Armenien: Oligarch lässt gigantische Jesusstatue errichten
In der Nähe von Jerewan lässt der Geschäftsmann Gagik Tsarukian eine gigantische Jesusstatue bauen. Die Vollendung des Monuments ist für 2027 geplant, nachdem es beim umstrittenen Projekt zu Verzögerungen gekommen war – ursprünglich hätte es 2025 abgeschlossen sein sollen. Mit 101 m Höhe würde das Monument die Jesusstatue in Rio de Janeiro, die 38 m groß ist, deutlich überragen. Auch die Freiheitsstaute in New York, die 93 m misst, wäre kleiner. Aufgrund des Standorts auf dem Gipfel des 2500 m hohen Bergs Hatis, der ca. 30 km nordöstlich der armenischen Hauptstadt liegt, wäre die Statue von fast überall in Jerewan zu sehen.
Die Pläne zum Bau der Statue wurden im Januar 2022 publik. Ursprünglich erhielt das Projekt von der armenischen Regierung Rückendeckung, und im Juli 2022 wurde eine Feier zur Grundsteinlegung veranstaltet. Dabei wurden offenbar Teile einer antiken Festung beschädigt, und das Projekt wurde auf Eis gelegt. 2025 wurde die Arbeit am Sockel mit Einwilligung der Behörden einige 100 m entfernt vom ursprünglichen Standort wieder aufgenommen.
Die Armenische Apostolische Kirche protestierte bereits kurz nach der ersten Ankündigung öffentlich gegen das Projekt, weil es armenischen religiösen Traditionen widerspreche. Die Kirchenleitung kritisierte die Errichtung der Jesusstatue als inakzeptabel. Religiöse Monumente haben in Armenien – neben Klöstern und Kirchen – oft die Form von Kreuzsteinen (Chatschkar), Jesusstatuen sind dagegen unüblich. Laut einem Jerewaner Think Tank ist auch die öffentliche Meinung gegenüber der Statue eher negativ.
Gagik Tsarukian gilt als einer der schillerndsten und umstrittensten Oligarchen und Politiker. Der frühere Armdrücken-Champion baute sein Vermögen in der Zeit nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion mit Glücksspiel, Alkohol und Bergbau auf. Sein Projekt sieht er im Zusammenhang mit einer wachsenden internationalen Bewegung, die religiösen Glauben mit Nationalismus und Kulturkonservatismus verbindet. Als älteste christliche Nation der Welt sollte Armenien die größte Jesusstatue der Welt haben, so Tsarukian. Von den Bedenken der Kirche, zu der er laut eigenen Aussagen gute Beziehungen pflegt, und von Umweltschützern lässt er sich nicht beirren. Das Monument soll nicht nur das einheimische Publikum ansprechen, Tsarukian prophezeit 10 Mio. Touristenbesuche. Tsarukian ist auch Politiker, er steht dem früheren armenischen Präsidenten Robert Kotscharjan nahe. Seine nationalistische und russlandfreundliche Partei Blühendes Armenien scheiterte jedoch bei den Parlamentswahlen Anfang Juni an der 4 Prozent-Hürde.
Während die Einzelteile der Jesusstatue darauf warten, zu ihrem Standort transportiert und dort zusammengesetzt zu werden, hat der Bau einer weiteren Stätte begonnen. In der Nähe will Tsarukian eine gigantische Arche Noah bauen, die in ihrem Erdgeschoss ein Museum, im ersten Stock ein Hotel und im zweiten Stock ein Café beherbergen soll. Seine Projekte bezeichnet er als „heilig“, mit ihnen werde er „seinen Namen in der Geschichte verewigen“. (NÖK)