Polen: Ukrainische und polnische Bischöfe warnen vor Kriegsgefahr

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Die katholischen Bischöfe in der Ukraine und Polen haben zu einer gewaltfreien Lösung in dem Konflikt zwischen Russland und der Ukraine aufgerufen. In ihrem am 24. Januar veröffentlichten Appell mahnten sie zu einer „Suche nach Dialog und Verständnis, um die Gefahr kriegerischer Handlungen abzuwenden“. Zugleich betonten sie, dass Russland mit der Okkupation des ostukrainischen Donbass und der Halbinsel Krim die nationale Integrität der Ukraine und das Völkerrecht verletzt habe. „Die derzeitige Situation stellt für die Länder Mittel- und Osteuropas und den gesamten europäischen Kontinent eine große Gefahr dar, die die Fortschritte vieler Generationen beim Aufbau einer friedlichen Ordnung und Einheit in Europa zerstören kann“, so die Bischöfe.

Die Bischöfe reagierten besorgt, dass die jüngste Gesprächsreihe zwischen Russland und dem Westen zu keiner Einigung geführt habe. Sie riefen die Staats- und Regierungschefs auf, von Ultimaten Abstand zu nehmen und „ein anderes Land als Druckmittel“ auszunutzen. Die Differenzen könnten nicht durch Waffengewalt, sondern nur durch Vereinbarungen gelöst werden. An die internationale Staatengemeinschaft appellierten sie, sich mit der Ukraine solidarisch zu zeigen und „mit allen möglichen Mitteln eine bedrohte Gesellschaft aktiv zu unterstützen“.

Mit Berufung auf die Pastoralkonstitution „Gaudium et spes“ erinnerten die Bischöfe daran, dass Krieg „niemals ein angemessenes Mittel zur Lösung internationaler Probleme sein kann“. Krieg führe zu einem „sinnlosen Gemetzel“, und gerade angesichts der heutigen Zerstörungsmacht von Vernichtungswaffen und der internationalen Vernetzung sei eine Eingrenzung des Konflikts praktisch unmöglich. „Durch den Frieden ist nichts verloren, durch den Krieg kann alles verloren gehen.“ Der christliche Glaube östlicher und westlicher Tradition gebiete die Friedensförderung und deshalb seien alle zum gemeinsamen Gebet für den Frieden und die Zerstörung der Logik von Vergeltung und Rache aufgerufen.

Den Appell unterzeichneten u.a. Erzbischof Svjatoslav Schevtschuk, das Oberhaupt der Ukrainischen Griechisch-Katholischen Kirche, und Erzbischof Stanisław Gądecki, der Vorsitzende der Polnischen Bischofskonferenz. Beide folgten zudem dem Aufruf von Papst Franziskus vom 23. Januar und forderten alle Gläubigen ihrer Kirchen dazu auf, am 26. Januar für den Frieden in der Ukraine zu beten und zu fasten.

Regula Zwahlen

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