Ungarn: Kardinal Erdő ruft zum Zusammenhalt auf
Kardinal Peter Erdő hat die Ungarn zu Geschwisterlichkeit, Frieden und Zusammenarbeit aufgerufen. Das Erbe des Heiligen König Stephan von Ungarn (Szent István Király) verpflichte auch heute dazu, „miteinander den richtigen Ton zu finden“ und in allen Fragen, die das gemeinsame Land betreffen, konstruktiv zusammenzuarbeiten, sagte der Erzbischof von Esztergom-Budapest in einer Videobotschaft zum Fest des Nationalheiligen am 20. August.
Nur in Einigkeit und Frieden könne man würdig feiern und gemeinsame Ziele verwirklichen, so der ungarische Primas. Erdő betonte besonders die Geschwisterlichkeit: Es sei wichtig, „dass wir einander Brüder und Schwestern sind, in diesem Land und überall in der Welt“. Fundament dieser über nationale Grenzen hinaus gehenden Verbundenheit sei der Glaube an die Liebe und Vorsehung Gottes, der sich um die gesamte Menschheit sorge, sagte der Kardinal.
Am traditionellen Festgottesdienst zum Gedenken an den Patron Ungarns vor der Stephans-Basilika in Budapest nahm am 20. August die gesamte neue Staatsspitze Ungarns um Ministerpräsident und Tisza-Chef Péter Magyar, den designierten Präsidenten András Baka und Parlamentspräsidentin Ágnes Forsthoffer teil. Auch Ex-Präsident János Áder und Zsolt Semjén, bis zum Machtwechsel stellvertretender Ministerpräsident in der Fidesz/KDNP-Regierung von Viktor Orbán, waren anwesend.
Der Budapester Weihbischof Gábor Mohos betonte in seiner Predigt bei der Festmesse ebenfalls den Zusammenhalt. Spaltung könne verhängnisvolle Folgen haben, Zusammenarbeit sei daher nicht nur eine Chance, sondern eine Notwendigkeit, sagte Mohos. Der Weihbischof rief dazu auf, „nicht in erster Linie nach dem zu suchen, was uns trennt, sondern nach dem, was uns verbindet und zu einem Volk macht“. Vielfalt dürfe nicht zu einer Quelle der Spaltung werden, sondern solle Ausdruck gegenseitiger Bereicherung sein.
Gleichzeitig bedeute dies nicht, prinzipienlos zu sein oder Kompromisse einzugehen, erklärte Mohos. Das Vermächtnis des heiligen Stephan fordere einen offenen Dialog auf der Grundlage echter Werte, der legitime Unterschiede anerkennt und respektiert, aber gleichzeitig nach Möglichkeiten der Zusammenarbeit im Dienste der gemeinsamen Interessen des ganzen Landes und der Nation suche. „Der Heilige Stephan sah seine Mission als Dienst an seinem Volk an, und sein Glaube gab ihm Kraft in den schwierigsten Situationen“, so der Weihbischof der Erzdiözese Esztergom-Budapest.
Mit Mohos, Kardinal Erdő, dem Bischofskonferenz-Vorsitzenden János Székely und mehreren Tausend Gläubigen feierte auch der Wiener Weihbischof Stephan Turnovszky. Danach wurde die als Reliquie verehrte „heilige Rechte“, die einbalsamierte rechte Hand des Nationalheiligen, in einer Prozession durch die Straßen von Budapest getragen. Der Heilige Stephan gilt als Symbol der nationalen Einheit Ungarns und der Integration der zuvor nomadischen Ungarn ins christliche Europa. Er gründete auch die ersten zehn Diözesen des damaligen Königreiches. Heiliggesprochen wurde er 1083 in der Regierungszeit des heiligen Ladislaus I. Die einbalsamierte rechte Hand Stephans ist die bedeutendste Reliquie der ungarischen Kirche und wird in der Budapester Stephansbasilika aufbewahrt. (Quelle: Katholische Presseagentur Kathpress, www.kathpress.at)