Polen: Vorsitzender der Bischofskonferenz besorgt über deutschen Synodalen Weg

Der Vorsitzende der Polnischen Bischofskonferenz, Erzbischof Stanisław Gądecki, hat sich an seinen Amtskollegen von der Deutschen Bischofskonferenz, Bischof Georg Bätzing, gewandt und seine Besorgnis über den deutschen Synodalen Weg zum Ausdruck gebracht. Anlass für das Schreiben vom 22. Februar war die dritte Vollversammlung des Synodalen Wegs vom 3. bis 5. Februar, an dem mehrere Reformpapiere verabschiedet wurden: der Orientierungstext „Auf dem Weg der Umkehr und der Erneuerung. Theologische Grundlagen des Synodalen Weges“, der Grundtext „Macht und Gewaltenteilung in der Kirche – Gemeinsame Teilnahme und Teilhabe am Sendungsauftrag“ und der Handlungstext „Einbeziehung der Gläubigen in die Bestellung des Diözesanbischofs“.

In seinem Schreiben lobt Erzbischof Gądecki die tausendjährige Glaubens- und Geschichtsgemeinschaft zwischen Polen und Deutschland, die er durch einige Kreise der katholischen Kirche in Deutschland in Zusammenhang mit dem Synodalen Wegs bedroht sieht. Er habe den Eindruck, „dass die Grundlage der Reflexion nicht immer das Evangelium“ sei, sondern aktuelle Errungenschaften der Psychologie und der Sozialwissenschaften: „Die Versuchung zur ‚Modernisierung‘ betrifft in besonderer Weise den Bereich der sexuellen Identität. Dabei wird jedoch vergessen, dass sich der Stand der Wissenschaft häufig und teilweise sehr dramatisch ändert, z.B. durch einen Paradigmenwechsel. […] Fehler zu entdecken und zu analysieren ist der Motor des Fortschritts in der Wissenschaft.“ Gądecki verweist dabei auf Theorien des Rassismus und der Eugenik, die in den 1940er Jahren auch in den USA zu restriktiven Einwanderungsquoten und Zwangssterilisierungen geführt hätten. Der Erzbischof impliziert damit die Frage: Was, wenn sich die Kirche damals auf diese „wissenschaftlichen Erkenntnisse“ gestützt hätte? Mit Bezug auf Galileo Galilei räumt er ein, dass sich die Kirche auch irren kann und dass der Umgang mit wissenschaftlichen Erkenntnissen eine intellektuelle Herausforderung sei, „der wir uns stellen müssen, indem wir uns auf die Offenbarung stützen“.

Mit Bezug auf Papst Franziskus („Evangelii Gaudium“) sieht er katholische Gläubige unter dem Druck der öffentlichen Meinung, was zu einer Art Minderwertigkeitskomplex gegenüber der „vorherrschenden Kultur“ führe und appelliert an sie: „Vermeiden wir die Wiederholung von Parolen und Standardforderungen wie die Abschaffung des Zölibats, das Priestertum der Frauen, die Kommunion für wiederverheiratete Geschiedene oder die Segnung gleichgeschlechtlicher Partnerschaften. Die ‚Aktualisierung‘ der Definition der Ehe in der EU-Grundrechtecharta ist kein Grund, das Evangelium zu manipulieren.“ Zu vermeiden sei auch unternehmerisches Konzerndenken, das die Gläubige durch Anpassung an den Zeitgeist in der Kirche zu halten versucht.

Was die Frage der Frauenordination betreffe, hätten Papst Johannes Paul II. (mit Verweis auf Lk 22, 32) als auch Papst Franziskus diese eindeutig ausgeschlossen, letzterer „weil eine Frau in der Kirche wichtiger ist als Bischöfe und Priester“. Laut Gądecki ist „die Liste der heiligen Frauen, die das Schicksal der Kirche maßgeblich beeinflusst haben, lang“. Gleichheit werde in der modernen Welt oft missverstanden, Unterschiede zu machen, bedeute noch keine Diskriminierung.

Im Katechismus unterscheide die Kirche zudem zwischen homosexuellen Neigungen und Handlungen, wobei nur letztere unmissverständlich als widernatürlich bestimmt und verurteilt würden. Deshalb habe die Kongregation für die Glaubenslehre in einem Schreiben vom 22. Februar 2021 auch an die Unzulässigkeit der Segnung gleichgeschlechtlicher Paare erinnert.

Für den Prozess des Synodalen Wegs tragen die Deutsche Bischofskonferenz und das Zentralkomitee der deutschen Katholiken die Verantwortung. Er ist zu unterscheiden von der von Papst Franziskus initiierten Bischofssynode Synodale Kirche 2021–2023, die auch in Polen umgesetzt wird.

Eine Laienbewegung, die in Polen 2021 ebenso wie der deutsche Synodale Weg als Reaktion auf die Missbrauchsskandale in der Kirche entstanden ist, ist der Kongress der Katholikinnen und Katholiken. Ein Mitglied dieses Kongresses stellte Erzbischof Gądecki am 3. März ein gutes Zeugnis aus: Nach einem Treffen einer Arbeitsgruppe des Kongresses mit dem Erzbischof im Herbst 2021 mit dem Vorschlag, sich aktiver im synodalen Prozess zu engagieren, habe er sie ermutigt: „An die Arbeit!“ und am 17. Oktober in seiner Erzdiözese von Poznań eine Synodale Arbeitsgruppe eingesetzt, die bereits mehrere lokale Gemeindetreffen und Koordinationsworkshops organisiert habe. Gądecki möchte zudem, dass dieser Prozess dauerhaft in der Diözese verankert wird und nicht 2023 endet. Der Autor hat eine „so positive Einstellung nicht erwartet, obwohl sie natürlich nicht die Bereitschaft zu weitreichenden Veränderungen bedeutet. Aber Dialog ist wichtig!“

Regula Zwahlen

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