Turkmenistan: Verhaftungen von christlichen Konvertiten an Ostertagen
Rund um die Ostertage ist es in der einzigen christlichen Kirche von Balkanabat, einer Stadt im Westen von Turkmenistan, zu mehreren Verhaftungen gekommen. Sowohl am katholischen als auch am orthodoxen Osterfeiertag wurden Kirchgänger von der Polizei festgenommen, als sie die Kirche betreten wollten. Augenzeugen berichteten Radio Free Europe/Radio Liberty, dass rund 50 Personen verhaftet worden seien, und Sicherheitskräfte die Versammlungen scharf beobachtet hätten.
Offenbar handelt es sich bei den Verhafteten um turkmenische Bürger:innen, die zum Christentum konvertiert sind, die genaue religiöse Zugehörigkeit der Betroffenen ist unklar. So sind die Zeugen Jehovas oder Baptisten in Turkmenistan verboten oder zumindest nicht registriert. Angeblich wurden die Verhafteten auf dem Polizeiposten über ihre religiöse Zugehörigkeit befragt und insbesondere nach den Gründen für ihre Konversion. Auch ihre Mobiltelefone seien überprüft worden. Zudem seien sie unter Druck gesetzt worden, zum Islam zurückzukehren, wozu auch lokale Imame beigezogen worden seien. Die einzige registrierte christliche Kirche in Balkanabat ist eine Gemeinde der Russischen Orthodoxen Kirche. Diese war laut lokalen Quellen nicht betroffen und konnte ihre Osterfeiern ungestört durchführen.
Laut einem Experten für Religionsfreiheit von der norwegischen Organisation Forum 18 spielen die turkmenischen Geheimdienste eine wichtige Rolle dabei, eine strikte Kontrolle des Staats über die Religionsgemeinschaften sicherzustellen. Turkmenischen Konvertiten begegneten die Behörden grundsätzlich mit Misstrauen, ungeachtet welcher christlichen Glaubensgemeinschaft sie sich anschlössen. Auch muslimische Bewegungen würden streng überwacht.
Die amerikanische Commission on International Religious Freedom empfiehlt in ihrem Bericht von 2026, Turkmenistan als Land, das Anlass zu besonderer Besorgnis gibt, einzustufen. Das sind Länder, in denen die Regierung besonders schwere Verletzungen der Religionsfreiheit verursacht oder in Kauf nimmt. Im Fall von Turkmenistan verweist die Kommission auf den andauernden Einsatz eines restriktiven Gesetzesrahmens, um die Aktivitäten aller religiösen Gruppen zu kontrollieren. Im Bericht wird die US-Regierung aufgerufen, gezielte Sanktionen einzuführen und ihre Bemühungen für vertiefte Sicherheitskooperation und Handelsbeziehungen an Fortschritte bei der Religionsfreiheit zu knüpfen. Über die formelle Einstufung von Staaten entscheidet das US-Außenministerium, es ist nicht verpflichtet, den Empfehlungen der Kommission, die ein unabhängiges Beratungsorgan der Regierung ist, zu folgen. (NÖK)