Polen: Bischofskonferenz „informiert“ über „Stopp LGBT“-Initiative

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Am 4. September hat der Generalsekretär der Polnischen Bischofskonferenz, Bischof Artur Miziński, einen Brief an alle Diözesanbischöfe verschickt, in dem er über die Unterschriftensammlung „Stopp LGBT“ der Stiftung „Leben und Familie“ für ein Verbot von Gleichstellungsparaden im Versammlungsgesetz informiert. Er erklärte, „dass es dem lokalen Bischof obliege, den Gläubigen die Unterzeichnung eines solchen Projektes in den kirchlichen Räumlichkeiten zu gestatten“ und bat die Bischöfe, „nach ihrer freien Entscheidung die Möglichkeit einer günstigen Behandlung dieser Angelegenheit zu erwägen“. Nach einem Bericht der Zeitung Gazeta Wyborcza vom 12. September, dass die Bischofskonferenz die Gesetzesinitiative unterstütze, betonte deren Sprecher Leszek Gęsiak SJ, dass es sich lediglich um eine Information über die Gesetzesinitiative „Stopp LGBT“ und nicht um eine Stellungnahme der Bischofskonferenz in der Sache handle. Jeder Bischof sei in seiner Entscheidung frei. Gemäß der Gazeta Wyborcza werden seither in mehreren Gemeinden Unterschriften gesammelt, die Bischöfe seien in der Frage tief gespalten.

Seit der Wiederwahl von Präsident Andrzej Duda, der im Wahlkampf gegen die LGBT-Bewegung Stimmung gemacht hatte, verschärft sich der Kurs der Regierung und die gesellschaftliche Polarisierung. Sein Herausforderer, der Warschauer Stadtpräsident Rafał Trzaskowski, der in der Stichwahl vom 12. Juli mit 49% der Stimmen knapp gegen Duda mit 51% der Stimmen verloren hatte, hatte im Februar 2019 eine Erklärung zur Unterstützung der LGBTQ-Rechte unterzeichnet. Am 30. Juli bekräftigte EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen die Entscheidung der EU-Kommission, die in den vergangenen Monaten sechs Anträge zur Förderung von Städtepartnerschaften abgelehnt hatte, weil die beteiligten polnischen Gemeinden sich zu „LGBT-freien Zonen“ erklärt hatten. Bis Dezember 2019 waren in Polen etwa 80 derartige Erklärungen abgegeben worden, was das Europäische Parlament am 18. Dezember 2019 scharf verurteilt hatte.

Die Bischofskonferenz hat Anfang September einen offiziellen „Standpunkt der Polnischen Bischofskonferenz zur LGBT+-Frage“ veröffentlicht, der Aggression gegen LGBT+-Menschen verurteilt, gleichzeitig aber eine moralische Verurteilung jedes Verhaltens enthält, das der „natürlichen sexuellen Orientierung“ widerspricht. Die „Ökumenische Arbeitsgruppe Homosexuelle und Kirche“ hält das Positionspapier, das unter anderem zu Konversionstherapien aufruft, für anmaßend, insbesondere weil Papst Franziskus diese pastorale Methode scharf verurteilt habe.

Regula Zwahlen

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