Serbien: Orthodoxe Kirche weist EU-Resolution über äußere Einmischung zurück

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Die Serbische Orthodoxe Kirche (SOK) hat ihre „gänzlich ungerechtfertigte Erwähnung“ in einer Resolution des Europäischen Parlaments scharf kritisiert. Ihre Darstellung als „Urheberin von Spannungen zwischen ethnischen Gruppen im Westbalkan, um Konflikte und Spaltungen von Gemeinschaften anzufachen“, widerspreche völlig den Tatsachen, deshalb weise sie einen solchen Standpunkt entschieden zurück. Solch eine Sichtweise basiere auf „tiefen historischen Vorurteilen und tendenziös erzeugten Stereotypen“, Dies sei zwar nicht überraschend, aber dennoch zutiefst enttäuschend für die SOK.

Die Resolution „Zur Einflussnahme aus dem Ausland auf alle demokratischen Prozesse in der EU, einschließlich Desinformation“ wurde am 9. März 2022 vom Europäischen Parlament verabschiedet und hält fest, dass eine gemeinsame Strategie der EU gegen ausländische Einflussnahme nötig ist, die vor allem von Russland und China ausgehe. In der Resolution zeigt sich das Europäische Parlament unter anderem besorgt, „über die Versuche der orthodoxen Kirche in Ländern wie Serbien, Montenegro und Bosnien und Herzegowina, insbesondere in der Entität Republika Srpska, Russland als Beschützer traditioneller Familienwerte zu fördern und die Beziehungen zwischen Staat und Kirche zu stärken“. Außerdem „stellt [es] fest, dass ausländische Einmischung auch durch Einflussnahme und Instrumentalisierung religiöser Institute verfolgt werden kann, wie etwa der russische Einfluss in orthodoxen Kirchen, insbesondere in Serbien, Montenegro, Bosnien und Herzegowina, insbesondere in der Region Republika Srpska, Georgien und in gewissem Maße in der Ukraine, die auch zur Spaltung der örtlichen Gemeinschaften beiträgt, durch die Entwicklung einer voreingenommenen Geschichtsschreibung und die Förderung einer EU-feindlichen Agenda“.

Diese Vorwürfe wies die SOK mit dem Hinweis zurück, sie bete „ohne Unterlass für den Frieden“, baue Frieden, ermuntere ihre Gläubigen, die Wunden der Vergangenheit zu heilen, und baue „Brücken der Zusammenarbeit mit den Nachbarn, ohne Rücksicht darauf, wie sie beten und zu welchem Volk sie gehören“. Die negative Konnotierung traditioneller Familienwerte und ihres Schutzes findet die SOK verwunderlich. Für diese Werte setzten sich nicht nur die SOK und die Russische Orthodoxe Kirche, sondern alle orthodoxen Lokalkirchen, aber auch die katholische und einige Kirchen der Reformation ein. Es handle sich um „elementare und zugleich universelle anthropologische Werte“, von denen die menschliche Zivilisation abhänge.

Auf Kritik stieß auch das als problematisch dargestellte Kirche-Staat-Verhältnis in der EU-Resolution. Die SOK handele auf dem Prinzip der kooperativen Trennung von Kirche und Staat, basierend auf „demokratischen Prinzipien und Abläufen“, ebenso wie dies in den EU-Ländern der Fall sei. Abschließend erklärte die SOK, es gebe keine und dürfe weder aus dem Osten noch aus dem Westen eine Einmischung in die grundlegenden Fragen von Frieden und Zusammenleben geben, die im Zentrum ihrer Interessen, Arbeit und ihres Engagements stünden. (NÖK)

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