Russland: „Christen gegen Krieg“ zu ausländischen Agenten erklärt
Das russische Justizministerium hat am 27. März sein Register „ausländischer Agenten“ aktualisiert und dabei das Projekt „Christen gegen Krieg“ hinzugefügt. Die christliche Antikriegsinitiative war nach der russischen Großinvasion in die Ukraine 2022 von der belarusischen christlichen Aktivistengruppe „Christliche Vision“ gegründet worden. Als Beteiligte des Projekts werden im Agentenregister Dmitrij Kornejenko und Natallia Vasilevich genannt.
Das Justizministerium wirft der Gruppe die Verbreitung unwahrer Informationen über Entscheidungsträger in Russland und ihre Politik sowie über die Russische Orthodoxe Kirche vor. Zudem wirft es ihr das „Eintreten gegen die ‚militärische Spezialoperation‘ in der Ukraine“ vor. Weiter habe sie Materialien ausländischer Agenten und in Russland „unerwünschter ausländischer und internationaler Organisationen“ für ein unbegrenztes Publikum verbreitet.
Die Website des Projekts ist in Russland seit dem 9. September 2023 nicht mehr zugänglich. In Belarus wurde der Telegram-Kanal der Gruppe am 23. Januar 2024 in die Liste „extremistischer Materialien“ aufgenommen. Gegen einen der Beteiligten läuft in Belarus zudem ein Strafverfahren wegen eines Interviews mit dem Fernsehsender Belsat. Die Gruppe „Christliche Vision“ gilt in Belarus seit dem 1. April 2025 als „extremistische Gruppe“. Im belarusischen Witebsk stufte am 2. April zudem ein Gericht die VKontakte-Seite von Dmitrij Kornejenko als „extremistisch“ ein.
Die Konferenz Europäischer Kirchen (KEK) drückte auf Facebook ihre Solidarität mit „Christen gegen Krieg“ aus, die eng mit ihrer Initiative „Wege zum Frieden“ verbunden seien. Die Einstufung als „ausländischer Agent“ in Russland gebe Anlass zu ernster Sorge und betone die Risiken für diejenigen, die sich gegen Krieg und Repression stellten. Der Generalsekretär des KEK erklärte, dass der Einsatz von „Christen gegen Krieg“ für „Frieden, Gerechtigkeit und Wahrheit den Ruf des Evangeliums, Gewalt zu widerstehen und die Menschenwürde hochzuhalten, widerspiegelt“.
Am 24. März ist zudem die russische Journalistin und Orthodoxie-Expertin Ksenia Luchenko in Abwesenheit zu acht Jahren Lagerhaft verurteilt worden, weil sie angeblich Falschnachrichten über die russische Armee verbreitet habe. Konkreter Grund war ein Telegram-Post über einen russischen Militärschlag gegen ein Kyjiwer Kinderkrankenhaus im Juli 2024. Zusätzlich wurde Luchenko für vier Jahre verboten, Seiten in den sozialen Medien und digitalen Informationsnetzwerken zu verwalten. Luchenko berichtete, ihre Erklärung in der Angelegenheit sei vom Gericht nicht zu den Unterlagen des Falls aufgenommen worden. Das Verfahren war im September 2024 eingeleitet worden, im Oktober 2024 wurde Luchenko zur Verhaftung ausgeschrieben. (NÖK)