Kroatien: Bischöfliche Kehrtwende beim Thema Impfen

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Nach längerem Zögern und zunehmender öffentlicher Kritik hat sich die Kroatische Bischofskonferenz nun eindeutig für die Corona-Impfung ausgesprochen. Nach ihrem Treffen mit dem kroatischen Ministerpräsidenten Andrej Plenković am 6. Dezember riefen die Mitglieder des Ständigen Rats der Bischofskonferenz zusammen mit dem Regierungschef zur Impfung und zur Einhaltung der Corona-Schutzmaßnahmen auf: „Wir rufen alle Bürger, alle Gläubigen und alle Menschen guten Willens auf, zur Überwindung der gesundheitlichen und gesellschaftlichen Krise [...] vor allem durch die Impfung beizutragen.“

In der Erklärung fordern die Bischöfe und der Ministerpräsident zudem dazu auf, die Testverpflichtung für Ungeimpfte und Genese als Mittel zur Verringerung des Infektions- und Übertragungsrisikos zu akzeptieren. Gleiches gelte für die „Zweckmäßigkeit“ der Covid-Zertifikate. „Nur durch eine Kombination aller verfügbaren Mittel, die einzeln nicht ausreichen, können wir die Ausbreitung der Epidemie effektiver bekämpfen.“

Am gleichen Tag veröffentlichte auch die Kommission „Iustitia et Pax“ der Bischofskonferenz eine ausführliche Erklärung mit dem Titel „Mit Liebe die Pandemie der Angst überwinden“, in der sie auf ethische Fragen und die gesellschaftliche Polarisierung im Zusammenhang mit der Pandemie eingeht. Diese verlange von allen „große Verantwortung und Besonnenheit, aber auch Opfer der Liebe gegenüber dem Nächsten, bis hin zum Verzicht auf bestimmte persönliche Freiheiten“. Vor diesem Hintergrund seien gesellschaftliche Auseinandersetzungen wenig überraschend. Zwar betont die Erklärung die Unverletztlichkeit der persönlichen Gewissensentscheidung, und dass niemand zur Impfung gezwungen werden dürfe, gleichzeitig unterstreicht sie aber auch die Verantwortung des Einzelnen gegenüber der Gemeinschaft: „In diesem Geiste müssen wir den evangelischen Aufruf von Papst Franziskus annehmen, [...] dass die Impfung ein Akt der Liebe ist.“ Insbesondere ruft die Erklärung die Priester und Ordensleute zu einem verantwortungsbewussten Verhalten und zum Einhalten aller epidemiologischen Maßnahmen auf.

Die beiden Erklärungen stellen eine Kehrtwende in der bisherigen Kommunikation der Kroatischen Bischofskonferenz dar. Noch Mitte November hatte der Ständige Rat der Bischofkonferenz in einer kurzen Erklärung vor allem das Motiv der Freiwilligkeit bei der Impfung unterstrichen und sich von den Corona-Maßnahmen der kroatischen Regierung distanziert, was auf scharfe Kritik von Krankenhausärzten gestoßen war. Da nur knapp die Hälfte der kroatischen Bevölkerung gegen das Coronavirus gimpft ist, wurden die Stimmen immer lauter, die eine klare Positionierung der katholischen Kirche im Land zur Impfung forderten. In einer Videobotschaft hatte Papst Franziskus bereits Mitte August für die Impfung als „Akt der Liebe“ geworben. Daher rief der Immunologe Matko Marušić den Zagreber Erzbischof, Josip Kardinal Bozanić, und die anderen kroatischen Bischöfe dazu auf, öffentlich niederzuknieen und das Volk zu bitten, sich impfen zu lassen.

Mit Bezug auf Papst Franziskus sprach sich Kardinal Bozanić allerdings erstmals Ende November in einem Interview mit der katholischen Kirchenzeitung Glas Koncila („Stimme des Konzils“) klar für die Corona-Impfung als „Akt der Nächstenliebe“ aus. Dagegen hatte sein Amtskollege aus Sarajevo, Kardinal Vinko Puljić, bereits im August öffentlich in einem Video zur Impfung aufgerufen.

Den Schlingerkurs der Kirchenleitung in Kroatien hinsichtlich der Impfung führen Beobachter vor allem auf zahlreiche Impfskeptiker und -gegner in den eigenen Reihen zurück. So distanzierte sich der Dekan der Katholisch-Theologischen Fakultät der Universität Zagreb, Josip Šimunović, am 13. Dezember in einer öffentlichen Erklärung von seiner Kollegin Ružica Razum, Professorin für Religionspädagogik: Deren Ansichten hinsichtlich der Corona-Maßnahmen entsprächen nicht den Haltungen der der Katholisch-Theologischen Fakultät. Razum hatte zuvor in einer Kolumne von einem „pandemischen Totalitarismus“ gesprochen, zu dem die Kirche schweige. In dem Text bestritt sie unter anderem die Gefährlichkeit von Covid-19 und verbreitete Verschwörungstheorien vom „großen Austausch“. (NÖK)

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