Nordmakedonien: Sexualkundelehrplan wird nach bischöflicher Kritik überarbeitet
Das nordmakedonische Bildungsministerium hat den Lehrplan für das Wahlfach Sexualkunde zurückgezogen und will den Lehrplan überarbeiten. Es reagierte damit auf die öffentliche Kritik am Lehrplan und einen offenen Brief von Bischof Jakov (Miltschevski) von Stobi der Makedonischen Orthodoxen Kirche – Erzbistum Ohrid. Bildungsministerin Vesna Jaanevska versprach das Programm „auf Wunsch der Öffentlichkeit“ gründlich durchzugehen und zu überprüfen.
Bischof Jakov hatte bemängelt, dass die Schülerinnen und Schüler gezwungen würden, fixe Positionen zu Geschlecht und Fortpflanzungsrechten zu akzeptieren, statt diese kritisch zu überdenken. Insbesondere kritisierte er, dass die Schülerinnen und Schüler laut Lehrplan reflektieren sollten, dass traditionelle Geschlechterrollen nicht immer gerecht seien, dass sie Menschen ungeachtet ihrer sexuellen oder geschlechtlichen Identität gleich behandeln, und dass sie sexuelle und Fortpflanzungsrechte als Teil der Menschenrechte akzeptieren sollten. Dies bezeichnete Bischof Jakov nicht als „Bildung, sondern Dressur“. Weiter stört er sich an Unterrichtseinheiten zu den Themen sexuelles Begehren, Masturbation und die Beziehung zur eigenen Sexualität. Zudem warf er Bildungsministerin Jaanevska vor, ihre Meinung zu Genderthemen radikal geändert zu haben, seit sie in der Regierung und nicht mehr in der Opposition sei.
Diese gab zu bedenken, dass es wissenschaftliche Belege gebe, dass Sexualkunde für junge Menschen nützlich sein könne. Außerdem handle es sich um ein Wahlfach, nicht ein Pflichtfach. Nach der Revision werde sich zeigen, ob das Fach wieder in Mittelschulen angeboten werde, und wenn ja, mit was für einem Lehrplan.
In einem erneuten offenen Brief begrüßte Bischof Jakov, dass der Lehrplan vom Bildungsministerium zurückgezogen worden sei. Das sei aber bei weitem nicht genug. Die Kontroverse habe den „ganzen moralischen und intellektuellen Bankrott des liberal-progressiven Establishments“ gezeigt. In seinem langen Schreiben ging er der Reihe nach auf mehrere kritische Kommentare zur Positionierung der Kirche ein. Es sei naiv, zu glauben, es gehe bei dem Problem nur um ein einziges Thema, denn das sei bei der „Gender-Ideologie“ nie der Fall. Vielmehr handle es sich um einen „brutalen, existenziellen Kampf“ darum, wer das Recht habe, die makedonischen Kinder zu erziehen. Daher sei kein Platz für „falsche Höflichkeit und diplomatisches Schweigen“. (NÖK)