USA: Kritik an Putins Treffen mit Trump und OCA in Alaska
Der Ukrainische Rat der Kirchen und religiösen Organisationen hat die Forderungen des russischen Präsidenten Vladimir Putin zu "Friedensverhandlungen" im Krieg gegen die Ukraine scharf kritisiert. Bei seinem Treffen mit US-Präsident Donald Trump in Anchorage am 15. August pochte Putin laut Informationen verschiedener Medien auf Garantien, dass die russische Sprache als offizielle Sprache anerkannt wird und die Russische Orthodoxe Kirche (ROK) in der Ukraine frei agieren kann. In seinem Statement erklärte der Rat das juristische Vorgehen gegen die ROK und die ihr bis im Mai 2022 unterstehende Ukrainische Orthodoxe Kirche (UOK). Er betonte zudem, dass in den von Russland besetzten Gebieten ukrainische Religionsgemeinschaften in ihrer Tätigkeit gehindert oder gar verboten würden. Russland missachte und verletzte „alle grundlegenden Prinzipien der Religionsfreiheit“. Deshalb unterstützen die Mitglieder des Rats den „ukrainischen Staat bei der Verteidigung der legitimen ukrainischen Interessen auf internationaler Ebene“. Die Ukraine dürfe nicht zu „‚asymmetrischen‘ Verpflichtungen in Bezug auf den Status der russischen Sprache, Kultur, Russischen Orthodoxen Kirche oder Beteiligung an internationalen Organisationen gezwungen werden.“
Grundsätzliche Kritik am Empfang des russischen Präsidenten in Alaska übte Erzbischof Boris Gudzjak der Eparchie Philadelphia von der Ukrainischen Griechisch-Katholischen Kirche (UGKK). Der Gipfel hätte die „fundamentalen moralischen und geopolitischen Fragen“ von Russlands Krieg gegen die Ukraine nicht lösen können. Ein „genozidaler Kriegsverbrecher“ sei mit offenen Armen auf amerikanischem Boden aufgenommen und ehrenvoll empfangen worden. Die planlosen Verhandlungen hätten zu keinen Zugeständnissen vonseiten des Aggressors geführt. Während Putin eine weitere Reihe tödlicher Bombardierungen für den Tag des Treffens angeordnet habe, sei ihm erlaubt worden, mit dem amerikanischen Präsidenten aufzutreten, so Gudzjak.
Am Rande der Verhandlungen auf der Luftwaffenbasis Elmendorf-Richardson in Anchorage traf Putin auch Bischof Alexij (Trader) von Sitka und Alaska von der Orthodox Church in America (OCA). Er richtete Grüße des russischen Patriarchen Kirill, der sehr gut von Erzbischof Alexij gesprochen habe, aus und schenkte ihm eine Ikone des Hl. Herman von Alaska. Alexij schenkte dem russischen Präsidenten eine Ikone des gleichen Heiligen, die er von Athos-Mönchen zu seiner Bischofsweihe erhalten hatte. Sie habe in seiner persönlichen Ikonenecke, wo er bete, gestanden und er wolle sie Putin überreichen, um die Dankbarkeit der einheimischen Völker Alaskas gegenüber den russischen Anführern auszudrücken, die Missionare nach Alaska geschickt hätten. Russland habe ihnen das Wertvollste – den orthodoxen Glauben – gegeben und dafür seien sie ewig dankbar. Er selbst versuche, jedes Jahr nach Russland zu reisen. Für ihn und ebenso für seine Geistlichen und Seminaristen seien diese Reisen immer ein „großes Geschenk“. Immer wenn sie in Russland gewesen seien, sagten sie, seien sie „zuhause gewesen“. Putin erklärte, Alexij sei ein willkommener Gast und solle sich in Russland wie zuhause fühlen.
Erzbischof Daniel (Zelinsky) und Metropolit Antony (Scharba) von der Ukrainischen Orthodoxen Kirche der USA, die zum Ökumenischen Patriarchat gehört, bezeichneten Alexijs Treffen mit Putin als Verrat am Evangelium und Skandal. In einem Statement auf Facebook drückten sie ihre Trauer und Empörung über den öffentlichen Empfang und die Komplimente gegenüber dem russischen Präsidenten aus – solche Gesten seien mehr als nur unglücklich. Angesichts der russischen Verbrechen in der Ukraine sei das nichts anderes als die „Annahme der Falschheit“. Die Kirche sei aufgerufen, das Gewissen der Gesellschaft zu sein, nicht ein Komplize in „moralischer Blindheit“. Der Austausch von Höflichkeiten mit einem Tyrannen sei Hohn für die Opfer. Die Gläubigen erwarteten von ihren Hirten, Licht ins Dunkel zu bringen, nicht Tyrannen zu schmeicheln. „Ohne Zögern“ verkündeten die beiden Bischöfe, dass Putin „kein Friedensstifter, sondern Verursacher von Tod und Zerstörung ist“. Ihn als etwas anderes zu bezeichnen sei eine „Lüge vor Gott und der Menschheit“. Die Kirche müsse auf der Seite der Unterdrückten, nicht der Diktatoren, stehen.
