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Russland: Metropolit Nestor zurückgestuft

26. März 2026

Der Hl. Synod der Russischen Orthodoxen Kirche (ROK) hat an seiner Sitzung vom 12. März über das Schicksal von Metropolit Nestor (Sirotenko) entschieden. Nestor war bis im November 2025 Leiter des Exarchats für Westeuropa der ROK sowie temporärer Leiter der Eparchie Spanien-Portugal und der Gemeinden des Moskauer Patriarchats in Italien. Auf Anweisung von Patriarch Kirill war er seiner Ämter enthoben worden, angeblich weil ein kirchengerichtliches Verfahren gegen ihn eingeleitet wurde. Als formaler Grund galt die Tatsache, dass Nestor Poker spielt, allerdings nahm er zu dem Zeitpunkt bereits seit Jahren völlig offen an Pokerturnieren teil.

Laut dem Protokoll der Sitzung gab Metropolit Nestor in einem Brief an den Patriarchen „Vergehen“ zu, die Versuchung in den Kreis der Gläubigen gebracht hätten und den Kanones widersprächen. Er drückte seine Reue aus und versprach, sich zu bessern. Der Hl. Synod entschied, den Metropoliten von seinen Verpflichtungen als Leiter der Eparchie Korsun, als Exarch von Westeuropa sowie der temporären Verwaltung der Eparchie Spanien-Portugal und der Gemeinden der ROK in Italien zu entbinden. Zum neuen Exarchen und Leiter der Eparchie ernannte er Metropolit Mark (Golovkov) von Rjazan, der bereits im November vorübergehend Nestors Pflichten übernommen hatte. Er soll auch die Eparchie Spanien-Portugal und die Gemeinden in Italien temporär leiten. Mark verwaltet zudem weiterhin vorübergehend die Eparchie Budapest-Ungarn, von der Leitung der Eparchie Rjazan wird er befreit. Metropolit Nestor ernannte der Hl. Synod zum Vikarbischof der Eparchie Korsun, unterstellte ihn also Metropolit Mark.

Die Journalistin und Orthodoxie-Expertin Ksenia Luchenko sieht darin eine Erniedrigung von Metropolit Nestor. Ihr ist nicht klar, warum er das Vorgehen akzeptiert. Zudem sieht sie Parallelen zum Schicksal von Metropolit Ilarion (Alfejev).

An der gleichen Sitzung wurde Archimandrit Filaret (Bulekov), der stellv. Leiter des Außenamts des Moskauer Patriarchats, seiner Funktion enthoben. Damit gehe eine Epoche zu Ende, urteilte Ksenia Luchenko. Filaret sei einer der erfahrensten und intellektuellsten Kirchendiplomaten der ROK, der seit den 1990er Jahren im Außenamt tätig war, noch unter dem damaligen Metropoliten Kirill, der heute Patriarch ist. Im Protokoll fehle die übliche Formulierung „mit Dank für die geleistete Arbeit“, was bedeute, dass die Trennung im Schlechten erfolgt sei, so Luchenko. Auch die belarusische Theologin Natallia Vasilevich bedauerte Filarets Ausscheiden aus dem Außenamt. Mit ihm sei die letzte Person entfernt worden, die verstanden habe, wie die internationale Ökumene funktioniere, und keine Angst gehabt habe, sich aus dem Fenster zu lehnen. (NÖK)