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Frankreich: Petition gegen neuen russischen Exarchen für Westeuropa

21. Mai 2026

Gegen den neuen Exarchen der Russischen Orthodoxen Kirche (ROK) für Westeuropa mit Sitz in Paris, Metropolit Mark (Golovkov), regt sich Widerstand. Mark hat im März 2026 Metropolit Nestor (Sirotenko) ersetzt, der offiziell aufgrund eines kirchengerichtlichen Verfahrens gegen ihn seiner Ämter enthoben worden war. Formal geht es dabei um seine Aktivitäten als Pokerspieler, inoffiziell wohl um seine Eigenständigkeit und seine „europäische“ Haltung.

Metropolit Mark ist bekannt dafür, dass er die Haltung der russischen Regierung in Bezug auf ihren Angriffskrieg gegen die Ukraine unterstützt. Russische Kriegsgegner bezeichnet er als Almosenempfänger und den „Interessen unseres Volks fremd“. Deshalb haben die Vereine Russie-Libertés aus Frankreich, Rusos Libres aus Spanien und Friede allen aus Deutschland eine Petition gegen seine Einsetzung als Exarch von Westeuropa gestartet. Die Vereine zeigten sich beunruhigt, weil Mark in Russland den Krieg unterstützt und Waffen, die für die Front bestimmt waren, gesegnet habe. In der Eparchie Rjazan, die er leitete, seien die Geistlichen gezwungen gewesen, an der öffentlichen religiösen Legitimierung des Kriegs teilzunehmen. Das zeige nicht einfach eine persönliche politische Meinung, sondern den „systematischen Gebrauch religiöser Autorität zur Rechtfertigung der Aggression und zur militärischen Propaganda“. Besonders fragwürdig finden die Verfasser der Petition, dass jemand wie der Metropolit ausgerechnet in Frankreich seinen Dienst leisten soll, wohin – wie auch in andere europäische Länder – zahlreiche der von ihm verunglimpften russischen Kriegsgegner geflüchtet sind.

Mit ihrer Petition rufen die Vereine die französischen Behörden auf, die Grundlage für den Aufenthalt des Metropoliten in Frankreich juristisch zu überprüfen, insbesondere mit Blick auf Risiken, die seine Anwesenheit für die gesellschaftliche Ordnung haben könnte. Weiter forderten sie die französischen Behörden auf, seine Rolle bei der Verbreitung der Ideologie, die den Krieg rechtfertige und der Gewalt eine religiöse Grundlage gebe, zu berücksichtigen und Einschränkungen seiner Tätigkeit in Betracht zu ziehen. Abschließend riefen sie Christen aller Konfessionen, Vertreter religiöser Gemeinden und die Zivilgesellschaft in Europa auf, der Einsetzung des Metropoliten ihre Aufmerksamkeit zu schenken.

Zum Tag des Siegs am 9. Mai fanden im spirituell-kulturellen orthodoxen Zentrum der ROK in Paris Feierlichkeiten mit einem Konzert statt, die Metropolit Mark leitete. Dabei wurden nicht nur Lieder und Gedichte aus der Zeit des Zweiten Weltkrieg vorgetragen, sondern auch „aktuelle Werke über den Krieg“, wie es aus dem Exarchat hieß. (NÖK)