Republik Moldau: Orthodoxe Kirche verwahrt sich gegen politischen Druck

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Die Moldauische Orthodoxe Kirche hat gegen alle Formen von politischer Einmischung protestiert. Konkreter Anlass dafür war, dass Oazu Nantoj, Abgeordneter der Partei Aktion und Solidarität im moldauischen Parlament, die Metropolie Moldau, die dem Moskauer Patriarchat untersteht, aufgerufen hatte, sich in Bezug auf den drohenden Krieg in der benachbarten Ukraine und auf Transnistrien politisch zu positionieren. In einem offenen Brief an Metropolit Vladimir (Cantarian) von Chişinău und der Moldau vom 25. Januar erklärte der Abgeordnete, der Metropolit sei moralisch verpflichtet, Stellung zu beziehen.

Es sei Zeit zu „beweisen, dass die Metropolie Moldau das Volk der Republik Moldau unterstützt, dass sie zur Republik Moldau gehört und nicht die ideologische Domäne der Russischen Orthodoxen Kirche ist“, heißt es in dem Brief. Nantoj versteht nicht, „weshalb die moldauische Metropolie seit vielen Jahren die staatsfeindlichen Aktivitäten von Erzbischof Savva (Volkov) von Tiraspol und Dubossari duldet, der Mitglied des Hl. Synods der Orthodoxen Kirche der Moldau ist“. Denn die Geistlichen am „linken Ufer des Dnjestr dienen dem Regime in Tiraspol, das nicht nur die Verfassung der Republik Moldau herausfordert, sondern auch die grundlegenden Menschenrechte“. Transnistrien hat sich Anfang der 1990er Jahre beim Zerfall der Sowjetunion von der Republik Moldau abgespalten und ist de facto unabhängig, wird aber von keinem Staat anerkannt. Das Gebiet gilt als eng mit Russland verbunden, so sind dort auch russische Truppen stationiert. Bereits im Dezember hatte Metropolit Vladimir den Unmut Chişinăus auf sich gezogen, als er an der Amtseinführung des Präsidenten von Transnistrien teilnahm. Dabei hatte er diesem zum Wahlsieg gratuliert und zugleich „aktuelle Tendenzen“ in der Republik Moldau kritisiert.

In Reaktion auf die medialen Debatten veröffentlichte die Metropolie Moldau am 26. Januar eine Stellungnahme. In Bezug auf das von Papst Franziskus verkündete Friedensgebet für die Ukraine am 26. Januar betonte die Metropolie, sie bete jeden Tag für den Frieden, nicht nur an einem bestimmten Datum. Sie tue dies aber still und in Frieden, nicht mit lauten Deklarationen. Franziskus sei nicht nur ein religiöser, sondern auch ein politischer Akteur, deshalb könne er sich „den ‚Luxus‘ solcher Verkündigungen“ leisten. Weiter heißt es in dem Statement, die kirchliche Einheit zwischen der Republik Moldau und Transnistrien sei nie unterbrochen worden, auch wenn dies auf politischer Ebene der Fall sei. Transnistrien gehöre weiterhin zum kanonischen Territorium der Moldauischen Orthodoxen Kirche. Die kirchlichen Strukturen seien älter als die staatlichen, und die Kirche habe seit jeher – und tue das noch immer – „Gläubige aller Nationalitäten und sozialen Kategorien“ umfasst.

Im Statement wird zudem auf das in der Verfassung festgeschriebene Recht der Kirche auf Neutralität verwiesen. Die Metropolie bedaure, dass die Regierungsparteien und andere Akteure Tatenlosigkeit und einen Mangel an Positionen an den Tag legten und dann versuchten, die „Schuld und Verantwortung auf andere Institutionen und Organisationen“, darunter die Kirche, zu schieben. Tief enttäuscht zeigt sich die Kirche, dass die Behörden „jegliche Appelle der Metropolie zu wichtigen Fragen und Problemen systematisch ignorieren“. Sie kritisierte, dass einige Politiker die Kirche mal zu absolutem Schweigen und Nichteinmischung in die Politik aufrufen und mal direkte Aussagen und Positionen zu bestimmten Fragen von ihr verlangen. Die Metropolie erklärte, dass jegliche Einmischung in die Angelegenheiten der Kirche unzulässig sei, beispielsweise wann und wie sie zu beten oder wie sie die Kommunion zu spenden habe sowie sie in „nationale und internationale politische Missverhältnisse und Spiele zu ziehen“. (NÖK)

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