Slowakei: Neue staatliche Gedenktage für Opfer des Kommunismus

Die Slowakei gedachte mit einem Staatsfeiertag der Samtenen Revolution von 1989. Staatspräsidentin Zuzana Čaputová bestätigte am Vorabend des jährlich am 17. November begangenen „Tages des Kampfes für Freiheit und Demokratie“ mit ihrer Unterschrift die Einführung von vier neuen staatlichen Gedenktagen im Zusammenhang mit Ereignissen aus den Jahrzehnten des KP-Regimes. Zwei von ihnen haben auch einen kirchlichen Bezug, wie slowakische Medien berichten.

Der neue „Tag der Opfer des kommunistischen Regimes“ am 24. Juni soll an den 24. Juni 1954 erinnern, an dem im Gericht von Trenčín beim Prozess gegen einen der führenden Köpfe der katholischen Kirche während des Kommunismus in der Slowakei, Silvester Krčméry (1924–2013), dessen viel zitierte Worte gefallen sind: „Sie haben in den Händen die Macht, aber wir die Wahrheit.“ Der Laie Krčméry und der späteren Priester Vladimír Jukl (1925–2012) gelten zusammen mit dem späteren Kardinal Ján Korec (1924–2015) als namhafteste Repräsentanten der frühen Geheimkirche in der Slowakei.

Krčméry verdiene es, ein Symbol des Freiheitskampfes in der neuzeitlichen slowakischen Geschichte zu werden, betonten die Abgeordneten der Regierungspartei OLaNO von Ministerpräsident Igor Matovič, die den Antrag auf den Gedenktag eingebracht hatten. Er sei „unbeirrt seinen Überzeugungen gefolgt“ und habe „bewiesen, dass ein innerlich starker Einzelner die Stabilität eines scheinbar starken totalitären Regimes untergraben kann.“ Silvester Krčmérys Neffe Vladimír Krčméry, Gründer und Rektor der privaten Sankt-Elisabeth-Universität in Bratislava, ist als Infektiologe während der aktuellen Pandemie in der slowakischen Öffentlichkeit sehr präsent.

Der ebenfalls neu eingeführte „Tag des Samisdats“ am 12. Oktober erinnert künftig an den 12. Oktober 1988, an dem sich Herausgeber von Untergrundmedien in beiden Teilen der damaligen Tschechoslowakei in einem offenen Brief an Staatspräsident Gustáv Husák wandten und sich für die Freilassung des slowakischen katholischen Aktivisten Ivan Polanský (1936–2015) einsetzten.

Polanský hatte laut Staatssicherheitsdienst allein im Jahr 1986 insgesamt 27 Titel nicht systemkonformer Literatur in einer Auflage von mehr als 33‘000 Exemplaren herausgebracht. Mit dem „Solidaritätsausschuss“ für den damals 52-Jährigen setzte die im liberalen Prag entstandene Widerstandsbewegung „Charta 77“ im Oktober 1988 ein Zeichen, dass sie für die gesetzlich verbürgten Rechte auch von Katholiken und in der Slowakei eintrat. Indem sie die von ihnen repräsentierten Untergrundpublikationen namentlich anführten, erstatteten die 92 Unterzeichner des Offenen Briefs gewissermaßen Selbstanzeige. Ihre Aufforderung an das Staatsoberhaupt Husák, Polanský entweder freizulassen oder in seiner „verkehrten Gerechtigkeit konsequent zu sein und uns alle einzusperren“, blieb unbeantwortet. Doch am 15. Dezember 1988 wurde Polanský freigelassen, was so wie die Kerzendemonstration in Bratislava am 25. März desselben Jahres ein Anzeichen der schwindenden Macht des Regimes vor dem Wendejahr 1989 war.

Die in Zukunft 20 Gedenktage in der Slowakei, die mit keiner Arbeitsruhe verbunden sind, erinnern überwiegend an historische Ereignisse oder Persönlichkeiten. Sie umfassen aber auch den Reformationstag am 31. Oktober und den Tag der Ausrufung der selbständigen slowakischen katholischen Kirchenprovinz am 30. Dezember 1977. (Quelle: Katholische Presseagentur Kathpress, www.kathpress.at)

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