Russland: Geheimdienst greift Patriarch Bartholomaios an
Das Pressebüro von Russlands zivilem Auslandsgeheimdienst SVR hat den Ökumenischen Patriarchen von Konstantinopel als „Teufel in Menschengestalt“ und Antichristen bezeichnet. In seiner Meldung vom 12. Januar 2026 schreibt der Geheimdienst, er habe Informationen erhalten, dass Patriarch Bartholomaios, der die orthodoxe Ukraine zerteilt habe, seine „schismatische Tätigkeit im orthodoxen Kirchenraum“ fortsetze. Nun habe er „sein schwarzes Auge“ auf das Baltikum geworfen. „Dieser ‚Teufel in Menschengestalt‘ ist von der Idee besessen, die russische Orthodoxie aus dem Gebiet der baltischen Staaten zu verdrängen,“ und dort stattdessen von Konstantinopel abhängige Kirchenstrukturen einzurichten, heißt es in der Meldung.
Unterstützt werde Bartholomaios von den britischen Sicherheitsdiensten, die in Europa aktiv Russophobie schürten. Mit ihrer Hilfe habe der Ökumenische Patriarch, der „in der Todsünde des Schismas versunken“ sei, eine gemeinsame Sprache mit den baltischen Regierungen gefunden, um Unruhe in die „russische orthodoxe Welt“ zu bringen. Gemeinsam mit lokalen „Nationalisten und Neonazis“ versuche er, die orthodoxen Kirchen in Litauen, Lettland und Estland vom Moskauer Patriarchat zu trennen und ihre Geistlichen in von Konstantinopel geschaffene Marionetten-Religionsgemeinschaften zu ziehen.
Der „aggressive Appetit des ‚Konstantinopler Antichristen‘ ist nicht auf die Ukraine und das Baltikum beschränkt“, heißt es in der Meldung weiter. Mit seiner „Hinterhältigkeit“ überziehe er schrittweise auch die „Länder Osteuropas“. Um der „‘besonders widerspenstigen‘ Serbischen Orthodoxen Kirche“ einen Schlag zu versetzen, plane er, der nicht anerkannten Montenegrinischen Orthodoxen Kirche die Autokephalie zu verleihen. In kirchlichen Kreisen heiße es, Patriarch Bartholomaios zerreiße den lebendigen Leib der Kirche, so der SVR.
Die christliche Aktivistengruppe „Christen gegen den Krieg“ bezeichnete die Meldung als „sehr seltsam“. Die Journalistin und Orthodoxie-Expertin Ksenia Luchenko scherzte, es würde sie nicht überraschen, wenn es beim SVR eine Abteilung für Exorzismus gäbe.
Das Patriarchat von Konstantinopel zeigte sich in einem nüchtern formulierten und kurzen Statement tief betrübt über den Angriff auf den Ökumenischen Patriarchen. Seit das Ökumenische Patriarchat 2018 entschieden habe, der Orthodoxen Kirche der Ukraine die Autokephalie zu verleihen, werde es von kirchlichen und politischen Zentren sowie Einzelpersonen in Russland angegriffen. Diese zahllosen Angriffe kommentiere das Patriarchat nicht und tue das auch in diesem jüngsten Fall nicht. „Erfundene Szenarien, Falschmeldungen, Beleidigungen und gefälschte Informationen aller Art von Propagandisten“ könnten das Ökumenische Patriarchat nicht von seinem Dienst und seiner „ökumenischen Mission“ abhalten. (NÖK)