ein Hauptgrund für die Auswanderung.

Das mache sich auch bei den Auswanderungszahlen bemerkbar, sagte der Bischof, der dies anhand seiner Diözese Rrëshen erläuterte. In dieser lebten in den 1990er Jahren 50‘000 bis 55‘000 Katholiken, heute seien es kaum noch 12‘500. Besonders in letzter Zeit habe es eine große Abwanderungswelle gegeben, die ganze Familien und junge Menschen betrifft, die in ihrer Heimat keine Perspektive sehen würden. Die Demonstrationen seien ein Ausdruck der aufgestauten Wut auf das System.

Am 18. Oktober hat auch Erzbischof Ioannis (Pelushi) von Tirana, Oberhaupt der Orthodoxen Kirche von Albanien, angesichts der dramatischen Unruhen und Ausschreitungen im Land zur Einheit aufgerufen. Am Ende des Sonntagsgottesdienstes in der orthodoxen Kathedrale von Tirana sagte der Patriarch: „Wir beten, dass Gott alle, die die Verantwortung für Entscheidungen tragen, erleuchten wird, damit sie im Dienst des ganzen Landes weise und reife Entscheidungen treffen können.“

Der Erzbischof betonte, dass Albanien allen Bürgern und Einwohnern gehört, die die Möglichkeit haben sollten, zu ihrer Entwicklung beizutragen. Die Kirchenleitung publizierte die kurze Ansprache des Kirchenoberhaupts auf der offiziellen Website der Kirche (orthodoxalbania.org). (Quelle: Katholische Presseagentur Kathpress, www.kathpress.at)