In einem Statement an die Geistlichen seiner Eparchie, das online verbreitet wurde, wies Erzbischof Alexij die Kritik zurück, das Treffen sei missverstanden worden und haben einige verletzt. Vor dem Treffen sei in den Kirchen Alaskas drei Tage lang für Frieden und die Ukraine gebetet worden. Seine ausgedrückte Dankbarkeit sei nicht als Lob für die aktuelle Politik gemeint gewesen, sondern als Gedenken an die Missionare früherer Generationen, die den orthodoxen Glauben gebracht hätten. In Bezug auf die ausgetauschten Ikonen erklärte er, dass sich die Verehrung von Ikonen nicht auf den Überbringer richte, sondern den dargestellten Heiligen, daher könne er sich nicht für das Küssen der Ikone entschuldigen.
Kurz darauf legte Alexij in einem Statement an Metropolit Tichon (Mollard), das Oberhaupt der OCA, nach und entschuldigte sich bei allen, bei denen sein Verhalten „Schmerz, Leiden oder Verwirrung“ ausgelöst habe. Der „Skandal“, den er verursacht habe, tue ihm zutiefst leid. Sein Vorgehen bedeute nicht, dass die OCA ihre Position und die Unterstützung für die Leidenden geändert habe. Den russischen Präsidenten habe er „in einem friedlichen Geist der Gastfreundschaft“ empfangen, von vielen werde das aber als verpasste Chance für Kritik oder die Forderung nach Frieden gewertet. Er nehme die „volle Verantwortung für die Verwirrung und den Schmerz“, den seine Handlungen ausgelöst haben, auf sich und betonte, dass die OCA insgesamt und die Eparchie Alaska sich mit Gebeten und guten Taten für Frieden und Versöhnung einsetzten.
Metropolit Tichon betonte in einer gemeinsam mit Alexijs Statement auf der offiziellen Website der OCA veröffentlichten Erklärung, dass Bischof Alexijs Treffen mit Putin auf dessen eigene Initiative erfolgt sei, und nicht vom Hl. Synod der OCA autorisiert gewesen sei. Es habe ohne das Wissen des Metropoliten stattgefunden. Die Handlungen des Bischofs von Alaska spiegelten nicht die offizielle Position der Kirche, sie habe von Anfang an den Angriff auf die Ukraine „eindeutig und wiederholt“ verurteilt. Tichon wiederholte seine Unterstützung für Metropolit Onufrij (Berezovskij), die Ukrainische Orthodoxe Kirche (UOK) und das gesamte ukrainische Volk. Die Orthodoxie-Expertin Ksenia Luchenko bemängelte, dass Alexij in seiner Entschuldigung die Dinge nicht beim Namen nenne, den Krieg gegen die Ukraine und Präsident Putin nicht verurteile, sondern sich lediglich für verletzte Gefühle entschuldigt. Auch in Tichons Zusatz würden Russland und Putin nicht namentlich erwähnt, sondern Aggression und Gewalt allgemein kritisiert. Dass der Bischof dem Verursacher dieser Aggression und Gewalt geschmeichelt habe, werde ebenfalls nicht erwähnt, lediglich sein Ungehorsam gegenüber der Kirchenleitung werde beanstandet. Weiter kritisiert Luchenko, dass Tichons Unterstützung lediglich der UOK gelte, alle anderen ukrainischen Kirchen blieben unerwähnt.
Vor dem Treffen der beiden Präsidenten hielt zudem der russische Patriarch Kirill in der Hauskirche seiner Residenz einen Bittgottesdienst ab. In seiner Rede bat um eine gelungene Zusammenarbeit der „Anführer der beiden mächtigsten Staaten auf dem Planeten“, damit die Bedrohung durch einen bewaffneten Konflikt völlig gebannt würde und sich die Beziehungen zwischen den Völkern von Russland und den USA entwickelten. Zudem hoffe er, dass das „wichtige, bedeutende Ziel“ – die grundlegende Veränderung des Verhältnisses zwischen den beiden „großen Nuklearstaaten“ – erreicht werde. (NÖK)