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Ungarn: Abtei Pannonhalma: Klosterbibliothek nach Sanierung wiedereröffnet

29. Januar 2026

Nach acht Monaten intensiver Restaurierungs- und Konservierungsarbeiten ist die Bibliothek der ungarischen Benediktiner-Erzabtei Pannonhalma wieder zugänglich. Die Hauptbibliothek war von einem Brotkäferbefall betroffen, der den wertvollen Buchbestand akut bedrohte. Mit einem aufwendigen Sanierungsprogramm konnte die Sammlung gerettet und langfristig gesichert werden. Am 20. Januar gaben Erzabt Cirill Hortobágyi und die für kulturelle Beziehungen zuständige Staatssekretärin Anita Kiss-Hegyi die Bibliothek offiziell wieder zur Nutzung frei.

Der Erzabt unterstrich die Bedeutung des Lesens für das benediktinische Leben: „Ohne Bücher kann man nicht von einem benediktinischen Kloster sprechen.“ Er hob die Sorge der Gemeinschaft hervor, dass es gelingen müsse, diese zum UNESCO-Welterbe zählende Bibliothek als nationales Kulturgut zu erhalten. Kiss-Hegyi betonte, dass die Bibliothek nicht nur eine historische Sehenswürdigkeit sei, sondern eine lebendige Sammlung, die seit Jahrhunderten Wissen bewahre und weitergebe. Sie stehe für die Wurzeln europäischer Kultur in Recht, Glauben und Wissenschaft sowie für Persönlichkeiten, die „in großen geistigen Perspektiven“ zu denken vermochten.

Die Direktorin der Bibliothek, Ilona Ásványi, erläuterte die technischen Maßnahmen der Rettung: Rund 100‘000 Bände wurden in 3000 Kisten verpackt und in 151 großen Folienkammern sechs Wochen lang in einer sauerstofffreien Umgebung behandelt. Gleichzeitig wurden strukturelle Schäden im historischen Regalsystem behoben.

Der Zuständige für die Kulturgüter, P. Konrád Dejcsics, bezeichnete die Krise als Warnung vor der Fragilität kultureller Werte und als Lernprozess: „Bestandserhaltung bedeutet kontinuierliches Risikomanagement und kann niemals als abgeschlossen gelten.“ Die erfolgreiche Bekämpfung des Befalls habe nicht nur die Bibliothek gerettet, sondern auch institutionelles Wissen geschaffen, das langfristig die fachliche Glaubwürdigkeit und Vernetzung der Bibliothek stärke.

Die Bibliothek von Pannonhalma hat in ihrer Geschichte mehrfach Krisen überstanden. Von den rund 80 Handschriften aus der Zeit des heiligen Ladislaus überlebten nur zwei die Türkenkriege. 1786 wurden Bestände bei der Aufhebung der Orden in Ungarn unter Kaiser Joseph II. verkauft, ein Rückkauf folgte 1802 unter seinem Nachfolger Franz I., ehe sich die Bibliothek in den 1830er Jahren neu etablierte. Damals entstand auch eine Lehrerbildungsanstalt mit eigener Bibliothek.

Das heutige klassizistische Bibliotheksgebäude wurde 1835 nach Plänen von Josef Klieber errichtet, der auch die Reliefs der Bibliothek des Wiener Schottenstifts gestaltete. Seitdem dient die Sammlung sowohl als Klosterbibliothek als auch als wissenschaftliche Lehrbibliothek. Ihr Bestand reicht vom 16. und 17. Jahrhundert bis in die Neuzeit und wurde nach 1802 gezielt durch alte Drucke und Handschriften für Ausbildungszwecke erweitert. (Quelle: Katholische Presseagentur Kathpress, www.kathpress.at)