Slowakei: Erzbischof ruft Gläubige auf, in der Pandemie Kraft aus dem Glauben ziehen

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Erzbischof Stanislav Zvolenský von Bratislava hat die Katholiken in der Slowakei dazu aufgerufen, in der Coronakrise Kraft aus dem Glauben zu ziehen. Das slowakische Volk pilgere seit Menschengedenken zur Muttergottes in Šaštín „um ihr seine Leiden anzuvertrauen, von den persönlichen und familiären bis hin zu jenen der ganzen Gesellschaft“, sagte Zvolenský laut Medienberichten bei der diesjährigen Nationalwallfahrt in das westslowakische Marienheiligtum. Der Anblick der Marienstatue mit dem toten Jesus in den Armen mache aber auch bewusst, welche Kraft der Hoffnung die Gestalt Mariens in sich berge, so der Erzbischof: „Der Augenblick des Todes Christi, das scheinbare Ende von allem, ist zugleich ein Augenblick, der zu einer unerwarteten Wende führt – zur Auferstehung.“

Diese Hoffnung wünsche er allen in den derzeitigen Mühen, um die von der Pandemie auferlegten Herausforderungen zu bestehen – „aber auch in allen anderen persönlichen oder gesundheitlichen Kämpfen, in Beziehungsproblemen, in Schmerz, Trauer und in allen Befürchtungen, die das Leben bringt“, sagte Zvolenský.

Zur traditionellen Nationalwallfahrt nach Šaštín am 15. September kommen in normalen Jahren mehrere Zehntausende Gläubige aus dem In- und Ausland und die gesamte slowakische Staatsspitze zusammen. Dieses Jahr kamen unter Einhaltung strengster hygienischer Maßnahmen nur einige Hundert in den Wallfahrtsort, die Slowakische Bischofskonferenz sprach von einer „Pfarrwallfahrt“.

Auch die politische Prominenz beschränkte sich dieses Mal im Wesentlichen auf Ministerpräsident Igor Matovič, der die Bevölkerung im Vorfeld eindringlich vor einer Teilnahme an der Wallfahrt gewarnt hatte. Die alljährliche Diskussion über die Beibehaltung des 15. September als Staatsfeiertag blieb angesichts der Corona-Krise, aber auch der überwiegend konservativen neuen Regierung diesmal aus.

Am Tag nach der Wallfahrt veröffentlichte die Slowakische Bischofskonferenz auch einen neuen Überblick für die bei Gottesdiensten und kirchlichen Veranstaltungen geltenden Covid-19-Schutzmaßnahmen. Angesichts der anrollenden zweiten Welle der Pandemie waren diese in Zusammenarbeit mit Fachleuten des Gesundheitsministeriums und des Amts des öffentlichen Gesundheitswesens in den vergangenen Tagen erarbeitet worden waren.

In der Slowakei orientiert man sich dabei auch in den Kirchen an einem Ampel-System, das regionale Unterschiede bei den Schutzmaßnahmen anzeigt. Die roten, orangen und grünen Zonen sind auf dem Internetportal der Bischofskonferenz unter www.tkkbs.sk/semafor ersichtlich. In der roten Zone befinden sich aktuell die Hauptstadt Bratislava, der Bezirk Nitra, die ostslowakische Metropole Košice, aber auch zwei ländliche Regionen an der polnischen Grenze. Auch einzelne Pfarren können in dem System auf Rot gestellt werden – etwa wenn ein Priester bei sich selbst, bei Kirchenmitarbeitern oder Gläubigen in der Kirche Anzeichen einer Covid-19-Erkrankung bemerkt.

Auch bei Grün müssen Gläubige in den Gottesdiensten Mund-Nasen-Schutz tragen und sind aufgerufen, Abstand zu halten. Gläubige, die sich krank fühlen, sollen zu Hause bleiben. In Kirchen in orangen und roten Zonen gelten wie schon im Frühjahr verschärfte Abstandsregeln u. a. durch Sitz- und Stehplätze im Schachbrettmuster. Die konkrete Personenzahl wird durch die Dimension des jeweiligen Kirchenraums bestimmt.

Gläubigen in Risikogruppen sei „in passender Weise zu versichern, dass sie unter diesen Umständen nicht an das Gebot der Teilnahme am Sonntagsgottesdienst gebunden sind“, wird weiters festgehalten. Sie könnten die Liturgien über Radio, Fernsehen und Internet verfolgen. In Pfarren in roten Zonen mit eingeschränkten Sitzplätzen bei Gottesdiensten sollen auch eigene Gottesdienste für Senioren abgehalten werden, erklärte Bischofskonferenz-Sprecher Martin Kramara.

Sehr wichtig ist laut den Regularien auch eine „richtige und unablässige Katechese“ bezüglich der Handkommunion. Hintergrund ist, dass in der Slowakei die Mundkommunion üblich ist und der dringende Aufruf der Bischöfe, während der Pandemie die Handkommunion zu praktizieren, auch Proteste unter Gläubigen auslöste. Es sei vonnöten, „wiederholt, am besten bei jedem Gottesdienst vor der Kommunion an die Unvermeidlichkeit der Einhaltung der angemessenen Achtung und der richtigen Art des Empfangs in die Hand zu erinnern, die jetzt auf der Grundlage einer Entscheidung der slowakischen Bischöfe erlaubt“ sei, hält die Bischofskonferenz daher im neuen Anti-Corona-Regelwerk fest.

Präzise wird dazu vorgeschrieben, wann der Mund-Nasen-Schutz abzunehmen und wieder anzulegen ist, wie eine Hand über die andere zu legen ist und die Hostie vor dem Kommunionspender zum Mund zu führen ist. Wer „im individuellen Fall oder aus einem ernsten Grund“ die Kommunion nicht in die Hand empfangen kann, solle als Letzter vortreten. Nach der Verabreichung der Eucharistie in den Mund muss der Spender seine Hände desinfizieren. (Quelle: Katholische Presseagentur Kathpress, www.kathpress.at)

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