Serbien: Tomos oder nicht? SOK überreicht Erzbistum Ohrid Autokephalie-Tomos

. : Serbien, Nordmakedonien, Griechenland

Der Prozess der Wiederaufnahme der Makedonischen Orthodoxen Kirche – Erzbistum Ohrid (MOK–EO) in die Gesamtorthodoxie schreitet im Wochentakt voran. Nach der Ankündigung zur Anerkennung der kirchlichen Unabhängigkeit der MOK–EO am 24. Mai hat Patriarch Porfirije in der Sonntagsliturgie am 5. Juni in der Belgrader Sveti Sava-Kathedrale dem Oberhaupt der MOK–EO, Erzbischof Stefan (Veljanovski), den Tomos zur Autokephalie überreicht. Dadurch würden alle Ortskirchen über die Einigung zwischen der Serbischen Orthodoxen Kirche (SOK) und MOK–EO offiziell informiert, „obwohl die Mehrheit der Kirchen davon weiß und natürlich uns alle gemeinsam unterstützt und ermuntert hat, in diese Richtung zu gehen.“

„Um dies auch formell zu verkünden, sind wir verpflichtet, unsere Entscheidung auch den anderen Ortskirchen zu schicken, damit jede, nach der kanonischen Reihenfolge, Stellung zu dem beziehen kann, von dem wir denken, dass es der einzige richtige, normale und beste Weg für die Kirche Christi in ihrer Fülle ist, und das bedeutet auch für die Kirche in Nordmakedonien und für die Kirche in Serbien und anderswo“, so Patriarch Porfirije. Das Oberhaupt der SOK betonte dabei ausdrücklich, dass die Bedingungen und Kontexte in Nordmakedonien „absolut anders im Verhältnis zu anderen Gebieten“ seien, in denen „unsere Kirche existiert und lebt“. Diese Aussage zielt vor allem auf Montenegro, wo es ebenfalls seit über drei Jahrzehnten Bestrebungen zur kirchlichen Unabhängigkeit von Belgrad gibt. Erzbischof Stefan maß dem Schritt von Patriarch Porfirije „historische Bedeutung, nicht nur für unsere MOK–EO, sondern […] auch für die gesamte Orthodoxie“ zu. Mit dem Dokument würde nicht nur der Status der Kirche in Nordmakedonien geregelt und anerkannt, sondern auch „eine neue Richtung in unseren zwischenkirchlichen Beziehungen“ eingeschlagen.

Im Tomos steht, dass die SOK der MOK–EO die volle kirchliche Unabhängigkeit und Jurisdiktion über die Gebiete des heutigen Nordmakedoniens und ihrer Diaspora verleiht. Bezüglich des Namens der „neuen autokephalen Schwesterkirche“ macht die SOK der MOK–EO keine Vorgaben, rät ihr aber, „die Frage des offiziellen Namens durch einen brüderlichen Dialog mit den griechischsprachigen und anderen orthodoxen Lokalkirchen zu lösen“. Zudem überlässt die SOK der MOK–EO alle Kirchen und Klöster sowie ihr ganzes bewegliches und unbewegliches Vermögen in Nordmakedonien zur Nutzung. Nicht geklärt wird in dem Tomos die Frage, was mit dem Orthodoxen Erzbistum von Ohrid (OEO) unter Leitung von Metropolit Jovan (Vraniškovski) geschehen soll. Der Metropolit hatte 2002 als einziger Hierarch der MOK–EO an dem Abkommen von Niš, einem Versuch zur Lösung des Kirchenkonflikts in Nordmakedonien festgehalten. Daher wurde 2005 innerhalb der SOK das autonome OEO gegründet. Die staatlichen Stellen in Nordmakedonien anerkannten dessen Gründung jedoch nicht und verurteilten Metropolit Jovan mehrfach zu Haftstrafen.

Gravierender als dieses Problem ist allerdings die Frage, ob es sich bei dem am 5. Juni überreichten Dokument überhaupt um einen „Tomos“ handelt. So erklärte Metropolit Stefan am 7. Juni, dass es ein „offizielles Dokument“ sei, das bestätige, dass die MOK–EO bereit und würdig sei, die Autokephalie verliehen zu bekommen. Den Tomos zur Autokephalie könne nur der Ökumenische Patriarch ausstellen.

Die Hl. Synode der Orthodoxen Kirche von Griechenland kritisierte an ihrer Sitzung vom 8./9. Juni den Schritt der SOK, da die Verleihung der Autokephalie allein in die Kompetenz des Ökumenischen Patriarchats falle. Zudem formulierte die Hl. Synode weitere „ernste Einwände und Vorbehalte“, vor allem im Hinblick auf die Verwendung des Begriffs „Makedonische Orthodoxe Kirche“ und die Erwähnung der „Diaspora“ der Kirche von Ohrid. Grundsätzlich zufrieden zeigte sich die Hl. Synode mit dem Entschluss des Ökumenischen Patriarchats vom 9. Mai, wieder die eucharistische Gemeinschaft, mit der MOK–EO aufzunehmen, da dieser den „Klerus und das fromme griechische Volk ‚beruhigt‘, da sie sowohl die Erwartungen hinsichtlich der Benennung der kirchlichen Einheit des Nachbarstaates erfüllt, ohne den kostbaren Namen ‚Makedonien‘ als Bestandteil oder Ableitung zu verwenden, als auch hinsichtlich der Festlegung ihrer Grenzen nur innerhalb der Grenzen des Staates.“ In seiner Synodalentscheidung vom 9. Mai hatte das Ökumenische Patriarchat festgelegt, dass es die MOK–EO unter der Bezeichnung „Erzbistum von Ohrid“ anerkennt und den Begriff „makedonisch“ und alle anderen Abwandlungen von „Makedonien“ ausschließt. Außerdem hatte es die Jurisdiktion der Kirche auf das Gebiet von Nordmakedonien begrenzt.

Vom 9. bis zum 13. Juni besuchte Erzbischof Stefan mit einer kirchlichen Delegation den Phanar und erbat vom Ökumenischen Patriarchen die Anerkennung der Autokephalie des Erzbistums Ohrid. Bereits am ersten Besuchstag überreichte Patriarch Bartholomaios dem Oberhaupt der MOK–EO das Dokument zum Patriarchal- und Synodalakt vom 9. Mai, womit die kanonische Einheit ausgerufen wurde. Sichtbar wurde diese am 12. Juni, als Patriarch Bartholomais und Erzbischof Stefan gemeinsam die Liturgie zum orthodoxen Pfingstfest feierten. Der Ökumenische Patriarch ermahnte Erzbischof Stefan allerdings auch, dass „Euer Kurs von jetzt an ausschließlich von Eurem eigenen Verhalten und Entscheidungen“ abhängt. Zu klären gilt es zwischen dem Ökumenischen Patriarchat und der MOK–EO nun, wie die neue autokephale Kirche heißen soll, und ob sich die Jurisdiktion der MOK–EO auch über orthodoxe Makedon:innen in der Diaspora erstreckt. (NÖK)

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