Lettland: Lutherische Kirche verlässt GEKE und tritt ILC bei

Die Evangelische Lutherische Kirche Lettlands (ELKL) hat ihren Austritt aus der Gemeinschaft Evangelischer Kirchen in Europa (GEKE) erklärt und will sich dem theologisch konservativen Internationalen Lutherischen Rat (ILC) anschließen. An der 28. Synode am 6. August auf einer Freilichtbühne in Roja votierten 198 Synodale bei zehn Gegenstimmen und elf Enthaltungen für den Austritt aus der GEKE. Noch größere Zustimmung fand der Beitritt zum ILC: 210 Ja-Stimmen, eine Gegenstimme und acht Enthaltungen.

Bereits 2018 hatte sich die Pfarrkonferenz der ELKL für eine Mitgliedschaft der Kirche im ILC und ein Überdenken der Mitgliedschaft in der GEKE ausgesprochen. Aufgrund der Pandemie konnte die für 2020 geplante Synode aber erst dieses Jahr stattfinden. Pfarrer Andris Krauliņš, Leiter der Abteilung für Außenbeziehungen der ELKL, erklärte, dass der Austritt aus der GEKE für die ELKL keine gravierenden Folgen habe: „Da wir fast keine Reformierten hier haben, ist es für uns völlig unbedeutend, und mit unseren lutherischen Partnerkirchen bleiben wir über den Lutherischen Weltbund (LWB) verbunden.“

Timothy Quill, der Generalsekretär des ILC, der ein weltweiter Zusammenschluss von 54 konfessionell lutherischen Kirchen mit ca. 7,15 Mio. Kirchengliedern ist, begrüßte den Entscheid der ELKL: Diese habe „eine lange, fruchtbare und harmonische Beziehung mit vielen Mitgliedskirchen des ILC. Wir kennen uns sehr gut und sind eines Geistes und eines Herzens in der lutherischen Lehre und Praxis“. Skeptischer äußerte sich dagegen der LWB, die mit 148 Mitgliedskirchen und mehr als 77,8 Mio. Gläubigen weltweit größte Gemeinschaft lutherischer Kirchen, dem auch die ELKL seit 1963 angehört. Der LWB betonte, dass die Kriterien für die Mitgliedschaft im ILC die Kirchen „einer Reihe von theologischen Grundsätzen, Verpflichtungen und Verhaltensweisen unterwerfen“, von denen einige „im Widerspruch zu dem stehen, was die LWB-Kirchen verbindet“. Von daher sei ein Dialog „erforderlich“. Der LWB sei auf die Leitung der EKLK zugegangen, „um zu verstehen, wie sie ihre laufenden Beziehungen zum LWB als Kirchengemeinschaft beurteilt“.

Hauptgrund für den Austritt der ELKL aus der GEKE dürften die Auseinandersetzungen über die Abschaffung der Frauenordination sein, welche die ELKL 2016 beschlossen hatte. Für diesen Entscheid war die ELKL von mehreren Mitgliedskirchen der GEKE kritisiert worden. (NÖK)

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