Polen: Bischofskonferenz protestiert gegen Warschauer LGBT+-Charta

Mit Blick auf die LGBT+-Charta der Warschauer Stadtverwaltung hat die Polnische Bischofskonferenz davor gewarnt, im Namen der Nicht-Diskriminierung andere zu diskriminieren. Die Bischöfe betonten, dass sie nicht die Würde von Lesben, Schwulen, Bi- und Transsexuellen in Frage stellen, sich aber für die Rechte von Eltern und Kindern einsetzen wollten. Besonders kritisch äußerten sich die Bischöfe gegenüber den Standards für die Sexualaufklärung der Weltgesundheitsorganisation WHO.

Die Deklaration „Warschauer Stadtpolitik betreffend der LGBT+-Gemeinschaft“ war von der Warschauer Stadtverwaltung zusammen mit Warschauer LGBT-Organisationen erarbeitet worden und möchte die Stadt Warschau als „Stadt ohne Diskriminierung und ohne Sprache des Hasses und der Gewalt“ gestalten und die Situation der LGBT+-Gemeinschaft verbessern. Vorgesehen ist u.a. ein Interventionshaus für nicht heteronormative Personen in schwierigen Lebenssituationen (z.B. wenn sie aufgrund ihrer sexuellen Identität von zuhause verstoßen werden), eine städtische Statistik für homo- oder transphobe Vorfälle sowie eine Informationshotline für Opfer von Homophobie, die rechtliche und psychologische Hilfeleistungen bietet.

Auf die am 18. Februar vom Warschauer Stadtpräsidenten Rafał Traszkowski unterzeichnete LGBT+-Charta reagierten zuerst die Warschauer Bischöfe am 8. März mit einer kritischen Stellungnahme. In der elf Punkte langen Erklärung der Bischofskonferenz vom 13. März wird insbesondere die Einführung des WHO- Sexualaufklärungsstandards kritisiert. Dabei gehe es nicht nur um die Einführung der neuen „Gender-Ideologie“, sondern auch um die Aneignung verschiedener Geschlechterbeziehungsformen neben dem Elternbund von Mann und Frau sowie um die „brutale Bekanntmachung“ von Kindern mit sexueller Anatomie, Selbstbefriedigungstechniken und Methoden zur Verhütung von Geschlechtskrankheiten und ungewollter Schwangerschaft.

Die Kirche anerkenne die Wichtigkeit einer Sexualerziehung von Kindern, die sie auf ein Leben in der Ehe und einen echten Sinn für menschliche Geschlechtlichkeit vorbereiten solle: Sie lehne aber jede Form der gewaltsamen Beeinflussung der sensiblen Psyche des Kindes ab, dessen Körper noch ‚schweige’ und das seine Sexualität noch nicht ‚entdeckt’ habe. Weil sich jedes Kind mit seinem eigenen Rhythmus entwickle, müsse die Sexualerziehung individuell, stufenweise und ohne Schablonen erfolgen. Der beste Ort dafür sei „der durch Vater und Mutter gestaltete heimische Herd“ durch Lebensgemeinschaft, gegenseitige Liebe und Intimität. Vorzeitiges Wissen über Sexualität störe die emotionale Entwicklung des Kindes und rufe moralische Unruhe hervor. Deshalb erinnern die Bischöfe mit den Eltern und anderen Gegnern der LGBT+-Charta an Art. 72 der polnischen Verfassung, gemäß dem „jeder das Recht hat, von den Regierungsorganen den Schutz des Kindes vor [...] Demoralisierung zu fordern.“. Deshalb fordere die Polnische Bischofskonferenz den „Rückzug der ethische und rechtliche Zweifel weckenden impliziten Ausführungen in der sogenannten Charta LGBT“.

Ebenfalls am 13. März veröffentlichte die Kommission für das Laien-Apostolat der Polnischen Bischofskonferenz eine weitere Erklärung, die sich konkret mit den Empfehlungen der WHO auseinandersetzt. Besorgniserregend sei, dass Christen häufig im Namen der Menschenrechte, der Toleranz und der Wort- und Gewissensfreiheit gezwungen würden, entgegen ihren jahrhundertealten Überzeugungen zu handeln, auf denen die westliche Zivilisation gründe. Die Erklärung betont, dass Kinder kein Staatseigentum seien, sondern Eltern nach Art. 48 der polnischen Verfassung das Recht hätten, sie gemäß ihren eigenen Vorstellungen zu erziehen. Eine gegenteilige Meinung sei für totalitäre Staaten wie zu Zeiten des Kommunismus oder Nationalsozialismus charakteristisch. Die Kirche, der Staat, die Schule, Kindergarten und Kinderkrippen sollten nur eine Hilfsfunktion ausüben und dürften keine Bildungsprogramme einführen, die das konstitutionelle Recht der Eltern missachteten. Es sei klarzustellen, dass die Dokumente der WHO nicht rechtsbindend seien, sondern nur zur Meinungsbildung im Rahmen des Rechts und der moralischen Prinzipien Polens dienen können. Die katholische Kirche orientiere sich an den Ratschlägen von Papst Franziskus im Apostolischen Schreiben Amoris laetitia (2016) zur Sexualerziehung.