Russland: Christlicher pazifistischer Aktivist in Haft gestorben
In einer Haftanstalt bei Woronesch ist am 17. April der Antikriegsaktivist und Blogger Christoljub Vegan unter ungeklärten Umständen gestorben. Seinem Vater wurde am 20. April in der Kolonie mitgeteilt, sein Sohn sei in der Isolationszelle erhängt aufgefunden worden, es sei ein Verfahren wegen Nachlässigkeit eingeleitet worden. Der Vater des Aktivisten glaubt nicht an einen Selbstmord. Anfang April, bevor er wieder in Isolationshaft kam, sei bei einem Telefongespräch mit seinem Sohn noch soweit alles normal gewesen und er habe auch keine gesundheitlichen Probleme erwähnt.
Christoljub Vegan, mit bürgerlichem Namen Dmitrij Kuznetsov, war Pazifist, Kosmopolit, Veganer und konfessionsloser Christ aus Woronesch. Auf seinem YouTube-Kanal postete er unter anderem Videos gegen den Krieg gegen die Ukraine. In einem war der russische Präsident Vladimir Putin mit aufgemaltem Hitler-Schnauz und -Frisur zu sehen. Ein anderes Video betitelte er „Putler und Gundjajev – Marionetten des Teufels“ – Gundjajev ist der bürgerliche Familienname des russischen Patriarchen Kirill.
Im Januar 2023 wurde er wegen der Verletzung der Gefühle Gläubiger und der Rehabilitation des Nazismus verhaftet. Die Vorwürfe bezeichnete Vegan als erfunden. Die Behörden versuchten bewusst, ihn für die Dinge zu verurteilen, gegen die er kämpfe. In der Schlussverhandlung seines Falls im Februar 2025 erklärte er, sich konsequent an die christlichen Überzeugungen des Pazifismus und Kosmopolitismus zu halten. Er sei gegen alle Formen der Gewalt, des Chauvinismus und Rassismus. Deshalb anerkenne er die Anschuldigungen gegen sich nicht und betrachte sich als unschuldig. Zudem habe er das Land bewusst nicht verlassen, obwohl er die Möglichkeit dazu gehabt hätte.
Er wurde zu drei Jahren Haft verurteilt, zugleich wurde ihm für vier Jahre die Redaktion von Internetressourcen verboten und eine psychiatrische Behandlung auferlegt. Verurteilt wurde er für die Rechtfertigung des Nazismus, die angeblichen Verbrechen gegen die Religionsfreiheit waren verjährt. Im Juni 2025 bestätigte ein Appellationsgericht das Urteil, und Vegan musste die Haft antreten. Im Januar 2026 entschied ein Gericht, die Haftbedingungen zu verschärfen. Daraufhin wurde er in die Strafkolonie Nr. 2 in der Nähe von Woronesch verlegt, wo er unter strengen Bedingungen inhaftiert war. Am 21. April fanden die Kremierung und Beisetzung in Woronesch statt. (NÖK)