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Armenien: Bischofsversammlung zeigt sich besorgt über das Kirche-Staat-Verhältnis

26. Februar 2026

Die Bischofsversammlung der Armenischen Apostolischen Kirche im österreichischen St. Pölten stand unter dem Zeichen der aktuellen Spannungen zwischen der Kirchenleitung und der armenischen Regierung. In ihrem Abschlussstatement drückten die Bischöfe ihre „tiefe Sorge und Verurteilung“ über die „unbegründete strafrechtliche Verfolgung“ aus, aufgrund derer sieben Bischöfe, darunter das Kirchenoberhaupt Katholikos Karekin II., nicht aus Armenien anreisen konnten. Daher konnte Karekin nur digital an der Versammlung vom 17. bis. 19. Februar teilnehmen.

Auf der Tagesordnung der Versammlung standen die Mission der Kirche in der heutigen Zeit, die Beziehungen zwischen der Kirche und dem Staat sowie der „Schutz der Autonomie der Kirche vor politischen Manipulationen“. Die Bischöfe hielten fest, dass die Mission der Kirche in der spirituellen Sorge und christlichen Erziehung der Armenierinnen und Armenier sowie in der Bewahrung der nationalen und spirituellen Identität bestehe. Zudem hoben sie die Rolle der Kirche als Unterstützerin einer „unabhängigen armenischen Staatlichkeit“ hervor, wobei sie auch heute alles zur Stärkung und zum Fortschritt des Staates tue, in der „unerschütterlichen Überzeugung, dass der Heimatstaat der Beschützer und Garant des ewigen Bestands des armenischen Volks und der Umsetzung seiner nationalen Bestrebungen“ sei. Die Kirche habe nie ausländischen Mächten oder Interessen gedient, sondern dem armenischen Volk, seiner Staatlichkeit und Bewahrung der Nationalidentität kompromisslos die Treue gehalten.

Mit Blick auf die „unerwünschten gegenwärtigen Bedingungen der Kirche-Staat-Beziehungen“ drückten die Bischöfe ihre „tiefe Sorge“ aus. In dieser „gefährlichen Situation“ forderten sie die armenischen Behörden auf, die Kirche nicht weiter zu verfolgen und ihre Souveränität und Autonomie zu respektieren. Weiter forderten sie ein Ende der „Repressionen“ gegen Geistliche und den Katholikos sowie inhaftierte Geistliche freizulassen. Außerdem riefen sie die Regierung auf, sich an die Verfassung und Gesetze Armeniens sowie internationales Recht zu halten und die bestehenden Meinungsverschiedenheiten in „einem Geist des Dialogs“ zu lösen. An die oppositionellen Bischöfe, die gemeinsam mit Ministerpräsident Nikol Paschinjan Kirchenreformen und den Rücktritt des Katholikos fordern, richteten sie die Botschaft, sich an ihr Gehorsamkeitsgelübde zu halten und innerkirchliche Probleme ausschließlich in den zuständigen Kirchenorganen anzusprechen und zu lösen. Die Bischöfe lehnten alle Reformbewegungen „unter äußerem Zwang“ als inakzeptabel ab.

Zudem zeigten sie sich besorgt über die „falschen Prozesse und illegalen Urteile“, die in Aserbaidschan gegen die frühere Führung von Berg-Karabach gefällt wurden. Sie riefen die internationale Gemeinschaft und andere Kirchen auf, sich um die Freilassung der Betroffenen zu bemühen.

Im Vorfeld hatte Paschinjan der Kirche vorgeworfen, mit dem Abhalten der Bischofsversammlung in Österreich das Katholikosat aus Armenien entfernen zu wollen. Damit sollte ein „Marionetten-Katholikosat in den Händen bestimmter Kräfte“ gestärkt und gegen Armenien eingesetzt werden. Kurz darauf wurde ein Strafverfahren gegen Katholikos Karekin eingeleitet und ihm wurde die Ausreise aus Armenien verboten. Aufgrund seiner Abwesenheit wurde die Bischofsversammlung in St. Pölten von einem Konzil zu einer Versammlung herabgestuft, hatte Erzbischof Nathan Hovhannisjan erklärt. Die Versammlung konnte beraten und ihre Ergebnisse der Kirchenleitung präsentieren, aber keine kirchenrechtlichen Beschlüsse fassen. (NÖK)

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