Kroatien: Krankenhausärzte kritisieren Bischöfe wegen Äußerungen zur Impfung

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Die Vereinigung der kroatischen Krankenhausärzte hat den katholischen Bischöfen des Landes vorgeworfen, mit ihren Äußerungen zur Corona-Impfung „ohne Verständnis und ohne Seele jenen zu schmeicheln, die jetzt nach den Fahnen der Wahlfreiheit greifen: Freiheit ohne Verantwortung.“ Sie luden die Bischöfe ein, Covid-19-Krankenhäuser zu besuchen und in die Augen der an Covid-19-Erkrankten zu schauen, aber auch in die Augen der Kranken, „die kein Covid-19 haben, aber keine medizinische Versorgung bekommen können, weil die Kliniken momentan keine Möglichkeiten haben, sich um sie zu kümmern“.

Anlass für dieses auf der Facebook-Seite der Ärztevereinigung veröffentliche Schreiben war eine Erklärung des Ständigen Rats der Kroatischen Bischofskonferenz vom 12. November, ob eine Impfung gegen Covid-19 moralisch vertretbar sei. Die Bischöfe erinnerten dabei an die Note der vatikanischen Glaubenskongregation vom 21. Dezember 2020, dass es sittlich erlaubt sei, Impfungen gegen Covid-19 zu empfangen, „die in ihrer Entwicklung und Herstellung Zelllinien von abgetriebenen Föten verwendet haben“. Gleichzeitig habe die Glaubenskongregation jedoch angemahnt, „ethisch vertretbare Impfstoffe herzustellen […] und anzubieten, die weder dem medizinischen Personal noch den zu Impfenden selbst Gewissenprobleme verursachen“. Zudem müsse die Impfung freiwillig sein. Die kroatischen Bischöfe beklagten jedoch, dass in jüngster Zeit ein „Klima eines gewissen Drucks“ auf Menschen entstanden sei, „die ein Problem mit dem eigenen Gewissen bekennen“. Alle Maßnahmen und Entscheidungen zur Eindämmung des Coronavirus sollten „ohne Zwang und Bedingungen“ sein. Vor diesem Hintergrund empfahlen die Bischöfe auch „die Nutzung nichtinvasiver Methoden und anderer Formen des Testens.“

Damit distanzierten sich die Bischöfe deutlich von den jüngsten Corona-Maßnahmen der kroatischen Regierung. Angesichts stark steigender Fallzahlen hat die Regierung zum 16. November die Einführung der 3G-Regel für alle Amtsgebäude beschlossen. Die Sieben-Tage-Inzidenz pro 100000 Einwohner liegt in Kroatien momentan bei über 900; nur knapp 46 Prozent der Bevölkerung sind vollständig geimpft.

Vor diesem Hintergrund kommentierte die Vereinigung der Krankenhausärzte die bischöfliche Erklärung mit bitteren Worten: „Das nächste Mal, wenn Ihr gerufen werdet, ungeimpften Patienten die Krankensalbung zu spenden, die an Covid-19 erkrankt sind, oder Ihr die Todeszahlen lest, gemäß denen Kroatien unter die 10 Prozent der Länder mit der höchsten Todesrate bei dieser Krankheit weltweit fällt, denkt daran, dass Ihr dies mit Eurem (Nicht-)Handeln ermöglicht habt.“ Die Impfung sei der effektivste Schutz gegen die Krankheit: „Das ist die einzige wissenschaftliche Wahrheit, die klar ausgesprochen werden muss. Alle anderen Äußerungen über die Impfung offenbaren Unwissen sowie eine laue, geschmacklose und berechnende Feigheit.“ Der Facebook-Post der Ärzte endete mit dem Hinweis: „Die Auswahl diagnostischer Tests ist sicherlich keine Spezialkompetenz der Kroatischen Bischofskonferenz.“

Die Ärzte und auch der kroatische Ministerpräsident Andrej Plenković erinnerten daran, dass der Papst klar zum Impfen aufgerufen habe. In einer Videobotschaft hatte Papst Franziskus Mitte August für die Impfung als „Akt der Liebe“ geworben. Hinter diese Äußerung des Papstes hatte sich auch Josip Grbac, Moraltheologe an der Katholisch-Theologischen Fakultät in Rijeka, Mitte Oktober in einem Interview mit dem christlichen Magazin Kana gestellt und eindringlich an die Gläubigen appelliert, sich impfen zu lassen: „Niemand kann sich anstatt meiner impfen, und an meiner statt heißt für andere verantwortlich sein.“ Dabei sprach er sich auch für resolutere Corona-Maßnahmen aus, falls diese zum Schutz der Gemeinschaft nötig sein sollten.

Einen Schritt weiter ging Bischof László Német von Zrenjanin. In seiner Diözese in der serbischen Vojvodina verfügte er, dass ab dem 1. November jeder Priester, der Sakramente spendet, geimpft sein muss. Er begründete den Schritt damit, dass er die pandemische Situation genau verfolge. Er wolle seine Priester und alle, die für das Bistum arbeiten, keineswegs disziplinieren, vielmehr wolle er zeigen, dass die Impfung „ein Zeichen der Liebe gegenüber den Nächsten“ sei: „Wir alle wissen, dass die Mehrheit der Menschen, die zum Gottesdienst in die katholische Kirche kommt, ältere Personen sind. Personen, die Problemen und Erkrankungen in Zusammenhang mit Covid-19 besonders ausgesetzt sind. Daher bin ich zu dieser Entscheidung gekommen.“

Von der Kirchenleitung in Kroatien fehlen bisher jedoch deutliche Appelle zum Impfen – im Gegensatz zu den polnischen Bischöfen, die sich klar für eine Impfung ausgesprochen haben. Größere Sorgen macht sich die Kirchenleitung stattdessen um die Freiwilligkeit der Impfung. So erklärte der Sekretär der bischöflichen Kommission „Iustitia et Pax“, Vladimir Dugalić, bereits Anfang Juli, dass jeglicher Druck, sich impfen zu lassen, kontraproduktiv sei: „Auch wenn man vielleicht aus den besten Motiven Druck ausübt, führt das bei den Menschen zur Revolte und zum Aufstand.“

Die kroatische Regierung ist zunehmend frustriert darüber, dass die Kirchenleitung die Impfkampagne der Regierung in dem mehrheitlich katholischen Land nicht eindeutig unterstützt. Beobachter führen dies darauf zurück, dass es auch unter den Geistlichen etliche Impfgegner gibt. So nahmen auch Priester an Demonstrationen gegen die Einführung einer 3G-Regel in Kroatien teil. (NÖK)

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